Foto Kopfbereich
» Im Grunde sind es doch die Verbindungen mit den Menschen, welche dem Leben seinen Wert geben. «

W. v. Humboldt

Schrift vergrößern

 

 

 

 


 

 

 

 


Unser Flyer


Mitglied werden

 

 

 

 

 

Ratgeber für Angehörige
24-Stunden-Pflege zu Hause

 

Pflege-TÜV "mangelhaft"

Die Tage des Pflege-TÜV  scheinen gezählt

Pflegenoten fallen durch, heißt es in den Heute Nachrichten vom 04.02.2015, nachdem nun endlich auch Jens Spahn, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU, öffentlich bekannt hat, dass die Pflegenoten keine Aussagekraft besitzen.   "Nach Karl-Josef Laumann hat nun auch Jens Spahn den sogenannten Pflege-TÜV als Desaster bezeichnet und eine Abschaffung vorgeschlagen. Das fordern wir seit Jahren. Es war von Anfang an klar, dass der Pflege-TÜV nicht funktionieren kann, wenn die Qualität zur Verhandlungssache gemacht wird. Die Erarbeitung von Qualitätsanforderungen wurde den Kassen und Heimträgern überlassen, ohne Selbsthilfeverbände und Verbraucherschützer von Anfang an einzubeziehen. Das konnte nur in das von Jens Spahn nun endlich auch erkannte Desaster führen: Viel bürokratischer Aufwand für nichts, Verwirrung statt Transparenz.", kommentiert Elisabeth Scharfenberg, von den Grünen.  Der Pflege-SHV kann dem nur beipflichten und hoffen, dass tatsächlich die richtigen Lehren aus diesem Desaster gezogen werden.  

Koaliation will Pflege-TÜV umbauen.  , 17.11.2014 DIE WELT
Der Pflegebeauftragte Laumann findet deutliche Worte: "Die Spitzenverbände der Pflegekassen und die Heimbetreiber haben dafür ein System vereinbart, das keinerlei Aussagekraft hat" ...... "Der Notendurchschnitt für alle rund 12.500 stationären Pflegeeinrichtungen liegt bei 1,3." Ein solches Benotungssystem sei nicht mehr haltbar. "Wer sich darauf verlässt, wird irregeführt."Pflege-TÜV Reform bleibt weit hinter Erwartung zurück

Wegen der massiven Kritik wurden Prüfkritierien und Verfahren 2013 überarbeitet. Seit Januar 2014 gilt nun diese Fassung.  Wer jedoch denkt, dass die damit erzeugten Pflege-Noten,  der tatsächlichen Qualität entsprechen, übersieht die Schlupflöcher

Umstrittener Pflege-TÜV wird zum Zankapfel zwischen den Gerichtsinstanzen

23.10.2012:  Das Sozialgericht in Münster beschließt  in dem vorliegenden Fall erneut, dass die Ergebnisse der MDK Prüfungen nicht veröffentlicht werden dürfen - obwohl das übergeordnete Landessozialgericht von Nordrhein-Westfalen kvor Kurzem das Gegenteil entschieden hatte. In seinem Urteil (Aktenzeichen: S 6 P 43/12) bekräftigt das Münsteraner Gericht die Auffassung, dass diese Prüfung nicht auf die tatsächliche Qualität pflegerischer Bemühungen zielt, sondern nur deren schriftliche Dokumentation bewertet. «Der "Pflege-TÜV" hat sich inzwischen selbst ad absurdum geführt.» 

 

Aufruf zum Bürgerprotest gegen das Blendwerk mit den Pflegenoten

Von der ersten Stunde an hat der Pflege-SHV gegen den sogn. Pflege-TÜV und das System mit den Pflegenoten protestiert. Dank der Initiative von Franz Stoffer und Thomas Klie, formiert sich aktuell eine bundesweite Protestbewegung. 

Unterschreiben auch Sie dieses Moratorium gegen die Pflegenoten.

CAREkonkret: Gemeinsam gegen den Pflegenotstand

Fazit des Pflege-SHV (Nov.2008)


Mit dieser Form der Bewertung werden die Verbraucher (Bewohner und Angehörigen) förmlich in die Irre geleitet, wenn sie einer guten MDK-Bewertung vertrauen und nicht bedenken, worauf sich diese bezieht.

