Nachrichten im Überblick
Hoffungsschimmer für alle Fixierten
Erstmals stimmte ein Gericht gegen die Praxis der nächtlichen Fixierung einer Pflegebedürftigen. In einer Eilverfügung entschied das Amtsgericht Freiburg am 27.12.2011, dass eine individuell angemessene Betreuung (in diesem Falle eine Sitzwache) gewährleistet werden muss. Zeitungsbericht lesen
Das Foto zeigt eine Heimbewohnerin mit Demenz, die bis Ende 2010 rund um die Uhr fixiert und außerdem medikamentös ruhig gestellt wurde. Lesen Sie weiteres zum Thema hier
PflegeTREFF sprengte den bisherigen Rahmen.
Unser PflegeTreff 25.04.2012 in Köln, zum Thema Problemfeld Betreuung, hatte so großen Zulauf, dass der Raum zu klein war, siehe Pressebericht
Pflege-Qualitätsbericht 2012 offenbart Menschenrechtsverletzungen in großem Stil
Insgesamt sei die Pflege auf einem guten Weg, im Vergleich zu 2007, heißt es im 3.Pflege-Qualitätsbericht des MDS. Angela Seibold, Justizangestellte, die ihre pflegebedürftige Mutter durch mehrere Heim begleitet hat, zieht eine ganz andere Bilanz. Auchwir finden es skandalös, dass immer noch mehr als 140.000 pflegebedürftigen, alten Menschen an Stühlen oder im Bett fixiert werden. Vor allem wenn man bedenkt, dass diese Entwürdigung mit einer anderen Haltung und ausreichendem Personal, vermieden werden könnte. Wenn es die Politik nicht schafft, müssten die Gerichte eine ausreichende personelle Betreuung fordern, anstatt freiheitsentziehende Maßnahmen, mit Hinweis auf die personelle Situation, zu genehmigen. Den Kassen, die erstmals überhaupt Fixierungen als Missstand bezeichnen, muss man Doppelmoral vorwerfen. Schließlich sind sie mitverantwortlich für die mangelhafte Personalausstattung. Außerdem verweigern sie oft die Bezahlung technischer Hilfsmittel zur Sturzverhinderung. Brennpunktthema Fixierung
Neuausrichtung der Pflegepolitik dringend erforderlich
Am 28.März wurde ein sog. Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz beschlossen. Doch anstatt des notwendigen und im Titel versprochenen Richtungswechsels, stützen die Neuerungen das bestehende Regelwerk. Lesen Sie hier unsere Stellungnahme zu diesemBeschlusses.
Private Pflegedienste unter Generalverdacht
Dass die Angebote an häuslicher Pflege denen selten nutzt, die wirklich Hilfe brauchen, ist allgemein bekannt. Neu ist das Ausmaß in betrügerischer Absicht abgerechneter Pflegeleistungen, die nie erbracht wurden. Auf mehr als 100 Millionen Euro wird die Betrugssumme privater Pflegedienste alleine in Berlin angenommen. Lesen Sie hier den Beitrag in der FAZ vom 3.März. Hoffentlich führt die Ungeheuerlichkeit dieses Skandals dazu, das System Pflege grundlegend zu reformieren. Der Pflege-SHV hat dazu klare Vorstellungen.
Personalmangel in Heimen und Krankenhäusern
war das Thema unseres PflegeTREFF in Köln am 29.Februar. Bericht lesen
Auch der PflegeTreff in Germersheim am 22.März befasste sich mit diesem Problem. Auf unsere Intervention hin, wurde dieses Beispiel in der Sendung WISO behandelt.
Kampagne
Demenzkompetenes Krankenhaus
Menschen mit Demenz sind in deutschen Krankenhäusern und Kliniken großem Stress und unwürdigem Verhalten ausgesetzt. Diese Erfahrung machten der ehemalige Abteilungsleiter des rheinlandpfälzischen Sozialministerium und seine Frau. Gemeinsam suchen wir nun nach Mitteln und Wegen - solche Zustände nachhaltig zu ändern. Geplant ist eine lanfristig angelegte Kampagne, dafür suchen wir weitere Mitwirkende und Unterstützer.
Pflegepolitik
Bahr will Pflege-WGs massiv fördern.
