Pflege-Selbsthilfeverband e.V.

 Initiative für menschenwürdige Pflege

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Wie  Pflegekräfte und Mitarbeiter  die Situation erleben  

Nachfolgend eingestellt eine Auswahl von Beschwerden und Berichten 

Juli 2009: Ein Ergotherapeut aus Schleswig-Holstein schreibt 

Mai 2009: Dinkelsbuehl: Zwei Pflegerinnen gehen an die Öffentlichkeit 

Dez. 2008:  Bericht einer Altenpflegschülerin aus Norddeutschland 

NRW 2007:   Private Einrichtung die durch Missmanagement und Familienstreit in den Ruin gewirtschaftet wurde. 

NRW 2007: Beschwerdebericht dreier Pflegekräfte 

Niedersachsen 2006:  Trotz offensichtlicher Machenschaften eines skrupellosen Heimbetreibers,  reagieren Behörden machtlos  

BW 2006:   Gewalt- und Angstherrschaft in einem Wohnbereich 

RLP 2006:  Personalsituation in der Nachtwache - Unverantwortlich aber üblich, nicht nur in RLP 

Bayern 2006: Auch in kirchlichen Einrichtungen gibt es keine Garantie für  menschenwürdige Pflege  

 

70 Prozent der rund 40.000 Zuschriften, die Claus Fussek über die Jahre seines medienwirksamen Kampfes für menschenwürdige Pflege erhielt, stammen von  Pflegekräften – überwiegend aus dem Bereich der Altenpflege.  Eine repräsentative, kleine Auswahl von  Zuschriften aus dem Zeitraum  2003 bis Ende 2005, stellen wir Ihnen auf der Homepage von Pflege-shv vor.  Um die AutorInnen vor Repressalien zu schützen werden keine Namen genannt, auch nicht die der Einrichtungen, die in dem meisten Berichten namentlich genannt sind.  

1.  Ein kleines Wunder – Aber bitte vertraulich behandeln

In unserer Pflegeeinrichtung befindet sich seit Jahren eine demente Bewohnerin. Sie steht weder aus eigenem Antrieb aus dem Bett auf, noch wäscht sie sich  alleine, bzw. ist dazu nicht in der Lage, muss vollkommen angekleidet werden. Sie verweigert seit langer Zeit Essen und Trinken, nimmt also nichts selbständig zu sich. Wir geben daher Speisen und Getränke vollständig ein, mit einem Zeitaufwand pro Mahlzeit von mindestens 20—25 Minuten. Sie wollte auch nur in einer dunklen Ecke des Flurs sitzen und - wenn überhaupt — dort essen.

Nun wurden im Zuge eines Neubaues ein neuer, heller Aufenthaltsraum geschaffen und es wurde eine Altentherapeutin (Halbtagskraft 50 % der Regelarbeitszeit) angestellt, die ein Betreuungskonzept für den Wohnbereich erstellt hat, in welchem nur demente Bewohner untergebracht sind.

Leider werden diese 50 % Arbeitskraft der Pflege entzogen, d. h. diese fehlenden 50 % müssen von den Pflegekräften zusätzlich aufgebracht werden. Nun möchte ich nicht klagen, denn die Betreuung bringt auch eine gewisse  Entlastung, da die dementen Bewohner nicht ziellos umherirren und eben - wenigstens stundenweise, z B. während und nach dem Frühstück — betreut werden. Der Frühstückstisch wird von der Therapeutin schön gedeckt, mit Platzdecken, kleinen Blumenvasen usw.

Nun zur besagte Bewohnerin: Vor ca. 1 Jahr wurde es mit Mühe und Not bewerkstelligt, für sie die Pflegestufe 3 zu bekommen und ich denke nicht zu unrecht.

Doch dann passiert ein Wunder. Besagte Bewohnerin fängt an diesem hübsch gedeckten Frühstückstisch plötzlich alleine an zu essen und zu trinken. Zwar dauert es sehr lange, aber dennoch es passiert.

Nun sind wird Pflegekräfte in der schwierigen Situation zu entscheiden, dokumentieren wir diesen Fortschritt. Wir haben uns entschieden es zu unterlassen, denn wir laufen Gefahr uns selbst zu schaden. Sollte besagte Bewohnerin vom MdK bei der nächsten Begutachtung von Pflegestufe 3 auf 2 zurückgestuft werden, was vermutlich der Fall sein wird, so schaden wir uns selbst. Bekanntlich richtet sich der Stellenschlüssel ja nach wie vor nach den Pflegestufen und nicht nach Zeitaufwand zur Betreuung. Dabei wird völlig übersehen, dass ein dementer Bewohner mit Pflegestufe 1 oft mehr an Zeitaufwand benötigt, als z. B. bettlägerige Bewohner mit Pflegestufe 3, welche ja beim Essen nicht ständig aufstehen, weglaufen, die Ausscheidungen in Bett und Flur  hinterlassen etc. etc.

