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Pflegezeit: Ministerin Schröder überrascht mit neuem Vorschlag
04.03.2010: Begrüßenswert an dem in dieser Woche überraschend eingebrachten Entwurf zur Pflegezeit-Regelung, ist
das Bemühen der Familienministerin, die häusliche Pflege zu stärken. Bei näherer Betrachtung muss man jedoch Fragen, wem das Ganze nützt. Auch wenn
keine Zahlen vorgelegt werden können, kann ich mir vorstellen, dass es einzelne berufstätiger Angehöriger gibt, die aufgrund dieser Regelung eher geneigt wären zu überlegen,
ob sie Erwerbsarbeit und die Pflege der Mutter, des Vater etc. vereinbaren können.
In bestimmten Fällen mag diese Rechnung aufgehen, vor allem dann, wenn das pflegebedürftige Familienmitglied nicht
permanent auf Hilfe angewiesen ist und wenn abgesehen werden kann, dass der Hilfebedarf höchstens zwei Jahre bestehen
wird.
Angesichts einer durchschnittlichen Pflegebedürftigkeitszeit von 9 Jahren, zumindest bei
Demenz, zielt diese Regelung insgesamt jedoch am Bedarf völlig vorbei. Wie geht es weiter wenn die zwei Jahre um sind?
Ohnehin stellt sich die Frage "Heim oder Daheim" in der Regel erst im fortgeschrittenen Stadium einer
Pflegebedürftigkeit.
Dennoch, auch wenn es nur verhältnismäßig wenige Fälle geben dürfte in denen diese Regelung wirklich hilfreich wäre,
warum nicht? Andererseits steht zu befürchten, dass arbeitssuchende Frauen
der Ü40 Generation noch schwerer eine Stelle finden, weil Arbeitgeber diesen finanziell schwer zu kalkulierenden
Umstand nicht riskieren wollen. Allenfalls ist es eine von vielen denkbaren
Maßnahmen, die notwendig wären damit dem Grundsatz "ambulant vor stationär" entsprochen werden kann.
Wir plädieren nach wie vor für eine jeweils im Einzelfall auszuhandelnde Lösung, die
diesem Grundsatz Rechnung trägt.
Stellungnahme Pflege-SHV-Druckversion
Weitere Meldungen zum Thema:
umstrittenen Pflegezeitmodell
Realitätsblind und
gestrig
Kooperationsprojekt MDS / MDK und Stiftung Warentest geplant
27.04.2009: Für aktuellen Diskussionsstoff sorgt eine Meldung
bezüglich einer Kooperation zwischen
MDS / MDK und Stiftung Warentest. In einer ersten Testphase sollen alle 21 Pflegedienste der Stadt Mühlheim
an der Ruhr bewertet werden. Die Ergebnisse sollen anschließend in der Zeitschrift "Test" veröffentlicht
werden. Gegen diese Pflichtprüfung protestiert der Landesverband ambulanter Krankenpflege NRW. Lesen Sie hier die Meldung in Pflege-Online
Kommentar:
Vermutlich hat die anhaltende Kritik am Benotungssystem zu diesem Kooperationsversuch geführt.
Immerhin genießt die Stiftung Warentest hohe öffentliche Anerkennung. Wenn diese ein "sehr gut" oder
"mangelhaft" bescheinigen, hat das unmittelbare Auswirkungen. Ohne das inhaltliche Konzept
dieses Testverfahrens zu kennen - sehe ich eine Parallele zu den Bemühungen des TÜV, mit der auf technischem
Gebiet unumstrittenen Reputation den Pflegemarkt zu bewerten. Das TÜV-Zertifikat
in Pflegeheimen interessiert inzwischen kaum noch jemand, da es keinerlei Gewähr für eine menschenwürdige Pflege
bietet. Auch die Stiftung Warentest sollte vielleicht besser bei den Produktprüfungen bleiben, die Pflegequalität
umfasst schließlich mehr, als eine Seife, die man zum Waschen benutzt oder eine Zahnpasta. Sozialstationen sind
keine Handelsware sondern Dienstleistungen von Mensch zu Mensch. Im übrigen hege ich immer noch die Hoffnung,
dass wir es mit vereinten Kräften schaffen, die ambulante Pflege in einer sinnvollen Weise zu reformieren: Weg von der
Minutenpflege mit Einzelleistungsabrechnung, hin zu einer ganzheitlichen Angebotsstruktur, die auch den
psychosozialen Betreuungsbedarf einbezieht. Anstatt ambulante Pflegedienste mittels vergleichender Qualitätsprüfungen
auf den unseligen Modulen festzuzurren, sollte man sich um Angebotsstrukturen bemühen, die dem Grundsatz
"ambulant vor stationär" gerecht werden.
