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» Im Grunde sind es doch die Verbindungen mit den Menschen, welche dem Leben seinen Wert geben. «

W. v. Humboldt

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Ratgeber für Angehörige
24-Stunden-Pflege zu Hause

 

Pflegekammer

Position des Pflege-SHV zur Pflegekammer

Angesichts der drängenden Probleme in der Pflege, sehen verschiedene  Berufsverbände und Politiker das Heil in einer  Pflegekammer.  Dabei gilt es jedoch zu bedenken, dass Pflege kein Beruf, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist und bleiben muss.  Eine Pflegekammer, die in der üblichen Form des Kammerwesens als Berufsstandsvertretung angelegt würde, schwächt die ohnehin schwache Position der Angehörigen, die bisher den größten Teil der Pflege schultern.  Pflege braucht ein Haus, in dem alle beteiligte Raum finden, indem sich alle gemeinsam um die Gewährleistung menschenwürdiger Pflege bemühen, ganz gleich wo und von wem diese erbracht wird. 

Da sich unter den aktiven Mitgliedern des Pflege-SHV auch einzelne befinden, die sich sehr für die Einrichtung einer Pflegekammer einsetzen,standdie Frage nach dem möglichen Nutzen im Vordergrund unserer internen Debatte.

Mit einer Pflegekammer verbinden viele die Vorstellung einerunabhängigen, politisch einflussreichen Dachorganisation, die den Pflegeberufen ein besseres Ansehen und mehr Durchsetzungskraft verleiht.Fördervereine und Initiativgruppen zur Schaffung von Pflegekammern sowie der "Deutsche Pflegerat e.V."sehen in der Einrichtung einer Pflegekammer geradezu ein Allheilmittel.

Zusammengefasst erhofft man sich folgendes:

1.Mehr Selbstbestimmung für die Pflegeberufe, vor allem gegenüber Ärzten und anderen Heilberufen, die ihre Interessen in der Regel besser durchsetzen können, weil sie zentral organisiert sind. Man verspricht sich durch die Erhöhung des Stellenwertes der Pflegeberufe einen größeren Zulauf.

2.Eigenständigkeit bei der Entwicklung einer Berufsordnung: Regelung der Aus-, Fort- und Weiterbildung, Abnahme des Pflegeexamens u.a.

3.Verbesserung der Qualität in der Pflege.Indem z.B. die Zugangsvoraussetzungen und das Ausbildungsniveau angehoben werden (Akademisierung), Regelmäßige Fortbildungen für alle Pflegekräfte vorgeschrieben, Qualitätskontrollen durchgeführt, sowie Disziplinarverfahren bei Verstößen von Berufsangehörigen gegen Mindeststandards verhängt werden können.

Kann die Pflegekammer überhaupt halten, was ihre Unterstützer versprechen?

Das Land Niedersachsen hat ein Rechtsgutachten zur Überprüfung der Zulässigkeit und möglichen Kompetenzen einer Pflegekammer erstellen lassen. Das Ergebnis dieses Gutachtens, im August 2012 vorgelegt, führte zu einer abschlägigen Entscheidung, zumindest in Niedersachsen. Dabei stellte der Gutachter heraus: Dass eine Pflegekammer auf Landesebene überhaupt keinerlei Kompetenz hat, um in der gedachten Form tätig werden zu können.Somit sei eine Zwangsmitgliedschaft mit nichts zu rechtfertigen. Politiker anderer Bundesländer, die vor der Entscheidung stehen, sollten dieses Gutachten lesen.http://www.ms.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=31692&article_id=110014&_psmand=17

Fragt man die im Beruf stehenden Fachkräfte, was sie sich von der Pflegekammer versprechen, reichen derenHoffnungen noch weiter in Bereiche, für die keine Kammer zuständig ist. An erster Stelle erwarten Pflegekräfte Hilfe zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen, insbesondere genügend Personal und Zeit um menschenwürdig pflegen zu können.