Unser Schreiben ans BMG vom 10.02.2010

Beschluss des Bundesrates vom 26.03.2010

Weitere Meldungen:

Seit die sog. Transparenzberichte im Internet veröffentlich werden, sind die Pflege-Noten bzw. der Pflege-TÜV das alles beherrschende Thema. Täglich erreichen uns neue Meldungen, Zeitungsberichte, Anfragen von Redaktionen und Journalisten die unsere kritische Sicht mit aufnehmen wollen.

Febr.2011: CBT Köln setzte sich vor dem Landessozialgericht in Essen gegen die Pflegekassen durch. Die Veröffentlichung der Pflegenoten ist gestoppt, außerdem wurde erreicht, dass die Pflegekasse ihren Maßnahmenbescheid gegen die behaupteten Qualitätsmängel  aufheben muss.

Jan.2011: Schieds- und Schlichtungsstelle soll Unstimmigkeiten klären.
Das Bundesgesundheitsministerium hat eine Gesetzesvorlage erarbeitet, die u.a.  eine Schieds- und Schlichtungsstelle vorsieht, die bei Unstimmigkeiten zwischen Pflegekassen und Pflegeanbietern von den Verhandlungspartnern angerufen werden kann. Sie soll sowohl bei Differenzen über die Bewertung von Pflegeleistungen, als  auch beim Streit über Verfahren und Ergebnisse des Pflege-TÜV eingeschaltet werden.

25.Jan. Süddeutsche.de
Koalition verschärft Pflege-TÜV. Die schwarz-gelbe Regierungskoalition will die monatelange Blockade eines strengeren Pflege-TÜV per Gesetz beenden und die Regeln für die Benotung von Heimen und ambulanten Pflegediensten verschärfen. Das geht aus einer Vorlage des Bundesgesundheitsministeriums hervor, die bereits in den Fraktionen abgestimmt ist.  Siehe auch Beitrag in der Frankfurter Rundschau

Juli 2010, Erste Bestandsaufnahme auf dem Pflege-Stammtisch in Köln - Blendwerk Pflegenoten, siehe Bericht - Beispiel: Dieses Heim erhielt die Note 1,4

25.August 2010, Sozialgericht Münster erklärt Pflegenoten für unzulässig. Es bezieht sich dabei auf die im Juli beendete Studie

Nachbesserung der Prüfung wird für das Frühjahr 2011 in Aussicht gestellt. Nachbesserungsbedarf wird eingeräumt, dass System als solches jedoch nicht angezweifelt.

Eine kleine Auswahl weiterer Stimmen zum Thema

18.06.2010, Diözesan-Caritasverband-Münster: 180 katholische Altenheime kritisieren Prüfverfahren und fordern grundlegende Überarbeitung

15.05.2010, WDR-Lokalzeit Ruhr, 19.30 Uhr mit einer unter Mitwirkung des Pflege-SHV entstandenen Bestandsaufnahme nach einem Jahr Erfahrung mit dem Pflege-TÜV , Studiogast A.v.Stösser.

31.03.2010 Report Mainz: Bedrohliche Entwicklung beim Pflege-TÜV

26.02.2010 Gesundheitsminister will Pflege-TÜV noch im Frühjahr überarbeiten lassen

22.02.2010 Süddeutsche CSU will Pflege-TÜV stoppen. Pflege-TÜV ist Todgeburt

17.02.2010 Recklinghausener Zeitung bezieht sich auf die Stellungnahme des Pflege-SHV

05.02.2010 DerWesten-online: Kritik am Pflege-TÜV: Formalien wichtiger als Menschen

02.02.2010 Christina Haderthauer in der Thüringer Allgem. Volksverdummung im großen Stil

28.01.2010 Kölner Stadtanzeiger, Caritas Köln übt Kritik am Notensystem für Pflegeheime

27.01.2010 Aaler Zeitung, Sozialgericht: Pflege-TÜV als neues Arbeitsgebiet

22.01.2010 Frankfurter Rundschau: Pflege-TÜV mit Mängeln

21.01.2010 die welt-online: Der Pflege-TÜV muss nachgebessert werden.