"Sterne für
Pflegedienste" nach einem Selbstauskunftsverfahren
März 2009: Auch der Vincentz-Verlag will sich nicht damit begnügen über Neuentwicklungen in
der Pflegelandschaft zu berichten. Warum nicht selbst zu den Sternen greifen, wird man sich wohl gedacht
haben, angesichts des aktuellen Trends, den, das sollte hier nochmals erwähnt
werden, Pflege-SHV in 2006 mit der Heimauszeichnungsidee angestoßen hat. Mir ist so etwas nicht
neu. Mit den Pflegestandards verhielt es sich damals ähnlich. Das positive Echo auf die sog.
"Stösser-Standards" führte zu zahlreichen Nachahmerprodukten, von denen sich jedoch keines durchsetzen
konnte. Wenigstens hätten sich die Macher der "Sterne für Pflegedienste" an den bewährten Prüfverfahren
im Hotel- und Gaststättengewerbe orientieren können. Man beachte: Kein Restaurant erhielt jemals einen
Stern, weil der Küchenchef die dazu erforderlichen Punkte auf einem Erhebungsbogen angekreuzt hat. Eine
Sterneküche muss jeder Zeit damit rechnen, dass eine Testperson unter den Gästen sitzt, um die Qualität
des Essens, die Freundlichkeit der Bedienung und das Ambiente zu prüfen. Die Vincentz-Sterne beruhen hingegen auf Fragebögen, die der Pflegedienst ausfüllt, welche dann nach einem speziell
entwickelten Programm ausgewertet werden. Würde man sich auf "Selbstbewertungen"
von Pflegediensten und Heimen verlassen können, wie man sie im Internet oder in Broschüren finden kann,
brauchte es überhaupt keine Prüfung zu geben. Auch wir wären nicht auf die Idee gekommen, die wirklich guten
Heime als solche hervorzuheben, wenn sich die Bürger auf Selbstbezeugungen verlassen könnten. Mehr zu den
Sternen mit denen das Unternehmen "Vincentz" den Markt bedienen will, finden Sie hier
Deutsche Familien auf Hilfe von Frauen aus osteuropäischen Ländern angewiesen
dip 24.04.2009: Dank osteuropäischer Haushaltshilfen können rund 100.000
Pflegebedürftige zu Hause leben und sterben. Dies bestätigt eine am 24. April vorgestellte Studie des Deutschen Institutes für Pflegeforschung (dip), an der Pflege-SHV
beteiligt wurde. Ohne diese Frauen würden wir demnach etwa 100.000 zusätzliche Heimplätze benötigen. Denn
in allen Fällen, zu diesem Ergebnis kommt die Studie, sahen Angehörige keine Alternative. Angehörige, die den
24-Stunden-Betreuungsbedarf eines pflegebedürftigen Familienmitglieds selbst nicht sicher stellen können, eine
Heimeinweisung jedoch vermeiden wollen, haben derzeit in unserem Land kaum eine andere Wahl. Da wir in einer Zeit
leben, in der es Studien bedarf um längst vorhandenen Erkenntnissen die nötige Seriosität zu verleihen, begrüßen
wir diese Untersuchung, auch wenn im Ergebnis nichts Neues oder Überraschendes dabei herausgekommen ist. Lesen Sie hier die Studie
weiteres zum Thema Illegale Pflege hier
"Pflegebudget" zu teuer und auch aus anderen Gründen zum
Scheitern verurteilt
RZ 28.02.2008: Vier Jahre lang erprobte der Kreis Neuwied als eine von sieben Kommunen bundesweit das
Modellprojekt Pflegebudget. Am 30. April endet die Erprobungsphase. "Es ist unwahrscheinlich,
dass das Pflegebudget als eigenständige Option eingeführt wird. Denkbar ist hingegen, dass einzelne Konzeptteile in
die Entwicklung der Pflegeversicherung einfließen", resümierte Prof. Thomas Klie, der wissenschaftliche
Leiter dieses Projektes. Die 79 Bezieher des Budgets im Kreis Neuwied können sich noch bis Ende des
Jahres auf die höheren Leistungen (Sachleistungssatz) der Kassen freuen, die ihnen zur Verfügung stehen, um die
vereinbarten Haushaltshilfen oder Betreuungsdienste zu bezahlen, die ansonsten von der Pflegekasse nicht
übernommen werden.