Februar 2012: Die Politik ist immer wieder für Überraschungen gut. Woher kommt auf einmal die Erkenntnis, dass auch Pflege-WGs förderungswürdig sind? Doch die Art wie diese Betreuungsform geradezu idealisiert und als Alternative zum Heim hochgelobt wird, lässt erkennen, dass der Minister nicht wirklich weiß, wovon er hier redet. Stattdessen empfehlen wir, diesen Markt einmal unter die Lupe zu nehmen und die Spreu vom Weizen zu trennen. Da wird eine Menge Schindluder getrieben. Lesen Sie hier unsere Einschätzung.
"Pflege-Neuausrichtungsgesetz" soll es richten.
20.Jan.2012: Neu an dem vorgestellten Referentenentwurf ist vor allem die Namensgebung. Die Inhalte entsprechen den angekündigten Reformvorhaben, die zum Teil etwas konkretisiert wurden.
Das waren unsere Themen 2011
Pflege-TREFF
Umgang mit Beschwerden
war Thema unseres PflegeTreffs am 28. November in Köln. Lesen Sie hier den Brief einer Teilnehmerin an eine Heimleiterin.
Demenz und Krankenhaus
war Thema des PflegeTreffs am 26.09.2011. Im Ergebnis bleibt festzuhalten, dass Klinikaufenthalte für Menschen mit Demenz oftmals verheerende Folgen haben. Eine Erfahrung, die der Abteilungsleiter eines Ministerium kürzlich sogar machen musste, während des stationären Aufenthalts seiner Tante in der Uniklinik Mainz. Gemeinsam planen wir nun eine Kampagne "Demenz und Krankenhaus". Bericht lesen.
Pflegereform
2011 "Jahr der Pflege"
Die großmundigen Umbaupläne in der Pflege, die Rösler in 2010 bereits angekündigt hatte, sind in den Turbulenzen der FDP und aufgrund anderer Schwerpunktsetzung untergegangen. Um nicht auf der ganzen Linie zu scheitern, einigte sich die Regierung am 6.Nov. auf eine Anhebung des Pflegeversicherungsbeitrags um 0,1%. Die daraus resultierenden Mehreinnahmen, sollen irgendwie (?) den Demenzkranken zu Gute kommen. Planlose Aktionen dieser Art, helfen nun wirklich niemanden. Das hat kurz vor Weihnachten sogar den Vorsitzenden des Pflegebeirates, Jürgen Gohde (KDA), bewogen dieses Amt aufzugeben.
Pflegeausbildung
Nur noch mit Abitur in die Pflege?
Auf Betreiben von Berufsverbänden und Pflegewissenschaft, soll nun in allen EU Ländern, eine 12 jährige Schulbildung (Abitur) für den Krankenpflegeberuf vorgeschrieben werden. Mit Blick auf den Personalmangel in der Pflege, dürfte wohl eher eine Absenkung der Ausbildung auf Hauptschulniveau Sinn machen. Somit steht zu befürchten, dass die Schere "Theorie-Praxis" in Zukunft noch stärker auseinander klaffen wird. Unser Gesundheitsminister erteilt dem Ansinnen der EU eine klare Absage. Der Pflege-SHV setzt sich für eine Neuordnung der Pflegeausbildung ein, so dass jeder, der menschlich geeignet erscheint, diesen Berufsweg einschlagen kann.
