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» Im Grunde sind es doch die Verbindungen mit den Menschen, welche dem Leben seinen Wert geben. «

W. v. Humboldt

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Pressemitteilung

Mitteilungen ab 2011, die der Pflege-SHV per E-Mail an die Mitglieder, Presse und andere verschickt hat:

16.02.2011

Zum Pflege-Gipfeltreffen und zur gescheiterten Familienpflegezeit.

Am Montag den 14. Februar fand auf Einladung von Minister Rösler ein sog. Pflegegipfel statt, zu dem, neben den Vertretern der üblichen Verbände auch einige kritische Angehörige und – man staune- sogar Claus Fussek eingeladen war. Schon vorher zeichnete sich eine gewisse Gradwanderung der Politik ab, die seit neuestem ihr Herz für die pflegenden Angehörigen entdeckt hat.

Schlagzeilen wie: „Rösler will Pflegebedürftige mit ihren Angehörige in Kur schicken.“ lassen verwundert aufhorchen. „Ist doch eine super Idee“, denken die einen. „Wieder nur ein Trostpflaster“, sagen die anderen. Nach meiner Einschätzung lässt sich das Problem – jedenfalls der Angehörigen die ich kenne und begleite – in einer Kur nicht auskurieren.

Denn diese vermissen vor allem folgendes:

  • Regelmäßige – bezahlbare Unterstützungsangebote im Alltag. Jahrzehntelang wurde nur in die Heimpflege investiert.
  • Regelmäßige, stundenweise Entlastung eines Angehörigen, wie sie z.B. in Köln: „TANDEM“ oder „Zick für Dich“ anbieten, erscheinen sehr viel Effektiver als einige Wochen Kur alle paar Jahre.
  • An den individuellen Bedürfnissen orientierte Angebote ambulanter Pflegedienste. – Weg von der Minutenpflege
  • Ausreichend, kostengünstige Tagespflegeangebote - so dass jeder Demenzkranke, wenn es ihm gefällt, tagsüber in einer kleinen, festen Gemeinschaft mit förderlicher Atmosphäre betreut werden kann.
  • Kostenlose (über die Kassen und Kommunen zu tragende) pflegefachliche Anleitung und Begleitung der Angehörigen – verbunden mit einem regelmäßigen Besuchsdienst.
  • Kostenlose Hilfe in Krisensituationen durch psychologische Fachkräfte.

In diese Richtung muss dringend mehr Geld fließen.

Das seit Monaten diskutierte Familienpflegezeit-Konzept von Frau Schröder, soll nun auf freiwilliger Basis eingeführt werden. Arbeitnehmerinnen/Arbeitnehmer werden also keinen Rechtsanspruch auf Familienzeit bekommen. Dafür also nun die ganze Aufregung des letzten Jahres zu diesem Thema. Jetzt muss sich Christina Schröder etwas anderes einfallen lassen, um Sozialgeschichte schreiben zu können. Wie wäre es mit einem der oben genannten Ansätze, z.B. dem Ausbau und der Finanzierung von ausreichend Tagespflegeangeboten. Da wir das Konzept der Familienpflegezeit von Anfang an, als uneffektive Sekundärmaßnahme eingestuft haben, begrüße ich die Entscheidung der Koalition.

Für die beste Schlagzeile dieser Tage sorgte jedoch Claus Fussek mit seiner Forderung nach einem Rettungsschirm für die Pflege. Vermutlich werden wir darauf jedoch noch eine Weile warten müssen. Angesichts der Top Noten, die den Leistungsanbietern in der Pflege verliehen werden, kann offiziell natürlich nicht von einer rettungswürdigen Lage gesprochen werden.