20.01.2010 SWR: Pflege-TÜV soll neu geordnet werden

05.01.2010 Der Westen: TÜV Note schreckt Pflegeheim auf

Während sich die Mehrzahl der HeimleiterInnen über gute Noten freuen, wenden sich andere ans Gericht um die Veröffentlichung zu verhindern. So sorgten im Januar die unten angeführten drei Urteile für Aufsehen:

18.01.2010 das Sozialgericht Münster hat dem MDK die Veröffentlichung eines Prüfberichtes im Internet untersagt und so der Klage eines Heimes entsprochen, dass einen Wettbewerbsnachteil aufgrund der schlechten Note (5) befürchtet und das Prüfverfahren für dieses Ergebnis verantwortlich macht. Das Gericht stützt sich in seiner Begründung explizit auf die Stellungnahme des Pflege-Selbsthilfeverbands im Internet (s.Seite 4)

11.01.2010 das Sozialgericht Dortmund ist in einem vergleichbaren Fall (wie in Dessau und Münster) zu einer genau gegensätzlichen Beurteilung gelangt (Az.: S 39 P 279/09 ER). Auch hier hatte sich eine Pflegeeinrichtung im Rahmen einstweiligen Rechtsschutzes gegen die Veröffentlichung einer schlechten Note durch den Pflege- TÜV gewehrt. Die Klägerin hatte den MDK- Prüfern vorgeworfen, fehlerhaft gearbeitet und so zu einer unzutreffenden Bewertung des Heims gekommen zu sein. Außerdem seien die Pflegeverbände nicht hinreichend an der Erstellung der Qualitätsprüfungs- Richtlinien beteiligt gewesen. Die Klägerin bemängelte ferner, keine ausreichende Gelegenheit zur Vorbreitung auf die Prüfung gehabt zu haben.

04.01.2010 das Sozialgericht Dessau-Roßlau ordnet die Unterlassung eines Transparenzberichtes an. Solange der Streit um das Prüfverfahren bzw. Prüfergebnis nicht geklärt ist, darf dieses nicht im Internet veröffentlicht werden.

08.10.2009: Laut der heute vorgelegten Prüfergebnisse, sind deutsche Pflegeheime besser als ihr Ruf. Das jedenfalls liest der unkritische Bürger aus dem heute vorgestellten Bericht von MDS und GKV. 70 Prozent der 1057 bislang geprüften Heime erhielten die Note "sehr gut" und "gut".

Bis Mitte September wurde bundesweit 1057 Einrichtungen nach dem neuen Prüfverfahren begutachtet. Dieses erste Ergebnis bestätigt unsere Erwartungen/Befürchtungen, dass bei diese Form der Erhebung vor allem solche Heime schlecht abschneiden, die nicht den Schwerpunkt auf die geforderte Dokumentation legen. Rund 700 Heime erhielten „sehr gute“ oder „gute“ Noten. Die Gesamtnote „befriedigend“ erhielten 256 Heime. Bei weiteren 73 Häuser konnte immerhin noch die Note „ausreichend“ gegeben werden. Zwölf Heime hatten offenbar ihre Hausaufgaben nicht gemacht und erhielten demzufolge ein „mangelhaft“. Da diese Note ohnehin keine Auskunft über die menschliche Betreuungsqualität gibt und nicht die Ergebnisse beurteilt werden, sondern das was auf dem Papier steht, sollte sich niemand auf eine gute Note verlassen oder von einer schlechten abschrecken lassen.

Lesen Sie dazu den Artikel von Charlotte Frank, Süddeutsche Zeitung vom 9.9.2009: "Groteske" Ergebnisse beim Pflege-TÜV. In der Tat kann man diese Zeugnisse nur "als politisch gewollte Ruhigstellung bezeichnen" (C. Frank).

Nach unserer Einschätzung dürfte sich die Realität in einem umgekehrten Verhältnis abbilden, jedenfalls gemessen am Maßstab, den der Pflege-Selbsthilfeverband für die "Auszeichnung menschenwürdige Pflege" zu Grunde legt. Wir gehen davon aus, dass von 1000 Einrichtungen bestenfalls 10 der Kategorie vier Sterne und 50 der Kategorie drei Sterne entsprechen würde, vielleicht je 200 Einrichtungen dürften die Voraussetzungen für zwei oder wenigstens einen Stern erfüllen. Bei dieser Prüfung wird ermittelt inwieweit die "Charta der Rechte hilfe- und pflegebedürftiger Menschen", in der Einrichtung umgesetzt ist. Entsprechend wird bei dieser Begutachtung das Augenmerk auf das Miteinander gelegt.

Ab Mitte November 2009 können die Ergebnisse der MDK Prüfungen im Internet unter www.pflegenoten.de eingesehen werden.