Absurd, aber Wirklichkeit.

Weshalb wird in der Altenpflege Fortschritt bestraft und nicht belohnt?

Treiben wir z.B. die Bewohner in die Inkontinenz, weil die Zeit für den Toilettengang fehlt, wer regt sich auf? Niemand.

Noch ein kurzes Beispiel, was ein schönes Ambiente bewirken kann. 

Eine weitere demente Bewohnerin, auch sie hat die Mahlzeiten immer in einer dunklen Ecke an einem kleinen Tisch eingenommen. Sie ist zwar in der Lage alleine zu essen, nimmt aber kaum etwas zu sich. Sie lehnt es auch ab in Gesellschaft zu essen. Seit sie an einem schön gedeckten Tisch essen kann, isst sie besser und fühlt sich auch in Gesellschaft wohl. Spricht auch wieder mehr und sagte beim Anblick des schön gedeckten Tisches: “Oh, ist das schön hier“.

Ich denke, Einrichtungen, welche sich bemühen, müssten belohnt werden, wie immer diese Belohnung auch aussehen könnte, z. B. durch eine bessere personelle Ausstattung.

Wenn ich jedoch daran denke, dass sich ein Land wie die Bundesrepublik Deutschland im Ausland Anregungen holen muss, wie alte, pflegebedürftige Menschen betreut werden müssen, dann bitte ich jene, welche glauben es sei notwendig, in die Einrichtungen zu gehen, den alten Menschen in die Augen zu sehen, bzw. sich umzusehen und sie wissen, was erforderlich ist.

Geben Sie den Pflegekräften die Zeit, die Pflegebedürftigen im eigenen Rhythmus essen und trinken zu lassen, sie zur Toilette bringen zu können, wann immer es erforderlich ist und gewünscht wird, sie ins Freie zu bringen, ihnen persönliche Zuwendung zu geben. Das löst zwar nicht alle Probleme, aber einige.

Nein, es werden Modelle erprobt, die Geld kosten und am Schluss steht wieder die Erkenntnis, ist kein Geld dafür da.

Es ist dringend erforderlich u. a. genügend Fachpersonal vor Ort zu haben und wir brauchen keine Modelle und Anregungen aus dem Ausland.

Natürlich sind die Personalkosten jetzt schon der größte Kostenfaktor, wenn ich jedoch täglich sehe wie Geld in der Altenpflege und von den Krankenkassen unnütz ausgegeben und verschwendet wird, dann kann ich das Gerede vom fehlenden Geld nicht mehr nachvollziehen. Als Beispiel möchte ich nur die Prophylaxe auf vielen Gebieten nennen, sie würde enorme Summen sparen.

Zuletzt noch der beschämende Hinweis, ich möchte und muss anonym bleiben, sonst bekomme ich mit Sicherheit eine Abmahnung.

Die Wahrheit darf man in der Altenpflege auch heute noch nicht öffentlich sagen.

Bleibt also nur die Hoffnung.

Eine trotz allem noch motivierte Pflegekraft.

 

Anmerkung AvS: Diesen Brief einer Altenpflegerin habe ich oft schon kopiert und als Beispiel hergezeigt, für die kleinen Dinge  mit denen Lebensfreude und Interesse geweckt werden kann. Allerdings muss man fragen, warum es dazu einer neuen Berufsgruppe bedarf, einer Altentherapeutin, die den Pflegenden eine halbe Stelle wegnimmt? Oder besser gefragt: Warum ist das Rollenverständnis der Pflege so geschrumpft, dass es zusätzlicher Berufsgruppen bedarf, die sich um die menschlichen Belange kümmern? Was meint die Autorin dieses Briefes wohl damit, wenn sie erwähnt, dass die Pflege nun Mehrarbeit hat, weil die Altentherapeutin dem Pflegedienst eine halbe Stelle wegnimmt?  Diese unbedachte Äußerung drückt aus,  dass  Pflege   als eine auf die körperliche Grundversorgung  reduzierte Dienstleistung verstanden wird. Für die Betreuung des Menschen sind andere Berufsgruppen zuständig, wenn es diese denn gibt.  Kürzlich hatte ich eine Auseinandersetzung mit einem Pflegeteam, in dem die Meinung vorherrschte, das Bewegen der Gelenke zur Kontrakturprophylaxe sei Aufgabe der Krankengymnasten, dafür haben Pflegende keine Zeit und sie werden auch nicht dafür bezahlt. Da fasst man sich wirklich an den Kopf und fragt sich, wozu man jahrelang Pflegekräfte aus- und fortgebildet hat. Warum es nun eine dreijährige Altenpflegeausbildung gibt, in der auch alle möglichen psychosozialen Betreuungsformen vermittelt werden. Offenbar sehen und verstehen auch die führenden Köpfe in den Pflegeverbänden nicht, was sie damit anrichten, dass sie für alles und jedes Spezialisten fordern.  Zeitweise hatte es den Anschein, das funktionalistische Denken in der Pflege würde einem ganzheitlichen Ansatz weichen. Inzwischen kann man Einrichtungen mit einem ganzheitlichen Pflegekonzept  (einschließlich Tagesgestaltung, Ambiente, Beschäftigung) lange suchen. Warum lassen sich die Pflegenden ausgerechnet die Tätigkeiten aus der Hand nehmen, die diesen Beruf interessant machen?  Grundpflegeverrichtungen gehören eher zu der unschönen Knochenarbeit, die mit voller Begeisterung wohl kaum jemand macht.