Einerseits sei jedem Pflegebedürftigen gewünscht, dass die Pflegeversicherung den häuslichen
Betreuungsbedarf weitgehend deckt, andererseits erscheint dies nicht finanzierbar über den aktuellen
Versicherungsbeitrag. Von vorne herein haben die für das Regelwerk Verantwortlichen versucht eine Grenze zu
setzen, indem eben nur körperbezogene Pflegeleistungen - Sachleistungen genannt - kalkuliert wurden.
Zeit für Betreuung, Begleitung und Haushaltshilfe wurden ganz bewusst nicht einkalkuliert. Hier setzt man auf den
Einsatz von Angehörigen, die wie vor der Einführung der Pflegeversicherung zu einem großen Teil diese Aufgabe
selbstverständlich übernehmen. Schließlich drückt sich darin ja auch ein wesentlicher Wert der Familie
aus. Man lässt die pflegebedürftige Mutter, den Vater oder eine andere nahe stehende Person gerade dann nicht im
Stich, wenn diese der Hilfe am meisten bedürfen. Also kann man vorerst noch darauf vertrauen, dass rund 70
Prozent der Pflegebedürftigen in der eigenen Familie versorgt werden, mit oder ohne Unterstützung eines ambulanten
Pflegedienstes. Vor der Einführung der Pflegeversicherung war dieser Prozentsatz sogar noch
höher, obschon die Angehörigen für diesen Einsatz keinen Pfennig erwarten konnten. Grund- und
Behandlungspflegemaßnahmen durch ambulante Dienste wurden vormals von den Krankenkassen übernommen, wobei jedoch
nicht - wie heute - jede Handreichung einzeln aufgeführt und abgerechnet werden musste. Auch einzelne
Nachtbereitschaften und stundenweise Betreuungen oder Begleitdienste, konnten unter bestimmten Umständen - und
nach Vorlage einer ärztlichen Verordnung - mit den Kassen abgerechnet werden. Wenn ich an meine Zeit als
Verantwortliche einer Haus-, Kranken- und Familienpflegestation zurückdenke, hatten die Betroffenen, wie auch
ambulanten Pflegedienste in der Zusammenarbeit mit dem Hausarzt deutlich mehr Möglichkeiten individuell
maßgeschneiderte Hilfsangebote mit den Kassen zu vereinbaren. Seit Einführung der Pflegeversicherung haben
wir zwei getrennte Kassen, wobei im Zweifelsfalle die jeweils angesprochene nicht zuständig ist. Die auch früher
schon nicht leicht zu durchschauenden Verfahren und Formalitäten verkomplizierten sich hierdurch
erheblich. Seither werden den Pflegediensten Preise und Zeitwerte (pro Einzelsachleistung) diktiert,
die kaum noch einen Spielraum lassen. Zeit für Zuwendung und die oft viel notwendigere menschliche
Begleitung, lassen sich nicht abrechnen, obschon man dadurch viele teuren und schädlichen
Medikamente einsparen könnte oder gar Krankenhausaufenthalte. Stattdessen gibt es einen
kleinen Obolus in Form von Pflegegeld, aber auch nur, sofern die Angehörigen auf regelmäßige Unterstützung von
ambulanten Diensten verzichten und alles selber machen. Bürger und Fachleute die nicht täglich mit
diesen Dingen zu tun haben, blicken hier zunächst überhaupt nicht durch. Entsprechend verstärkte
sich der Beratungsbedarf: Wo kann ich was beantragen? Was steht mir in der aktuellen Situation zu?
etc.