Weitere kritische Stimmen zu den Noten für Pflegeheime

5.10.2009, ARD - Report: "Pflege TÜV, Warum die ersten Bewertungen von Pflegeheimen völlig nutzlos sind." Beispiel: O-Ton, Andreas Peifer, MDK Rheinland-Pfalz Verwaltungsrat:

»Die tatsächliche Pflegequalität wird durch die Transparenzkriterien eindeutig verschleiert. Aus unserer Sicht stellt dieses eine große Volksverdummung dar.« Im Gegensatz dazu bleibt Herr Dr. Pick, Geschäftsführer MDS bei seiner Beteuerung, dass die Prüfergebnisse "die Qualität in den Einrichtungen sehr sauber abbilden." Wir können nur hoffen und uns dafür stark machen, dass diese kostspielige Volksverdummung schnellstmöglich unterbunden wird.

Juni 2009, Der Heimleiter Report - Themenspezial: "Ergebnisqualität der entscheidende Faktor für Erfolg"

Am 09.02.2009 befasste sich Report Mainz mit den Noten für Pflegeheime. Interessant hier vor allem die Kritik des Geschäftsführers vom MDK in Rheinland-Pfalz, Gundo Zieres, der einen zusätzlichen Aspekt beleuchtet - und alleine damit bestätigt, dass dieses System die reinste Augenwischerei ist. Sein Fazit: "Schlechte Heimträger können von den festgelegten Pseudo-Prüfkriterien profitieren. Ulla Schmidt profitiert, denn sie kann die vorgespielte Transparenz als politischen Erfolg verkaufen." So funktioniert die Gesundheits- und Pflegepolitik in diesem Lande. Auch der Runde-Tisch-Pflege (2003-2005), zu dem ich als Sachverständige mit eingeladen war, diente keinem anderen Zweck, als das Volk zu beruhigen und zu demonstrieren: "Seht her, wir haben einen Arbeitskreis zur Verbesserung der Situation in der Pflege gegründet." Zwei Jahre lang haben sich rund 120 Teilnehmer auf Kosten des Steuerzahlers in verschiedenen Arbeitsgruppen zusammen gesetzt, um Vorschläge und Papiere zu entwickeln, die anschließend weggeheftet wurden. Nicht einmal die "Charta der Rechte hilfe- und pflegebedürftiger ", an deren Entwicklung ich beteiligt war, wurde als verbindliches Papier eingeführt, weil der Widerstand von Seiten der Verbände zu groß war. Warum orientiert sich der MDK bei seinen Prüfungen nicht an dieser Charta?

Die Pflege-Transparenzvereinbarung als Irrweg Zeitschrift Mabuse von Manfred Borutta

Schulnoten für Pflegeheime: Eine Fragesystem von zweifelhaftem Wert, in FokusPflege


Stellungnahme Pflege-SHV vom 25.11.2008

Das Ringen von Kassen- und Heimträgerverbänden, um eine konsensfähige Form der geforderten Qualitätstransparenz hat am 11.11. 2008 ein Ende gefunden. Statt der zunächst favorisierten "Ampel" (grün – gelb – rot) sollen die Ergebnisse der MDK Qualitätsprüfungen von Pflegeheimen ab 2009 in Noten ausgedrückt werden.

Lesen Sie die Pressemitteilung des Beschlusses nach § 115 Abs.1a Satz 6 SGB XI über die MDK Qualitätsprüfung von Pflegeheimen, sowie die Anlagen Prüfkriterien und Bewertungssystematik

Zusammenfassender Ersteindruck

Zunächst einmal begrüßt unser Verband die Absicht, Pflegeheime einer vergleichenden Bewertung zu unterziehen. Endlich haben Politik und Kassen auf die vielfachen Forderungen nach Offenlegung wichtiger Prüfergebnisse reagiert. Mit großer Spannung wurde auch in unseren Reihen die Diskussion verfolgt und das Ergebnis der Verhandlungen zwischen den Kassen- und Leistungsträgerverbänden erwartet.