Neben diesem wird in vorliegendem Brief die rehabilitationsfeindliche Wirkung der Pflegestufenregelung deutlich. In den beiden geschilderten Fällen, hat man eher zufällig eine Verbesserung der Selbstständigkeit erreicht. Da das System  die bestraft (Zurückstufung = weniger Geld), die sich um maximale Selbstständigkeit eines Pflegebedürftigen  bemühen, werden Pflegende nicht selten von der Heimleitung und Pflegedienstleitung zurechtgewiesen, wenn sie mehr tun, als die geforderte Grundversorgung, s. auch einige der nachfolgenden Beispiele. 

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2. Die Würde des Menschen ist a n t a s t b a r

Sehr geehrter Herr Fussek,

wie telefonisch besprochen, sende ich Ihnen eine Schilderung meiner Erlebnisse im Heimalltag.

Vorab eine Kurzinformation über mich.

Da ich in jungen Jahren schon  einige Jahre in einem Krankenhaus gearbeitet hatte, mein Sohn erwachsen war und mich mein Mann in unserem Kleinbetrieb nicht mehr so dringend benötigte, wollte ich wieder in der Pflege arbeiten.1997 wurde in meiner Nähe ein Heim erbaut, da ergriff ich die Gelegenheit und fing im Oktober 1997 als Helferin zu arbeiten an. Mir fiel es leicht zur älteren Generation Kontakte herzustellen. Die Arbeit machte mir große Freude. Schon bald wurde mir klar dass ich die Ausbildung absolvieren wollte. Also begann ich im April 1998 als Späteinsteigerin eine berufsbegleitende Ausbildung zur Altenpflegerin. Ich war begeistert. Ich lernte aktivierende und rehabilitierende Pflege, konnte in der Praxis feststellen wie unter anderem durch Bobath, Kinästetik und Basale Stimulation der Mensch gefördert werden kann, wie er verlorengegangenes wieder erlernen kann. Ich lernte auch, dass ein Pflegeteam am gleichen Strang ziehen muss. Nur so kann man Erfolge ernten. Ich dachte, wenn ich in der Altenpflege eine leitende Funktion inne hätte, könnte ich meine Vorstellungen schrittweise verwirklichen. Darum stand für  mich fest, dass ich mich in der Pflege weiterbilden wollte. Sobald sich die Gelegenheit ergab, belegte ich einen Praxisanleiterkurs. Anschließend absolvierte ich berufsbegleitend die Weiterbildung zur verantwortlichen Pflegefachkraft.

Nun merkte ich, dass ich in der leitenden Funktion noch weniger Einfluss auf den Pflegealltag habe als vorher. Immer wieder musste  ich feststellen, dass individuelle Pflege leider im Alltag nicht möglich ist, man ist langsamer bei der Arbeit als andere Pflegekräfte,  man verschafft den Kollegen nur noch Mehrarbeit.

Doch nun zum eigentlichen Problem:

Ich habe mir intensiv überlegt ob ich dieses Brief absende. Mir ist bewusst, dass ich in meinem Umkreis keine Arbeitstelle mehr finden werde. Aber so weiterarbeiten kann ich nicht mehr.

Durch die zunehmende Überalterung unserer Gesellschaft ist Altenpflege zum lukrativen Geschäft geworden. Ich bin miteingebunden in die Maschinerie Altenpflege und habe keine Möglichkeit, daran etwas zu ändern.

Es macht mich kaputt; von Kollegen gemieden zu werden, wenn ich versuche das Bestmögliche aus vorhandenen Mitteln zu machen, um den alten Menschen einigermaßen gerecht zu werden.

Mir ist Angst davor, selbst einmal in die Lage zu kommen in einer Einrichtung untergebracht, auf die Willkür der Anderen angewiesen zu sein.

Alle sagen mir, dass ich gegen die Missstände im Heim nichts tun kann, wir sind keine Weltverbesserer, heißt es.