Angesichts der daraus resultierenden Unzufriedenheit vieler Betroffenen, kam man auf die Idee mit dem
Pflegebudget, in Kombination mit einer individuellen Fallberatung (Case Management). Wiederum ein kompliziertes
Verfahren, mit Prüfungen und Anträgen und ständiger Begleitung, die durch Pflegekräfte mit
Hochschuldiplom gewährleistet werden soll (welche zunächst einmal den zumeist betagten, nur deutschsprachigen
"Klienten" erklären müssen, was denn eine Case Managerin ist). Dieser ganze Aufwand, einschließlich der
Personalkosten, dient keinem anderen Zweck, als für einige wenigen Pflegebedürftige, statt des Pflegegeldes den
etwa doppelt so hohen Sachleistungsbetrag auszuhandeln, mit dem der Betreffende auch solche Hilfe
einkaufen kann, die er sonst aus eigener Tasche zahlen müsste; wie z.B. eine stundenweise Betreuung zur
Entlastung des Angehörigen, oder jemand der 3 mal die Woche kommt, um mit ihm spazieren zu fahren. Auch ohne die
Mehrkosten zu kennen, kann die abschlägige Bewertung des Projektes Pflegebudget nachvollzogen
werden.
Nun setzt unsere engagierte, rheinlandpfälzische Sozialministerin (fast im Alleingang) auf die nicht
minder umstrittenen Pflegestützpunkte, die bei der gestrigen Tagung auf dem Petersberg zur Debatte standen
und dort ins Ermessen der Länder gestellt wurden. Auch davon können wir nur abraten. Mit dem
Geld, welches hierfür zusätzlich aufgebracht werden muss, sollte man das Betreuungsangebot vor Ort ausbauen und
für die Angehörigen bezahlbar machen. Dann müssten nicht so viele Menschen, auch hier in Rheinland-Pfalz,
auf illegal beschäftigte Osteuropäerinnen zurückgreifen, weil
passende legalen Angebote entweder nicht vorhanden oder nicht bezahlbar sind. Das ist doch das
eigentliche Problem, für das weder die Stützpunkte noch das Pflegebudget eine Lösung bieten. Weiteres dazu hier
Informationen zum Pflegebudget
www.pflegebudget.de und www.integriertesbudget.de
Pflegekurse müssen besser werden!
Neue Studie
belegt, dass Pflegekurse nach § 45 SGB XI nicht angemessen auf die Bedürfnisse der pflegenden Angehörigen
ausgerichtet sind.
Das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. (dip) konnte
mit Fördermitteln der Bosch BKK erstmals bundesweit Pflegekurse untersuchen, die nach dem Pflegeversicherungsgesetz (SGB
XI) für pflegende Angehörige und ehrenamtlich Tätige durchgeführt werden. Die Untersuchung basiert u.a. auf den
Daten und Einschätzungen von 320 Teilnehmern und 41 Kursleitern aus verschiedenen Einrichtungen in ganz Deutschland.
Zudem wurden weitere Experten befragt und Schulungskonzepte analysiert. Dies ergibt erstmals ein umfassendes Bild der
derzeitigen Strukturen, Konzepte und Erfahrungen, die es in Deutschland bezüglich Pflegekurse gibt. Die Ergebnisse
werden im März in einer Publikation „Pflegekurse im Blickpunkt – Strukturen, Konzepte, Erfahrungen“ veröffentlicht.