Auf den ersten Blick erscheint das System und die Idee einer Benotung von Pflegeheimen sinnvoll. Auch die Aufgliederung in 5 Bereiche und die Kriterienlisten, erwecken zunächst den Eindruck, dass hier doch eine ganze Menge Punkte abgefragt werden. Positiv hervorzuheben ist, dass nur noch knapp die Hälfte der Fragen (35 von 82) die pflegerisch, medizinische Versorgung betreffen, bedenkt man, dass der Medizinische Dienst der Kassen (MDK) bis vor drei Jahren noch nur diesen Bereich im Blick hatte. Neuerdings werden 10 Fragen zum Angebot für Demenzkranke gestellt, 10 weitere Fragen zielen auf Soziale Betreuungsangebote, 9 Fragen werden zum Bereich Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft und Hygiene gestellt. Außerdem, was ganz neu ist, sollen Bewohner gefragt werden. Bei näherer Betrachtung muss man jedoch stark bezweifeln, dass sich auf diese Weise die Spreu vom Weizen unterscheiden lässt. Selbst das menschlich schlechteste Heim dürfte in der Lage sein, die zur Erzielung guter Noten erforderliche Dokumentation vorzulegen. Geprüft wird nämlich einzig und alleine, ob bestimmte Vorschriften eingehalten und eigentlich selbstverständliche Betreuungsangebote gemacht werden. In welcher Qualität diese erbracht werden und mit welchem Resultat, wird mit diesem Frage-Antwortsystem nicht erfasst. Man muss sich das ungefähr so vorstellen, als würden Lehrer ihren Schülern bereits eine "Eins" in jedem Fach geben, wenn diese vorweisen können, dass sie die vorgeschriebenen Hausaufgaben gemacht und die Klassenarbeiten ordentlich geschrieben haben. Der Inhalt interessiert nicht. Ob die Aufgaben im Ergebnis falsch oder richtig sind, zählt nicht.

Konkretes:

Ermessensspielraum und Anfechtbarkeit

Abgesehen davon, dass kaum ein Heim befürchten muss, im Endergebnis eine Fünf zu bekommen, wäre es ein leichtes, gegen diese Note Einspruch zu erheben. Bevor sich jemand ein "mangelhaft" an die Tür heftet, wird er dieses Resultat anfechten. Dabei stehen seine Chancen gut, weil das Bewertungsverfahren viele Ungeklärtheiten beinhaltet und dem jeweiligen Prüfer einen großen Ermessensspielraum lässt. Schon das erste Kriterium macht jede Antwort fragwürdig:

(Punkt 1) Ist bei Bedarf eine aktive Kommunikation mit dem Arzt nachvollziehbar?

Abgesehen davon, dass die Fragestellung an sich merkwürdig ist, lässt sie sich wohl in kaum einem Falle mit einem eindeutigen Ja oder Nein beantworten. Vielmehr werden weitere Fragen aufgeworfen, wie: Was versteht der MDK bzw. der jeweilige Prüfer unter aktiver Kommunikation mit dem Arzt? Wird "Ja" angekreuzt, wenn dokumentiert ist, dass der Arzt angerufen wurde? Oder kreuzt der Prüfer erst dann ein "Ja" an, wenn ersichtlich ist, dass das dokumentierte Problem von A-Z mit dem Arzt erörtert wurde. Zwischen diesen beiden "Ja´s" besteht ein großer Unterschied. Stützt sich das "Ja" oder "Nein" alleine auf Angaben in der Dokumentation oder werden mündliche Erklärungen einbezogen? Klärungsbedürftig wäre ebenfalls die Frage nach dem Bedarf. Vermutlich steht es im Ermessen des jeweiligen Prüfers, zu entscheiden, ob ein Bedarf vorliegt oder nicht.

Angesichts des Pensums an Fragen dürfte es keinem Prüfer möglich sein, aus den Unterlagen jeweils eindeutige "Ja" oder "Nein" Rückschlüsse ziehen zu können. Viele Bewohner können selbst keine Angaben machen und die Angaben der Pflegenden müssen nicht einbezogen werden. Wie die Erfahrungen mit MDK Prüfungen zeigen, kommt es sehr auf die Einstellung und Kompetenz des jeweiligen Prüfers an, sowie die der Leitung des jeweiligen Regionalbüros. Es gibt Prüfer die sich große Mühe machen und zweifelhafte Angaben hinterfragen, andere hingegen werten einzig die Dokumentation: Alles was nicht dokumentiert ist, gilt als nicht gemacht und würde mit "Nein" gewertet. Dabei sind solche Heime im Vorteil, die ihren Mitarbeitern bestimmte Praktiken der Dokumentation einschärfen. Wer prüft schon nach, ob der Bewohner die Flaschen und Gläser tatsächlich getrunken hat, die ihm auf seinem Trinkprotokoll bescheinigt werden? Papier ist bekanntlich geduldig. Welche Pflegekraft schreibt gewissenhaft auf, dass sie aus Zeitmangel angeordnete Maßnahmen nicht durchführen konnte? Vor allem in den Heimen, in denen kritische Mitarbeiter genau so unbeliebt sind, wie kritische Bewohner und Angehörige, dürfte sich niemand getrauen, Tatsachen ins Protokoll zu schreiben, die bei einer MDK Prüfung negativ gewertet werden. Die gesamte Dokumentation, ungezählte Pflegearbeitsstunden dienen derzeit in erster Linie dem Zweck, den MDK zu frieden zu stellen und in zweiter Linie mögliche Klagen abweisen zu können. Würde man diese Zeit in die Zuwendung investieren, hätte das Heim keine Klage zu befürchten.