Ich kann aber nicht von der Arbeit nach Hause gehen und die Freizeit genießen. Das Elend im Heim verfolgt mich. Ich kann nicht mehr schlafen, habe ständig ein schlechtes Gewissen.

Ich habe in meiner Arbeit versucht, zumindest Kleinigkeiten, wie sie mir eben möglich waren, so zu verrichten, dass ich den Bewohnern noch in die Augen sehen konnte und mit einem einigermaßen „guten Gefühl“ meinen Arbeitsplatz verlassen kann. Natürlich waren meine Kolleginnen über mein Engagement nicht erfreut. Durch das knapp bemessene Personal ist für solche „Sperenzchen“, wie ich sie vorhatte, keine Zeit.

Das Resultat, ich wurde unbeliebt Ich war einem Teil meiner Kollegen und besonders meiner Vorgesetzten, der PDL, ein Dorn im Auge.

Als ich vor einem Jahr im Seniorenheim E. meinen Dienst antrat, war ich voller Freude. Ich war zu der Zeit in einer Weiterbildung zur verantwortlichen Pflegefachkraft und bewarb mich in E. um eine Stelle, meiner Qualifikation entsprechend.

Ich bekam einen Termin zum Vorstellungsgespräch, erzählte von meinen Vorstellungen in der Altenarbeit, meiner aktivierenden Arbeit, von einer sinnvollen Tagesstrukturierung, vom Erhalten der vorhandenen Ressourcen und vielem mehr. Dem Heimleiter gefielen meine Schilderungen, er zeigte mir das Haus, stellte mir das Modell Hausgemeinschaft vor und sagte mir die Stelle als Stationsleitung und stellvertretende Pflegedienstleitung zu.

Er gab mir den Auftrag, mich um die Pflegeplanungen und die Dokumentation kümmern. In dem Bereich hätten sie noch Probleme und dies sei auch schon vom MDK beanstandet worden.

Ich habe mich sehr gefreut, dachte mir nun endlich eine Arbeitstelle gefunden zu haben, die nicht nur eine relativ gute bauliche Struktur bietet, sondern auch einen Chef, der mir ermöglicht meine und wie es mir schien auch seine Vorstellungen in die Tat umzusetzen.

Als ich am 01.04.2003 meine Arbeit begann war ich schockiert, weil so viele Bewohner in den Betten lagen. Als ich mich erkundigte, sagte meine Kollegin, die liegen schon immer im Bett, die wollen gar nicht raus. Es fiel mir auf, dass nur ein alter Pflegestuhl zur Mobilisation vorhanden war. Ich sprach den Heimleiter auf die fehlenden Hilfsmittel an. Er wolle sich darum kümmern. Bis heute sind noch keine Pflegestühle besorgt worden.

Ich begann mit der Mobilisation. Es war nicht einfach den passenden Bewohner auszuwählen, bei dem ich beginnen sollte.Bei Fr. M. erschien es mir dringend, sie aus dem Bett zu holen. Wenn ich sie fragte, ob sie aufstehen will, legte sie mit der Hand die Bettdecke ein Stück zurück. Ich fuhr sie raus auf den Gang, suchte einen Platz zwischen Tischgruppe und großem Terrassenfenster, damit sie in Gesellschaft war und die Wärme der Frühlingssonne spüren konnte. Ihre Angehörigen freuten sich sehr, dass sie nun Gelegenheit hatten, ihre Mutter ein bisschen umher zu fahren.

Nach ein paar Tagen, wir hatten Stationsleiterbesprechung, sprach mich zornig meine Pflegedienstleitung an: „Was fällt dir ein, eine Frau, die so „greislich“ ausschaut und die Zunge zeitweise rausstreckt auf den Gang zu fahren, was sollen sich da die Leute denken, die in unserer Haus kommen!“

Als ich von meiner Absicht erzählte, Fr. M. Gelegenheit zu geben sich wieder in Gesellschaft aufzuhalten, dass ich ihr ermöglichen möchte, ihre Sinne wieder zu beanspruchen, dass sie nicht immer alleine ist, dass sie was hört und sieht, dass sich eben um sie rum was rührt, wurde ich von der PDL abgewürgt, ich könne ja die Fr. M. im Zimmer ans Fenster stellen, wenn ich schon unbedingt meine, aber mobilisieren könne man auch im Bett, „dann hebe halt ihre Arme ein paar mal hoch“.