Mehr als 1,4 Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig und
werden von ihren Angehörigen zuhause gepflegt. Die Belastungen für die pflegenden Angehörigen sind immens. Sie
tragen ein großes Risiko, selbst zu erkranken oder pflegebedürftig zu werden. Pflegekassen stehen in der Pflicht,
Versorgungsmängel zu erkennen und zu beseitigen. Im SGB XI steht dazu u.a. das Leistungsangebot von Pflegekursen zur
Verfügung. Diese sind häufig die erste und einzige Anlaufstelle für pflegende Angehörige. Bernhard Mohr, Vorstand
der Bosch BKK, betont: „Wir wollten mit dieser Untersuchung den Fragen nachgehen: Wie gut sind die Pflegekurse
eigentlich? Und: Antworten sie wirklich auf die Bedürfnisse der Angehörigen?“
Die umfassende Untersuchung kommt u.a. zu dem Ergebnis, dass gerade der
extrem belastende Übergang zur Pflege von Angehörigen selten durch ein passendes Angebot von Pflegekursen begleitet
wird. Prof. Weidner, Leiter der Untersuchung, zieht als Fazit: „Die
Pflegekursangebote sind den Betroffenen meistens nicht bekannt, zu unspezifisch, thematisch zu eng und bieten kaum
Hilfe bei psychischen Belastungen und Konflikten in der Familie."
Die Ergebnisse der Studie ermöglichen einen differenzierten Einblick in
die Erfahrungen und Einschätzungen von Angehörigen, Professionellen und Experten. Sie können damit einen Beitrag zur
Optimierung von Beratung, Unterstützungs- und Entlastungsansätzen für die gesellschaftlich wichtige Gruppe der
pflegenden Angehörigen leisten. Die Studie kann den Verantwortlichen aus Politik und Gesellschaft als
Orientierungshilfe dienen, aus der sich Hinweise auf Reformpotenzial und –hindernisse ableiten lassen. Zukünftige
Angebote von Pflegekursen können auf der Grundlage der Untersuchungsergebnisse besser an die Bedürfnisse der
Betroffenen angepasst werden. Auch leiten die Autoren der Studie Empfehlungen ab, wie die Pflegekurse zukünftig
regional besser vernetzt und systematisiert werden können.
Kontakt: Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung e.V., Hülchrather Str. 15, 50670 Köln,
Tel. 0221/ 46861-30, E-Mail: dip [gefolgt von @ und] dip.de
Quelle:
Pressemitteilung vom 7.2.2006
http://www.dip-home.de/material/presse/pflegekurse%207.2.2006.htm
Pflege-shv sieht auch hier Ansatzmöglichkeiten und ein Aufgabengebiet. Denn das übliche
Schulungs- und Beratungsangebot für pflegende Angehörige geht über die Vermittlung bestimmter Pflegetechniken selten
hinaus. Was vor allem derzeit fehlt, sind Angebote zur Vermeidung oder Bewältigung von psychischen Belastungen:
"Hilfe zur Selbsthilfe" für Angehörige.
Langfristig erscheint uns die von der WHO entwickelte Idee
der sog. Familiengesundheitspflege,
Family Health Nurse , unterstützenswert. Aktuell
wird dieses Konzept im Auftrag des BMGS an der Uni Witten Herdecke geprüft, um dann entscheiden zu
können, ob und in welcher Weise eine Umsetzung für Deutschland angestrebt werden soll. Bis dahin dürfte noch ein
langer Weg sein, zumal diese "FamilienpflegerInnen" erst einmal ausgebildet werden müssen und die
Finanzierung dieses Angebots noch völlig in den Sternen steht. Man kann nur hoffen, dass am Ende dabei nicht nur
eine wissenschaftlich fundierte Kopfgeburt herauskommt.
Näheres zur
Zukunftsvision "Family Health Nurse" erfahren Sie hier>>
Pflege älterer Angehöriger ist ein Full-time-Job
EU-Umfrage in 6000 Familien / Vor allem Verhaltensprobleme sind eine große Belastung für Pflegende.
Bis zu 45,6 Stunden verbringen Familienangehörige pro Woche im Schnitt mit der Pflege von alten Menschen, so das
Ergebnis einer EU-weiten Befragung.
Quelle: Bericht der Ärztezeitung vom 2.12.2005 -
lesen
Anmerkung Pflege-shv:
Wie diese Umfrage ergeben hat, werden europaweit 80 Prozent aller pflegebedürftigen,
älteren Menschen von ihren Angehörigen betreut. In Deutschland ist dieser Anteil mit 70 Prozent geringer,
sicherlich auch wegen des vergleichsweise größeren Angebotes an Pflegeheimplätzen.