Da es den Berufsverbänden die sich für die Pflegekammer stark machen nicht gelungen ist, eine repräsentative Mehrheit der Pflegenden auf freiwilliger Basis zu vereinen, will man diese nun zu ihrem vermeintlichen Glück zwingen.Alleine dieser Ansatz sollte alle noch Unschlüssigen zurückschrecken.Ist die Falle der Zwangsmitgliedschaft einmal zugeschnappt, gibt es kaum ein entrinnen. Mehr zu den Erfahrungen von Zwangsmitgliedern anderer Kammern und warum die Pflegekammer ein untaugliches Instrument ist, um die drängenden Problem an der Pflegebasis zu lösen, finden Sie auf der Seite des "Bundesverband für freie Kammern e.V."www.bffk.de

Unsere Hauptbedenken gegen die Pflegekammer

Unabhängig davon, dass der Nutzen für die Berufsangehörigen bezweifelt werden muss, lehnen wir die Einrichtung von Pflegekammern aus den nachfolgenden Gründen ab:

1.Pflege ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und sollte das auch bleiben.
Pflege wird überwiegend von Angehörigen und Hilfskräften ohne Pflegeexamen erbracht. Angesichts der demographischen Entwicklung werden private Hilfearrangements in Zukunft eine nochviel größere Bedeutung erhalten. Da eine Kammer nur die Angelegenheiten der Berufsangehörigen regelt, besteht zudem die Gefahr, dass damit das Miteinander von Laien und Fachleuten in der Pflege noch schwieriger wird, als es ohnehin schon ist.Maßnahmen, die den Berufsstandesdünkel von examinierten Pflegefachkräften gegenüber Angehörigen und Hilfskräften fördern, sind unbedingt zu vermeiden. Die Herausforderungen der Pflege kann man nur gemeinsam bewältigen. Eine Pflegekammerdie die familiär und ehrenamtlich Pflegenden nicht strukturell an prominenter Stelle einbezieht, wird kein einziges Problem lösen sondern zusätzliche schaffen.Das ist der zentrale Punkt in unseremFazit!

2.Bezogen auf den Nutzen einer Pflegekammer für die Kranken und Pflegebedürftigen, muss man sich nur einmal die Situation bei den Ärzten anschauen, die über die Ärztekammer seit Jahrzehnten organisiert sind.Was hat die Ärztekammer bislang zum Wohle der Patienten erreicht? Durchschnittlich fünf Minuten pro Patient, so kalkulieren die niedergelassenen Ärzte. Mehr Zeit ist nicht drin, wenn sich die Praxis rechnen soll. Und in den Krankenhäusern muss der Patient froh sein, wenn ein Arzt bei den üblichen Stippvisiten, überhaupt am Bett halt macht. Wer sich nicht spezialisiert, ist der Dumme.  In den ländlichen Bereichen machen immer mehr Praxen zu, usw.. . Immer, wenn die Ärzte auf die Straße gehen, erreichen diese eine Honorarverbesserung. Aber zu welchem Preis? Ich erinnere. Im Anschluss an die letzte Lohnsteigerung die die Klinikärzte durchgedrückt hatten, gingen die Pflegekräfte auf die Straße, weil diese Kostensteigerung  zu Einsparungen beim Pflegepersonal führte.

Unser Empfehlung:

Pflege braucht keine Kammer. Pflege braucht ein Haus in dem alle Belange Platz finden.

Damit das Miteinander in diesem Haus zielführend verlaufen kann, braucht Pflege eine klare Ausrichtung, ein Ziel, dem sich alle Beteiligten verpflichtet fühlen müssen.

Im Vordergrund muss die Gewährleistung menschenwürdiger Pflege stehen, wie sie in der "Charta der Rechte hilfe- und pflegebedürftiger Menschen" definiert wurde.

Adelheid von Stösser 16.01.2013

 

 PDF- Position des Pflege-SHV zur Pflegekammer


Rheinlandpfalz will Pflegekräfte zum vermeintlichen Glück zwingen 

März 2013
Obschon 80 Prozent der Pflegekräfte in Rheinland-Pfalz, ihr Desinterresse bzw. Ablehung einer Pflegekammer dadurch bekundeten, dass sie sich nicht an der Umfrage beteiligten,  wertet das Sozialministerium das Umfrageergebnis als Auftrag, eine Pflegekammer einzurichten.  Schon die Art der Befragung  grenzt an Nötigung.  So wurden alle Pflegekräfte aufgefordert sich zu registrieren, mit allen persönlichen und beruflichen Daten.  Wer dieser Aufforderung, mit JA  zu stimmen, nicht nachkommt, braucht viel Selbstbewusstsein.  http://www.pflegekammer-rlp.de/befragung/ Das Ergebnis der Befragung:  Nur rd. 20 Prozent, exakt 9324  Pflegekräfte in RLP folgten dem Aufruf, von diesen stimmten 75,8 % für die Pflegekammer und 24,1 % dagegen.  Bedenken des Pflege-SHV zur Pflegekammer