Zu einer Frau, deren Kontrakturen in den Beinen sich immer mehr verschlimmern, habe ich immer wieder gesagt „wenn wir zu dritt in der Schicht sind dann hole ich Sie raus, das verspreche ich Ihnen“. Zweimal konnte ich sie aus dem Bett in den Rollstuhl setzen. Ich fuhr sie in die Wohnküche, in der sie sich früher auch aufgehalten hatte. Ihre Augen strahlten, als sie von den anderen Bewohnern begrüßt wurde, sie hatten die Frau schon lange nicht mehr gesehen. Leider war mir nicht jede Kollegin bei meinem Vorhaben behilflich, und die Personalbesetzung war so knapp, dass ich keine Gelegenheit mehr hatte, dies zu wiederholen. Somit wird sie wohl den Rest ihres Lebens im Zimmer verbringen und darf alle drei Stunden eine andere weiße Wand im Zimmer anstarren. Jedes Mal wenn ich der Frau in die Augen schaue, habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich nicht in der Lage bin, mein Versprechen zu halten. Sie ist unter Tags alleine im Zimmer, die einzige Abwechslung die sie hat, ist wenn eine Schwester eine pflegerische Tätigkeit bei ihr ausführt. Ein Radio, das ich im Zimmer aufgestellt hatte, wurde wieder entfernt

Meine PDL verlangte von mir, dass ich im Dienstplan die Spätschicht mit einer Pflegekraft und einem ZDL besetzen solle. Ich sagte der PDL, „das dürfen wir nicht machen, eine sichere Pflege und Versorgung ist dabei nicht gewährleistet“. Daraufhin teilte sie meinen Kolleginnen auf der Station mit, dass ich den ZDL abgelehnt hätte. Man kann sich vorstellen wie meine Kollegen darauf reagiert haben, sind wir doch um jede hilfreiche Hand dankbar. Genauso wurde mir von der PDL aufgetragen, dass ich ohne Weiteres Helferinnen alleine in einer Schicht einteilen solle. „Unsere Helferinnen sind sehr gut, die können alleine arbeiten, unsere Helferinnen sind nicht nur Arschabwischerinnen“ ‚ sagte sie.

Helferinnen erledigen im Haus die gleichen Aufgaben wie Fachkräfte.

Bei der Hilfskraft, die stundenweise eingestellt ist; wird eine Ausnahme gemacht, sie und der ZDL dürfen ihre geleistete Arbeit in der Dokumentation nicht abzeichnen, die Pflegekraft in der Schicht muss für die beiden ihr Handzeichen in der Dokumentation hinterlegen. Teilweise wird in der Dokumentation nach ein paar Tagen abgezeichnet, weil dem Personal dafür keine Zeit bleibt Sie müssten diese Arbeit nach Dienstschluss machen, Überstunden werden bei uns im Haus nicht geschrieben.

Es ist kaum möglich den Dienstplan abzudecken, wir arbeiten meistens in der Mindestbesetzung. Jeder Mitarbeiter kann am PC ins Dienstplanprogramm, und mir ist irgendwann aufgefallen, dass Mitarbeiter meiner Station im Plan rumgebastelt haben. Als die Schichtbesetzung nicht in Ordnung war, wurde mir der Vorwurf der Unfähigkeit gemacht. Als ich daraufhin das Dienstplanprogramm durch ein Passwort sperrte, wurde mir dies ausdrücklich durch die PDL untersagt, obwohl ich Ihr und meiner Vertretung das Passwort nennen wollte.

Bei Krankheit müssen Kollegen von ihren freien Tagen oder auch schon mal vom Urlaub geholt werden. Um den Dienstplan abzudecken, blieb mir nichts anderes übrig als öfter drei, gelegentlich auch fünf Wochenenden hintereinander zu arbeiten. Ebenso konnte ich nicht vermeiden, mich 21 Tage nacheinander zum Dienst einzuteilen.

Ist der Frühdienst mit nur 2 Pflegekräften besetzt, muss der Nachdienst so ab ca. 4.30 / 5.30 mit dem Waschen beginnen, sonst ist die Arbeit im Frühdienst nicht zu schaffen.Die Unzufriedenheit beim Pflegepersonal ist sehr groß.

Die hilfsbedürftigen Menschen müssen ihr Frühstück, teilweise auch die anderen Mahlzeiten in der nassen, mit Stuhlgang vollen Windel einnehmen.

Mir verschlug es die Sprache, als ich mitbekam, dass Kolleginnen eine Frau auf dem WC-Stuhl an den Tisch setzten und das Frühstück hinstellten, eine Bewohnerin wurde auf dem WC - Stuhl zu ihrer Mitbewohnerin an den Tisch gesetzt, um Stuhlgang zu machen.

Wenn Bewohner sagen, dass sie zur Toilette müssen, wurde es teilweise überhört, oder man hörte auch sagen, „wir haben jetzt Pause, wir haben keine Zeit“ oder „sie haben ja sowieso eine Windel an.“

Als ich unter dem Essenausteilen der dringenden Bitte einer Bewohnerin nachkam, sie zur Toilette brachte und mir anschließend die Hände wusch, korrigierte mich die PDL‚ ich dürfe während des Essenausteilens keine Toilettengänge erledigen. Die Bewohnerin konnte aber nicht mehr warten!