Bemerkenswert an diesem Bericht ist die Aussage: "Fast alle betreuten Personen hatten in den
sechs Monaten vor der Befragung einen Hilfsdienst in Anspruch genommen, trotzdem empfanden die pflegenden Angehörigen
dies nicht unbedingt als Entlastung. Pflege- und Beratungsdienste werden von nicht einmal einem Drittel der Pflegenden
in Anspruch genommen."
Tatsächlich werden auch wir verstärkt von pflegenden Angehörigen angefragt, die Hilfe suchen,
welche sie bei den örtlichen ambulanten Diensten nicht finden konnten.
"Was nutzt mir ein Pflegedienst der einmal oder zweimal pro Tag für eine halbe Stunde kommt
und Tätigkeiten verrichtet, die ich auch alleine verrichten kann? Ich sehe nicht ein, dass ich dafür auf das
Pflegegeld verzichte, wo ich diejenige bin, die tagein, tagaus für meine pflegebedürftige Mutter da sein muss.
Mir würde es viel mehr helfen, und dafür wäre ich auch bereit das Pflegegeld abzugeben, wenn ich jede Woche einen Tag
oder zwei Nachmittage mit Ruhe aus dem Haus könnte, weil ich wüsste, da ist jemand zuverlässiges, der sich um meine
Mutter kümmert." , erklärte mir eine Frau vor wenigen Tagen am Telefon.
In einem anderen Fall, um den sich Mitglieder von Pflege-shv derzeit kümmern, liegt folgendes
Problem vor: Eine 75 jährige Frau ist gleich mit zwei Pflegefällen in der Familie konfrontiert, neben ihrer
Tochter, die sie seit vielen Jahren pflegt ist ihr an Parkinson erkrankter Ehemann zunehmend pflegebedürftig.
Zwei Nachbarinnen helfen der Familie, so dass die Versorgung, nach Angabe der pflegebedürftigen Tochter,
zufriedenstellend ist. Einen ambulanten Pflegedienst lehnt die Familie nicht zuletzt deshalb ab, weil sie auf das
Pflegegeld angewiesen sei, damit sie den beiden Helferinnen etwas geben können. Die Rente des Vaters reiche gerade für
das Allernötigste, aber nicht um auch noch fremde Hilfe zu zahlen. Nun hat, nach der letzten MDK Begutachtung, die
Kasse zwar beiden Bedürftigen die Stufe II zuerkannt, jedoch zugleich mitgeteilt, dass kein Pflegegeld mehr
bezahlt werde, weil professionelle Hilfe notwendig sei. Auch hier wurde in der weiteren Auseinandersetzung
deutlich, dass dieser Familie nicht damit geholfen ist, wenn nun täglich jemand vom Pflegedienst für eine Stunde
kommen würde. Denn Hilfebedarf besteht bei beiden den ganzen Tag über und auch Nachts. Sie wären also
nach wie vor auf Nachbarschaftshilfe angewiesen und bekämen dann immer noch kein Geld von der Pflegekasse, weil
dieses für den Pflegedienst (Sachleistung) verwand werden würde.
Als völlig unzureichend muss die
Betreuung von Demenzkranken durch ambulante Dienste angesehen werden. Diese Menschen brauchen eine ganz andere Hilfe und
Betreuung als die, die mit den Kassen abgerechnet werden kann. Überhaupt halten wir das nach
Einführung der Pflegeversicherung entwickelte Modulsystem, bei dem die Pflegearbeit reduziert wurde auf einzelne
körperbezogene Grundpflegemaßnahmen, für einen in jeder Beziehung falschen Ansatz. Wir plädieren dafür,
dass dieses System schleunigst abgeschafft wird und ambulante Dienste ausgebaut werden, dahingehend, dass
sie flexibel auf den Gesamthilfebedarf reagieren können und die Kassenleistungen nicht nach starren Vorgaben sondern
Bedarfs- und Ergebnisgerecht erfolgen.
Konkrete Vorstellungen und einzelne Praxisbeispiele existieren
bereits. Wir wollen diese in nächster Zeit ausarbeiten und als Alternativkonzept in die politische Diskussion
einbringen.
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