Mit Einführung der Benotung von Heimen, wie das zukünftig geplant ist, werden alle Heime genötigt, noch stärker in die Dokumentation zu investierten.

Methodik

Das vorgesehene Frage-Antwortsystem mag eine vergleichsweise einfache Methode sein, die bei Umfragen oder statistischen Erhebungen Sinn macht. Zur Beurteilung der Lebens- und Pflegequalität in Heimen, erscheint diese Form jedoch völlig ungeeignet. So ist es kein Zufall, dass mittels MDK-Verfahren, nur Strukturdaten abgefragt werden. Mit "Ja – Nein" lassen sich weder Prozesse noch Ergebnisse bewerten. Es sei denn, man würde Unsummen von Fragen stellen, die immer weiter ins Detail gehen. Um Vergleiche anstellen zu können, in welcher Qualität und mit welchem Ergebnis Maßnahmen erbracht werden, bedarf es anderer Methoden.

Pflegeverständnis

Neben diesen Kritikpunkten stellen sich auch Fragen der inhaltlichen Gewichtung und des Verständnisses von Pflege. Am Beispiel der Medikamentenversorgung sei dies kurz erläutert: (Punkt 2, 3 und 12 der MDK Kriterien)

2. Entspricht die Durchführung der behandlungspflegerischen Maßnahmen den ärztlichen Anordnungen?

3. Entspricht die Medikamentenversorgung der ärztlichen Anordnung?

12. Erhalten Bewohner mit chronischen Schmerzen die verordneten Medikamente?

Hier sei zunächst anzumerken, dass es oft die Pflegenden sind, die den Ärzten hinterherlaufen müssen, damit diese notwendige Maßnahmen, Salben und Verbände verordnen. Überhaupt müssten die Ärzte stärker in die Pflicht genommen werden, nicht zuletzt von Seiten der Kassen.

Aussagekräftiger wäre eine offene Befragung von Bewohnern/Angehörigen und Betreuern. Oft lässt sich bereits durch bloße Beobachtung erkennen, ob ein Bewohner Schmerzen hat, ob er stark sediert ist etc. Wenn jemand offensichtlich unter Schmerzen leidet oder über Schmerzen klagt, müsste man dieser Beobachtung nachgehen und in Erfahrung bringen, seit wann dies so ist, was dagegen unternommen wurde. Nach MDK Prüfrichtlinie reicht für die volle Punktzahl, wenn ein verordnetes Medikament verabreicht wurde, selbst wenn der Bewohner vor Schmerzen jammert und nichts unternommen wird, weil der Arzt nichts angeordnet hat, würden dem Heim volle Punkte gegeben. Schließlich wird nur gefragt, ob Bewohner die angeordnete Therapie erhalten haben, nicht, ob diese Maßnahme zur Schmerzfreiheit führte. Heimplatzsuchende wollen darauf vertrauen können, dass ihnen in angemessener Weise geholfen wird. Sie wollen nicht um jedes Schmerzmittel betteln müssen. Oft könnte Zuwendung und Berührung den Schmerz sogar gänzlich beheben. Aber derartige Angebote sind nicht gefragt. Und weil sie nicht gefragt sind, bei den offiziellen Prüfungen, werden sie nur von wenigen Idealisten und alternativ Denkenden angeboten.