In dem Haus werden zwei Größen von Windelhosen verwendet und eine mittelgroße Einlage. Jeden Monat gehen die Einlagen aus, somit müssen Menschen, die mit einer Einlage versorgt werden, solange bis die neue Lieferung eintrifft, Windelhosen anlegen. Nicht selten werden an den letzten Tage vor der „Windellieferung“ alle Bewohner; die eine Inkontinenzversorgung brauchen mit der größten Windelhose versorgt, weil die kleinen auch ausgegangen sind.

Das Esseneingeben erfolgt bei einigen Mitarbeitern in Rekordzeit, zum Teil wird gesagt, „die hat keinen Hunger, die macht den Mund nicht auf“. Es gibt Kolleginnen, die es innerhalb von ca. 15-20 Minuten gleichzeitig schaffen 12 Bewohnern das Essen zu servieren, die Bewohner zum Essen vorzubereiten, drei Bewohnern Essen einzugeben, anderen Hilfestellung zu geben und das Geschirr wieder einzusammeln.

Eine Angehörige sagt, „meiner Mutter wird das Essen reingehauen“.

Oft sind Reste vom Abendessen (Brei) am Morgen noch im Gesicht der Bewohner.

Meine Anregung sich vor allem bei Bewohnern, die passierte Kost bekommen, darüber Gedanken zu machen, welche Speisen noch geeignet sind, vielleicht auch einmal einen Knödel zu bestellen, stieß auf völliges Unverständnis. Ein kleingeschnittener Knödel mit Soße schmeckt nun mal anders, als täglich Kartoffelbrei und es hebt die Lebensqualität.

Der Kaffee wird im großen Behälter schon mit Milch vermischt auf die Station geliefert. Jede Tasse wurde vom Pflegepersonal grundsätzlich mit dem flüssigen Süßstoff aus einer großen Flasche gesüßt. Ich habe mich bei meinen Kolleginnen erkundigt, ob sie wüssten wie süß oder nicht süß der Kaffee dann sei, und ob sie den Kaffee selbst auch so trinken würden, und warum Bewohner, die nicht an Diabetes leiden, Süßstoff bekommen. Alle Mitarbeiter meiner Station haben mir gesagt, dass sie den Kaffee so nicht trinken würde. Trotzdem stieß ich auf großen Widerstand bei den Kolleginnen, als ich den flüssigen Süßstoff auf Station abschaffte.

Ich erlebte, dass bei einer Bewohnerin, die nur noch im Bett liegt, der Schrank zum größten Teil ausgeräumt wurde. Kleidung und Schuhe wurden anderen Bewohnern gegeben. Als ich schockiert darauf reagierte, hieß es „das haben wir schon immer so gemacht, die braucht ja nichts mehr zum Anziehen.“ Als ich mich bei der Tochter der Bewohnerin für das Verhalten meiner Kollegen entschuldigte, sagte sie mir, dass sie darüber entsetzt sei.

Eine Tochter fragte mich einmal, „wer hat meine Mutter so zugerichtet, wer hat ihr die Haare geschnitten, das sieht furchtbar aus, wie kann man so etwas machen“ Die Friseurin, die in unserem Haus die Haare der Bewohnerinnen schneidet, arbeitet im Geschäft der Schwester einer Kollegin, die wiederum die Freundin der PDL ist. Somit ist sie nicht austauschbar.

In diesem Haus werden alle Bewohner, außer ehemalige Geschäftsfrauen oder wenn deren Männer früher im Dorf Ansehen genossen haben, geduzt und zwar von allen, Angefangen von der PDL bis zur Praktikantin.

Als ich dem Heimleiter wieder einmal den Personalnotstand schilderte und ihm sagte, dass es nicht möglich ist, auf die Wunsche der Bewohner so einzugehen wie ich möchte, sagte er mir: „die Bewohner, die sich beschweren, bekommen bei uns im alles!“ Als ich daraufhin fragte was mit den anderen sei, erwiderte er: „die lassen Sie liegen! Wenn Sie das nicht können, sind Sie bei uns am falschen Platz“. Ich war erschüttert, kaufte mir ab sofort die Süddeutsche Zeitung und ackerte die Stellenangebote durch.

Ich wies meinen Heimleiter mehrmals darauf hin, dass ich auf Station mehr Personal bräuchte, dass eine ausreichende Pflege, die sich an den Bedürfnissen der Bewohner orientiert, nicht gewährleistet sei. Ebenso sagte ich ihm, dass mir keine Zeit bleibe, Pflegeplanungen zu bearbeiten und die Dokumentation zu kontrollieren, worauf er die Schultern zuckte und sagte „zur Kenntnis genommen“.

Eine Kollegin erzählte mir, dass bei der letzten angemeldeten Kontrolle durch Heimaufsicht und MDK, das gesamte Personal zum Dienst verpflichtet wurde.

