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Pflege-shv: Auftaktveranstaltung am 26. Januar 2006 im Domforum in Köln
Am 26.Januar 2006 trat Pflege-shv erstmals öffentlich in Erscheinung. Dazu hatten wir uns eine besondere Adresse ausgewählt, das DOMFORUM in Köln. Ein offener Raum der Begegnung (" Glashaus" auf der Domplatte), der sich wunderbar eignete für das Thema, um das es ging . Wie das Foto zeigt, fand unser Thema "Menschenwürdige Pflege: zwischen Anspruch und Wirklichkeit", reges Interesse. Ein gemischtes Publikum, darunter viele von Pflege betroffene ältere Menschen oder deren Angehörige, aber auch Fachpersonal, Heimleiter, Presseleute oder aus anderen Gründen am Thema interessierte Bürger und Bürgerinnen. Einige sind sogar von weit her angereist, weil unser Verband, obschon er erst einige Monate alt ist, speziell von Betroffenen, Pflegekräften und in der Demenz oder Hospizarbeit engagierten, als Hoffnungsträger gesehen wird. Manche sind sicher auch hauptsächlich deshalb gekommen, weil sie Claus Fussek oder Markus Breitscheidel erleben wollten.
Menschenwürdige Pflege - zwischen Anspruch und Wirklichkeit
„Alt und abgeschoben“
, „Abgezockt und todgepflegt“, sind nicht nur alarmierende Buchtitel, sondern ernstzunehmende Berichte über unmenschliche
Zustände, speziell in Heimen die von Leuten betrieben werden, die sich an der Not hilfloser alter
Menschen bereichern wollen. Die beiden Autoren, Claus Fussek und Markus Breitscheidel, sowie die Fachfrau und Vorsitzende des
Pflegeselbsthilfeverbandes, Adelheid von Stösser, berichten über ihre
Erfahrungen und was dieser neu gegründete Pflegeverband erreichen will.
Die Moderatorin, Angela Krumpen (Bildmitte) zeigte sich schon vor der Veranstaltung tief beeindruckt, nachdem sie die o.g. Bücher und weitere Erfahrungsberichte aus der Pflege gelesen hatte. Nicht ganz zu unrecht hatte sie Sorge, dass die Emotionen hochschlagen würden. Tatsächlich gab es auch mehrfach Zwischenrufe, und das Publikum konnte zuletzt kaum noch ruhig sitzen, denn viele brannten darauf, sich zu den Aussagen von Claus Fussek (Bild links) und Adelheid von Stösser (rechts), äußern zu dürfen. Abgesehen von drei verärgerten Stimmen, bestätigten alle übrigen die beschriebene Wirklichkeit. Herr Breitscheidel konnte leider nur die erste halbe Stunde dabei sein, da er noch einen weiteren Termin an diesem Abend hatte. So fehlt er auf dem Foto. Aber auch sein Bericht bewegte sichtlich die Gemüter. Herr Fussek fühlt sich in dieser Diskussion zu Hause, schließlich reist er ja auch schon seit vielen Jahren in Deutschland herum, um die Menschen auf die unwürdigen Bedingungen in Heimen aufmerksam zu machen. An anschaulichen Beispielen mangelt es ihm nicht, auch nicht an Enthusiasmus und Schärfe, die meist jedoch abgemildert wird durch einen Schuss Ironie. Wie er die Dinge auf den Punkt bringt, weiß man nicht, ob man darüber Lachen oder Weinen soll. So zog er auch an diesem Abend wieder sämtliche Register und hätte das Publikum alleine locker noch mehrere Stunden unterhalten können. Nach den Zielen und Plänen des Pflegeselbsthilfeverbandes wurde leider nicht explizit gefragt, Frau von Stösser konnte dennoch einiges anbringen. Hauptthema waren die Missstände speziell in den Pflegeheimen und die verständliche Frage, wie der Betroffene sich davor schützen kann. Diese Frage beschäftigte auch nach der offiziellen Veranstaltung viele Besucher. Wie finde ich ein Heim, das tatsächlich hält was versprochen wird? Wie kann ich mich vor Willkür, Entmündigung und Misshandlung schützen? Wo kann ich mich hinwenden, wenn die Heimleitung oder die Heimaufsicht auf meine Beschwerde nicht reagieren? Diese Fragen sollen in einer Folgeveranstaltung im Vordergrund stehen. Das wurde dem Publikum vom Leiter des Domforums zugesichert. Voraussichtlich wird dies im April sein. Der genaue Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben.
Insgesamt war dies ein gelungener Auftakt, und das in einer Stadt die nach außen hin keinen Pflegenotstand kennt. Dem Kölner Stadtanzeiger sind Berichte über den Karneval eindeutig wichtiger, als ein kleiner Bericht über eine solche Initiative für menschenwürdige Pflege. Vielleicht meint die Presse ja auch, sie müsse die Bevölkerung vor belastenden Themen, die einen selbst betreffen, schützen. Als im fernen Irak Gefangene gedemütigt wurden, berichteten sämtliche Zeitungen, Funk und Fernsehn, wochenlang darüber. Die Entwürdigungen und Misshandlungen wie sie alterskranke BundesbürgerInnen, tausendfach jeden Tag erfahren, sind kein Thema. In der Tat sind die Umgangsformen in manchen Heimen so schlimm, dass es jemanden der dies nicht selbst erlebt hat, unglaubwürdig erscheinen muss. Es handelt sich hierbei nicht um Einzelfälle. Vielmehr ist es so, dass man Heime mit einem warmen Klima und genügend geeignetem Personal, oft lange suchen muss. Wenn man sie dann gefunden hat, muss sich der Bewerber auf lange Wartelisten setzen. Während des Arbeitstreffens mit einigen aktiven Mitgliedern des Pflege-Selbsthilfeverbands, welches vor der Veranstaltung im Bürgerhaus Stollwerck stattfand, war der unzureichende Personalschlüssel eines der Hauptthemen. Die aus rein wirtschaftlichen Gründen vereinbarten Anhaltzahlen, nach denen heute ausgerechnet wird, wie viel Personal pro Wohnbereich zur Verfügung zu stellen ist, sind so gehalten, dass die Pflegenden kaum das allernötigste schaffen können. Hier wollen wir als Nächstes ran und alle Register ziehen um eine mindestens 20 %tige Erhöhung des Personalschlüssels zu erreichen. Daran führt kein Weg vorbei. Was wir sonst in nächster Zeit noch geplant haben, finden Sie auf anderen Seiten.
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