Den Prüfkritierien des MDK liegt ein Krankenhausversorgungsdenken zu Grunde, wie es Ärzten und Krankenpflegekräften zu eigen ist, die nichts anderes kennen gelernt haben als solche veralteten Strukturen. Mit derartigen Fragen wird eine ungeeignete Weichenstellung gestützt. Und wenn es jetzt demnächst dafür auch noch Noten gibt, dann zementiert man diese Form des abhakenden Versorgungsdenkens.

Dokumentationsqualität ist höher gewichtet als Pflegequalität

Das Prüfverfahren bewegt sich einzig auf der Strukturebene. Folglich gibt die Note lediglich bekannt, inwieweit das Heim bestimmte Strukturrichtlinien erfüllt oder nicht. Damit ist keineswegs sicher zu stellen, dass Häuser mit der besseren Pflegequalität auch die besseren Noten bekommen. Vielmehr besteht die Gefahr, dass Heime mit einer guten Ergebnisqualität schlechter abschneiden als solche, die hauptsächlich Wert darauf legen im Falle der Prüfung die geforderte Dokumentation vorlegen zu können. Ich möchte dies an folgendem fiktiven Beispiel verdeutlichen:

Haus A legt den Schwerpunkt auf Aktivierung und Bewegung seiner Bewohner, dort lässt man sich alles mögliche einfallen, um diese zu beschäftigen und aktiv ins Alltagsgeschehen einzubinden. In Haus A gibt es deutlich weniger bettlägerige als gewöhnlich. Zwei von 100 Bewohnern haben einem Dekubitus, von denen einer in der Einrichtung entstanden ist, beide sind vorschriftsmäßig versorgt und zeigen heilende Tendenz. Die pflegenden schreiben gerade das nötigste. Es wird keine systematische Risikoeinschätzung vorgenommen, weil man sich darauf verlassen kann, dass bei Zustandsverschlechterung sofort an die Dekubitusgefahr gedacht wird, und entsprechende Maßnahmen ergriffen werden. Bei der MDK Prüfung schneidet Heim A mit "befriedigend" ab.

Haus B legt den Schwerpunkt auf den äußeren Schein und eine lückenlose, vorschriftsmäßige Dokumentation. In dieser Einrichtung sitzen die Bewohner überwiegend gelangweilt und teilnahmslos herum oder sie liegen in den Betten. Acht von 1oo Bewohnern haben einen Dekubitus, teilweise mehrere und tiefgehende bei denen kaum Aussicht auf Heilung besteht. In allen Fällen wurde die vorgeschriebene Risikoeinschätzung dokumentiert, Bewegungs-, Lagerungsprotokolle sind lückenlos geführt, der Wundzustand ist vorbildlich dokumentiert. Aufgrund der vorschriftsmäßig geführten Dokumentation erhält Haus B vom MDK die Note "gut". Dieses Haus schneidet auch in anderen Bereichen besser ab, obschon dort jeder zweite Bewohner der Pflegestufe III über Sonde ernährt wird, viele Bewohner starke Kontrakturen aufweisen und die gesamte Einrichtung steril wirkt. Haus B hätte fast sogar eine "Eins" bekommen, denn bei der Bewohnerbetragung und den Bereichen 2, 3 und 4 konnte volle Punktzahl erreicht werden.

Umgang mit demenzkranken Bewohnern

Die 10 Fragen die der MDK zu diesem Bereich stellt, zielen lediglich auf das formale Vorhandensein bestimmter Angebote. Folglich informiert die Bewertung nicht über Qualität, sondern allenfalls über Quantität. Uns sind Heime bekannt, die mit speziellen Betreuungsangeboten, aufwendigen Gartenanlagen etc. für Demenzkranke Werbung machen. Heime, die also mit Leichtigkeit in diesem Bereich volle Punkte bei der MDK Prüfung erzielen würden. Auf dem Papier liest sich das alles wunderschön, doch die Realität sieht nicht selten anders aus. Unter unseren Mitgliedern gibt es etliche, die deshalb Mitglied wurden, weil sie Versprechungen vertraut haben und bitter enttäuscht wurden als sie erleben musste, dass kaum etwas davon im Alltag funktionierte und sie auch keine Chance hatten, die Versprechungen einzufordern. Im Übrigen gilt: Den Umgang mit Demenzkranken und gerontopsychiatrisch veränderten Bewohnern muss man im Alltag beobachten, ansonsten kann man ihn nicht bewerten.