Es ist keine Zeit sich zu einer Sterbenden ans Bett zu setzten, nur die notwendige Versorgung erfolgt.

Ich spürte mit der Zeit immer stärker, dass sich Kolleginnen gegen mich stellten, besonders die PDL, sie wurde mir gegenüber oft laut, kritisierte mich ständig öffentlich, verbot mir vor anderen den Mund, gab mir unsinnige Aufgaben. Ich musste zum Beispiel den laufenden Dienstplan mehrmals ändern, so dass er zum Schluss dem ersten Dienstplan wieder entsprach.

Ich möchte nicht, dass es so weitergeht.

Ich weiß mir nicht mehr zu helfen, darum wende ich mich an Sie, Sie sind meine letzte Hoffnung.

Theresa U.                                   den, 14.04.2004

 

Anmerkung AvS: Auch dieser Brief zeigt  ganz typische Erscheinungsbilder auf, die sich auch in anderen Berichten mit anderen Worten finden. Beklagt wird mindestens in jedem zweiten Bericht, dass es  die eigenen KollegInnen sind, die Verbesserungsbemühungen im Keim ersticken. Darunter häufig  ungelernte Helferinnen die lange schon in der Einrichtung arbeiten, viele Fachkräfte haben kommen und gehen sehen und sich einen Sklaventreiber ähnlichen Stand erarbeitet haben. Sie sind die Herrscher, die Bewohner die Untergebenen  und wer das anders sieht, passt nicht in dieses Haus. Man findet solche machtvollen Hilfskräfte vornehmlich jedoch nur in Häusern  mit unfähigen Führungskräften. In diesen Einrichtungen kann man eine positive Entwicklung weder durch Seminare noch durch Supervision erreichen, sondern nur durch konsequente Umbesetzung der Führungskräfte, sowie durch Entlassung jener  MitarbeiterInnen, die nicht bereit und in der Lage sind, ihre Arbeit in den Dienst hilfebedürftiger Menschen zu stellen. Viele haben sich eine so schlimme Art angewöhnt, das ihnen gar nicht mehr in den Sinn käme, einen Kranken nach seinen Sorgen oder Wünschen zu fragen. Jahrelange Therapie oder persönlich Tiefschläge wären erforderlich, um in diesen Fällen ein Unrechtsbewusstsein vielleicht wieder zu reaktivieren. Bei allem Mangel, der im Pflegeberuf herrscht, wenn wir nicht auch in den eigenen Reihen aufräumen, wenn man den Dickfälligen, Unsensiblen das Feld überlässt, wird sich die Lage weiterhin zuspitzen. Im nachfolgenden Beispiel wird dies noch deutlicher. 

3. Es muss eine Instanz gegen, die Heimbetreiber dieser Art  in die Wüste schickt. Pflegekräfte die sich für menschenwürdige Umgangsformen einsetzen - benötigen hingegen speziellen Kündigungsschutz. 

10.10.2005    Sehr geehrter Herr Fussek
wie mit Ihnen besprochen  möchte ich Ihnen die Zustände an meinem Arbeitsplatz  mitteilen. Es  ist   noch sehr emotional ‚weil ich noch nicht damit fertig bin ‚was mir da geschehen ist, ich hoffe Sie behandeln es so, dass mir keine weiteren Schwierigkeiten entstehen, denn durch das Zeugnis, das auch nicht in Ordnung ist, habe ich überhaupt Schwierigkeiten einen Arbeitsplatz im Alter von 55 Jahren zu bekommen. Es wäre schön, wenn Sie eine Abschrift von Ihrem Artikel, den Sie veröffentlichen, mir schicken würden. Es geht mir auch darum, dass auch mit Mitarbeitern die sich für Menschenwürde einsetzten  nicht so umgegangen werden darf und das viele den Mut finden, den Weg zu gehen, den wir gehen müssen in diesem Beruf. 


