Pflege-Selbsthilfeverband e.V.

 Initiative für menschenwürdige Pflege

Pflege-SHV

 

 

 

Zuwendungsorientierte Pflege

nach dem Vorbild von Yves Gineste und Rosette Marescotti

Der Franzose Yves Gineste, hat  gemeinsam mit seiner Frau Rosette Marescotti –  Pflegeformen entwickelt, die durchgehend auf der  „Philosophie des Menschseins“ (Humanitude) beruhen.  Während diese, aus der Praxis heraus entwickelte Methodik, in  Frankreich, Kanada und der Schweiz seit einigen Jahren bereits mit großem Anklang vermittelt wird, ist sie in Deutschland noch nahezu unbekannt.   In  2005 wurde Gineste z.B.  von der Regierung Québec (Kanada) beauftragt die erste Phase der Transformation von Pflegeheimen  in "Orte des Lebens" einzuleiten.

Im Vordergrund  steht die Qualität menschlicher Beziehungen, durch die Art jemanden anzusehen, zu berühren oder mit ihm zu sprechen. Die Resultate dieser Methodik sind  beeindruckend,  sie reichen von einer bis zu 95%igen  Verringerung   krankhafter Unruhe bei dementen Menschen, über den friedlichen  Ablauf kritischer Pflegeakte (waschen, essen, anziehen), bis zur starken Verringerung von Bewegungslosigkeit, Verhütung von Bettlägerigkeit und der Aufrechterhaltung einer non-verbalen Kommunikation.

Unser Mitglied, Rosemarie Friemel-Lietard, hat dieses Konzept bei ihren Internetrecherchen auf französischen Seiten entdeckt und den Kontakt hergestellt. In einem Artikel, der im Februar 2007 in der Zeitschrift HEILBERUFE erschienen ist, beantwortet Frau Friemel-Lietard  meine Fragen und erläutert so in verständlicher Weise, wichtige Besonderheiten - auch in Abgrenzung zu ähnlichen Ansätzen, wie sie auch in Deutschland bekannt sind. Hier der Beitrag "Zeit für Zuwendung" . Da in diesem einige Passagen weggekürzt wurden, stellen wir hier außerdem das ursprüngliche Manuskript vor. 

Die  Übersetzung des diesem Konzept zugrunde liegenden Buches "Humanitude" (Menschsein)  ist geplant. Norbert Höfer, Mitglied aus Bonn, hat das erste und siebte Kapitel probeweise bereits übersetzt, so dass ich nun erst recht gespannt darauf bin, diesen Ansatz konkret in der Praxis sehen zu können.   

Französisch sprechende Interessenten  finden weitere Informationen zum Pflegekonzept Gineste-Marescotti unter:

http://www.cec-formation.net

Yves Gineste hat einige Mitglieder von Pflege-shv Anfang März 2007 zu einem  Einführungskurs nach Frankreich eingeladen und sein Interesse an einer Zusammenarbeit mit uns bestätigt.  Über die weitere Entwicklung werde ich Sie auf dem Laufenden halten. 

Adelheid von Stösser, den 23.02.2007


Am 3. März 2007 hat der o.a. Einführungskurs in Paris stattgefunden.  Lesen Sie hier den Bericht.  


Sehen Sie hier einen kurzen  Filmbeitrag in einer Reportage während der Mittagnachrichten des  1. französischen Fernsehprogramms TF 1, am 3.1.2008,13 Uhr  

 

Übersetzung von Rosemarie Friemel-Lietard

 

Der Nachrichtensprecher :

Während der französische Alzheimer-Verein ungeduldig darauf wartet, die zum 1. Januar 2008 versprochenen Maßnahmen des Alzheimer-Planes kennen zulernen, hat ein französisches Ehepaar eine sehr wirksame Pflegemethode zur Verbesserung des Alltags dieser Patienten ausgearbeitet. Wie Sie sehen werden, ist diese Methode mit viel Sanftheit ausgeführt.

 

Pflegeheim in Bagnols-en-Forêt – Isabelle Marc :

Jedes Mal wenn Yves Gineste in dieses Alten-Pflegeheim kommt, ist es das gleiche Ritual : er macht seinen Rundgang bei den Alzheimer-Patienten, in dem er mit ihnen Kontakt aufnimmt, mit nahem, direkten Augenkontakt und Hand in Hand. Diese Kontaktaufnahme ist ungemein wichtig vor den nachfolgenden Pflegeakten des Tages, wie die Körperpflege. Jacques wollte davon nichts wissen und jetzt akzeptiert er es, auch das Bad macht im keine Angst mehr, denn die Gesten und Worte beruhigen ihn.

 

Yves Gineste :

Sie wissen nicht wer ich bin, sie wissen lediglich, dass ich hier bin, um ihnen Gutes zu tun. Wir sind Professionelle der Zärtlichkeit und Sanftheit. Und das ist zu lernen. Herz alleine genügt nicht, das ist Tatsache.

 

Isabelle Marc :

Diese Einstellung ist kein Zufall, sie entspricht präzisen Techniken, begründet auf das was man derzeit von der Geschichte des Patienten und seiner Wahrnehmung der Welt weiß, mit einer Genauigkeit und Ergebnissen, die das Pflegeteam überzeugt haben, welches auch gleich bei Eröffnung dieses Pflegeheimes ausgebildet wurde.

 

Dr Jérome Couzy, Arzt :

Der Alltag der Patienten sind nicht die Medikamente, man muss soviel wie möglich mit ihnen in Kontakt sein und vor allem darum, um die Pflegeakte in einer wohlwollenden Atmosphäre auszuführen und nicht ringend und kämpfend, wie es sehr schnell von statten gehen kann, wenn man nicht genug aufmerksam ist.

 

Isabelle Marc :

Paulette lag regungslos und zusammengekauert im Bett, sie verweigerte Pflegeakte und kommunizierte nicht mehr. Dank von „Humanitude“ = „Menschsein“, ist sie wieder ins Leben zurückgekehrt. Keine gewaltsame Pflegeakte, Worte die beruhigen und, im nachhinein, wieder ihre ersten Schritte. 

Yves Gineste :

Man braucht dazu nicht mehr Zeit, ich könnte eher sagen, man braucht weniger, im Sinne wenn ich 30 oder 40 Sekunden mehr brauche für die Kontaktaufnahme, dann habe ich jedoch nachher – mit allen Techniken – jemanden, der extrem leicht zu pflegen ist.

 

 Isabelle Marc :

Mehr heitere Ruhe (Sérénité), weniger Medikamente, weniger Weglaufen, mehr Autonomie. Die menschliche Bindung, deren Wichtigkeit in den Vordergrund gestellt wird, ist eine kleine Revolution in der Welt der Altenpflege. Die Pfleger/innen, in erster Linie, täuschen sich nicht : 800 Schulungsanfragen stehen auf der Warteliste.

 

Abschließender Kommentar des Nachrichtensprechers :

Eine sehr, sehr schöne Initiative.

 

 

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