Soziale Betreuung und Alltagsgestaltung

Gleiches kann zum Bereich 3 der MDK Kriterien gesagt werden. Beispiel: "Werden im Rahmen der sozialen Betreuung Gruppenangebote gemacht?" Da hier nur "Ja" oder "Nein" angekreuzt werden kann, wird vermutlich jedes Heim in Deutschland zu dieser Frage die volle Punkzahl bekommen. Denn ein Gruppenangebot in der Woche, im Monat oder im Jahr dürfte es überall geben, spätestens dann, wenn das für die Note wichtig ist. Nicht einmal Art und Häufigkeit sind gefragt, geschweige denn die Qualität dieser Angebote. Was also sagt ein "sehr gut", oder "gut" in diesem Bereich aus? So wie die Fragen hier gestellt sind, muss selbst die nach unseren Maßstäben schlechteste Einrichtung noch die Note gut erhalten.

Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft und Hygiene

Auch vor diesen Fragen muss sich kein Heimleiter bange machen. In irgendeiner Weises wirken Bewohner immer an der Gestaltung der Gemeinschaftsräume mit; ein Weihnachtssternchen dürfte fast jeder in seinem Heimdasein gebastelt haben. Natürlich werden Heimleitung und Mitarbeiter versichern, dass auf die Essenswünsche einzelner Bewohner eingegangen wird. Speisepläne in gedruckter Form wird man (spätestens ab 2009) wohl in jedem Heim vorfinden, um nur drei überflüssige Fragen aufzugreifen.

Vor dieser Form von Prüfung muss kein Heim Angst haben. Das ist lächerlich.

Befragung der Bewohner

Selbst dieser neu dazu gekommene Bereich könnte harmloser gar nicht ausfallen. Jeder weiß doch, dass Bewohner, vor allem wenn sie sich völlig abhängig fühlen, keine Kritik äußern. Schon gar nicht, wenn diese in einer direkten Frageform mit "Ja" oder "Nein" antworten sollen. Hier dürften vor allem solche Einrichtungen volle Punktzahl erreichen, also mit "sehr gut" bewertet werden, in denen kritische Bewohner zur Anpassung gezwungen werden. Hingegen müssen Heime, in denen niemand Angst haben muss für eine negative Wertung sanktioniert zu werden, damit rechnen, dass kritische Bewohner auch schon mal mit Nein antworten.

Abschließend

Unsere Kritik fällt nicht zuletzt deshalb so deutlich aus, weil sich zwei Jahre lang eine Arbeitsgruppe des Pflege-Selbsthilfeverbands mit der Frage einer zuverlässigen Heimbewertung auseinander gesetzt hat. Das Ergebnis können Sie auf der Homepage www.heimauszeichnung.de nachlesen. Unser Angebot spricht gezielt Heime an, in denen die menschlichen Werte im Vordergrund stehen, und dies nicht nur auf dem Papier. Wie sich nun zeigen dürfte, werden Heime die einen menschlich guten Ruf zu verteidigen haben, erst recht auf Angebote wie unseres zurückgreifen müssen.

Es ist bedauerlich, dass die Chance vertan wurde ein Bewertungssystem einzuführen, welches Anreize zur Verbesserung setzt und nicht alleine dazu führt, den Dokumentationswahn zu verstärken.

Fazit: Mit dieser Form der Bewertung werden die Verbraucher (Bewohner und Angehörigen) förmlich in die Irre geleitet, wenn sie einer guten MDK-Bewertung vertrauen und nicht bedenken, worauf sich diese bezieht.

Adelheid von Stösser - 25.11.2008


Kosten des Pflege-TÜV

03.03.2009: Laut Angabe des MDS kostet die Prüfung einer Einrichtung im Schnitt rund 4.500 Euro. Kalkuliert wird dabei der Einsatz von zwei Gutachtern über zwei volle Tage, mit einem Tagessatz von 900 Euro pro Gutachter. Umgerechnet auf die Anzahl der rund 22.500 jährlich zu prüfenden Einrichtungen und Pflegedienste, würden alleine diese Prüfungen mit rund 81 Millionen Euro zu Buche schlagen. Millionen, die aus der Pflegeversicherung gezahlt werden müssen. Millionen die keinem anderen Zweck dienen, als Noten hervorzubringen, die bestenfalls Auskunft darüber geben, inwieweit eine Einrichtung gesetzlichen Mindestforderungen genügt. Wir alle zahlen diesen Unsinn mit unseren Beiträgen zur Pflegeversicherung.

Und wo bleibt der Protest?