Pflegenotstand
Pflegeroboter auf dem Vormarsch
Noch befindet sich die Entwicklung von Robotern, die in Pflegehaushalten und Heimen eingesetzt werden können, in den Kinderschuhen. Aber das wird sich ändern. Die Vorstellung, dass in 20 oder 30 Jahren Roboter serienmäßig für Routinearbeiten in der Pflege eingesetzt werden, 24-Stunden-täglich, an 365 Tagen im Jahr, erscheint keineswegs utopisch. Wie die Pflegezukunft aussehen kann, wenn wir die sich anbahnende Entwicklung technischer Lösungen für menschliche Probleme unreflektiert geschehen lassen, erfahren Sie in diesem Beitrag: "Roboter als Lösung für den Pflegenotstand? Ethische Fragen"
ArzneimittelKritik
Ruhigstellung statt Zuwendung
Arzneimittelreport der Barmer GEK prangert die schädigende Verordnungspraxis mit Neuroleptika an. Endlich begehrt eine Kasse gegen den Wahnsinn der üblichen Medikamententherapie auf, die der Pflege-SHV als eines der Hauptübel im Umgang mit hilfe- und pflegebedürftigen Menschen bezeichnet, siehe unter Anliegen und Brennpunkte
Ergebnisqualität
Wissenschaftliches Erhebungsverfahren der Ergebnisqualität in Pflegeheimen
Am 17.Juni.2011 wurde ein 394 Seiten starke Abschlussbericht „Entwicklung und Erprobung von Instrumenten zur Beurteilung der Ergebnisqualität in der stationären Altenhilfe“ vorgestellt. Es handelt sich in der Tat um ein völlig anderes Bewertungsverfahren, als dass wonach die Pflegenoten ermittelt werden. Eine erste Stellungnahme des Pflege-SHV finden Sie hier.
Protestbewegung Pflegenoten
Aufruf zum Bürgerprotest gegen das Blendwerk mit den Pflegenoten
Von der ersten Stunde an hat der Pflege-SHV gegen den sogn. Pflege-TÜV und das System mit den Pflegenoten protestiert. Dank der Initiative von Franz Stoffer und Thomas Klie, formiert sich aktuell eine bundesweite Protestbewegung. Unterschreiben auch Sie dieses Moratorium gegen die Pflegenoten.
Angehörigenbericht
Sozialhilfeempfängerin hat kein Recht auf Einzelzimmer im Altenheim
Obschon mehrfach Einzelzimmer und Betten in anderen Doppelzimmern frei wurden, musste "meine Mutter" die in diesem Bericht beschriebenen Qualen aushalten. Ihre Beschwerdebriefe verliefen im Sande. Die betreffende Einrichtung wurde mit einer glatten 1,0 benotet, wirbt außerdem mit dem grünen Haken von der BIVA, für hohe Lebensqualität. Der blanke Hohn!
Rechtslage
UN-Behindertenrechtskonvention
Derzeit laufen beim Bundesbehindertenbeauftragten Fachausschüsse zur Umsetzung der Behindertenrechtskonvention. Angesichts der Betreuungswillkür, die wir hier in immer neuen und schauerlicheren Beispielen präsentiert bekommen, wollen wir uns als Selbsthilfeorganisation aktiv mit einbringen. Eine gute Zusammfassung wichtiger Informationen finden Sie in diesem Internet-Blog , darüber hinaus siehe Unterseite zum Thema.
Europa
Europäischer Bericht zur Prävention der Misshandlung alter Menschen
Laut einem am 16.Juni 2011 veröffentlichten Bericht der WHO, kommt Misshandlung alter Menschen überall in Europa vor: "Mindestens vier Mio. Menschen werden jedes Jahr misshandelt und ca. 2500 von ihnen sterben daran. In den meisten europäischen Ländern überaltert die Bevölkerung, so dass der Anteil der bedrohten Menschen zunimmt."
Fachkräftemangel
Hilfskräfte zu Fachkräften umdeklarieren
Der Fachkräftemangel in der Pflege führt zu unterschiedlichen Bewertungen und Gegenmaßnahmen. So plädiert ein neu gegründetes Arbeitgeberbündnis dafür, Hilfskräfte kurzerhand zu Fachkräften umzudeklarieren und zugleich die Fachkraftquote zu senken. Wir raten Heimplatzsuchenden wie Fachkräften, Einrichtungen die diesem Verbund angehören, zu meiden, da diese offensichtlich auf qualifizierte Pflege verzichten wollen. Einig sind wir uns, dass viele der heutigen Regelungen auf den Prüfstand gehören und eine Neustrukturierung notwendig ist. Unsere Gedanken und Vorschläge finden Sie hier.
Akutelle Information rund um das Thema Demenz
Demenz-Report mit wichtigen Eckdaten und Szenarien zur Entwicklung der Demenz in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Eine Entwicklung die vor allem im Osten Deutschlands schwer aufzufangen sein wird, da dort junge Menschen abwandern und die älteren meist auf Sozialhilfe angewiesen sind.
Weitere Meldungen zur Pflege finden Sie unter TV-Presse