In diesem privat geführten Seniorenheim mit 30 Bewohnern bestand ein Dienst  aus einer examinierten Schwester und 3 Hilfsschwestem. Wir als examinierte Fachkräfte hatten nur die Verantwortung, für Notfälle, ansonsten war keine Struktur vorhanden und die Hilfsschwestern durften alles machen, da gab es keine Unterscheidungen von Fachkompetenzen, die wurde ständig untergraben von der Besitzerin, die auch die Heimleitung hatte, mit ihrem Ehemann, der sehr von meiner Arbeit und was ich Zustande gebracht habe Überzeugt war. Insbesondere wurde die fachliche Einstellung der examinierten Kräfte untergraben von zwei Hilfskräften, die keinerlei Ahnung hatten von Menschenführung, Pflege und Umgang mit
Demenzkranken, somit ihre ganzen Aggressionen an den alten Menschen ausgelassen haben ‚Achtung ‚Wertschätzung und Würde für die Alten Menschen gab es nicht ‚alle lebendigen Zweige die die Bewohner noch hatten wurden beschnitten ‚es ging nur um sie selbst ‚ständig wurde auf die Bewohner verbal eingedroschen und ihnen vermittelt ‚dass sie keine Chance haben eigenständig zu leben und eine eigene Meinung zu haben. Die Heimleitung stand oft dabei und hat nur gegrinst. Sie glaubte auf solche Weise schaffe sie Atmosphäre, wenn sie schweigt, ist Frieden und die Bewohner haben es aus zu halten. Bewohner waren diesen ausgeliefert. Ich konnte es nicht mit ansehen und hab mich vor die alten Menschen gestellt, um sie zu beschützen  - das ist mir zum Verhängnis geworden.  Ich konnte zwar Ordnung in diese Zustände bringen, musste dann durch Intrigen und Mobbing‚ die die Heimleitung selbst betrieben hat den Betrieb verlassen, es wurde einfach der Spieß herum gedreht, ich war Unruhestifter.

Was ich geschafft hatte war, endlich haben sich Bewohner getraut zu sagen wenn es Ihnen nicht gut ging. Selbst das durften sie nicht mehr ausdrücken, sie waren fast alle sehr traurig und depressiv.  Kein Wunder, keine Minute durften sie selbst bestimmen, alle  Ressourcen wurden ihnen genommen, die Bewohner waren fürs Personal da ‚nicht umgekehrt. Selbst beim Essen war es so, fürs Personal gab es Frühstücksbüffet und für die Bewohner war nur der Rest da. Schon am Morgen wurde bei Arbeitsbeginn  ewig Cafe getrunken.  Was an Zeit durch den Drasch verloren gegangen war, wurde durch schnelle Abfertigung der Bewohner wieder nachgeholt, danach Cafepause, wieder über die Zeit hinaus natürlich.  Von Demenzkranken hatten sie keine Ahnung,  eine Bewohnerin die  keine Kontrolle über ihren Stuhlgang hatte   wurde  schon am frühen Morgen beschimpft, von einer Hilfskraft, sie stinke und außerdem habe sie die Toilette verschmiert, und das musste die Frau eine Woche jeden Morgen schon vor dem Frühstück, im Beisein von andern Kollegen und Heimleitung, die nur dazu grinste, anhören. Anstatt sich um sie zu kümmern, wurde sie nur beschimpft. Wie hilflos war diese Frau und welchen Schmerz hat sie oft über sich ergehen lassen. Ich habe die Erfahrung gemacht wenn man  gut für die Demenzkranken  sorgt und auf sie eingeht‚sind sie ganz gut klar. Ebenso wurden die Bewohner beschimpft ‚wenn sie sich getraut haben ihr Wasser ein zu fordern ‚das ja für sie wichtig war.  Von den beiden Hilfskräften sind sie  immer nur angeschrieen worden, dass sie Kreide weis wurden.  Als ich mich dazwischenstellte  hat eine  Hilfskraft  mich so hart angegriffen, dass ich  Nasenbluten bekam und eine Woche lang Kopfweh hatte. Geändert hat  sich nichts nachdem ich dieses Geschehnis der  Heimleitung gemeldet  hatte -  nur ein Grinsen gab es. Wie oft wurden schwere verbalen Angriffe im Speisesaal ausgetragen. Für die  Hilfskräfte war es nur wichtig den Bewohnern zu demonstrieren, welche Macht sie über alle hatten. Einer Bewohnerin ging es sehr schlecht, sie wollte auf keinen Fall im Speisesaal essen‚war einfach damit überfordert‚aber das zählte nicht in diesem Hause. Ich habe sie in ihrem Zimmer mit einer Praktikantin essen lassen‚woraufhin die eine Hilfsschwester diese Bewohnerin aus dem Zimmer gezerrt hat und sie über den Gang in den Speisesaal geschleift hat ‚ mit aller Gewalt‚obwohl sie sich gewehrt hat, so gut sie noch konnte,  worauf sich die Hilfskraft  triumphierend  mir gegenüber aufgespielt hat‚wie einen Siegerin kam sie sich vor. Hauptsache war einfach, die Macht über die Bewohner zu haben, alles andere war nicht wichtig. Das mitteilen an die Heimleitung hatte wieder  nichts gebracht.  Sie sah mich nur als Unruhestifter, ihr war es egal  wie mit den Bewohner umgegangen wurde, sie entschuldigte sich mit der Bemerkung,  in anderen Häusern ging es noch schlimmer zu. Obwohl sie mir einmal gesagt hatte, dass die Atmosphäre sehr schlimm sei und ich ihr geraten habe, sich um eine Supervision zu kümmern.  Beispiel:  Wenn  es Essen im Speisesaal gab  und alle Bewohner am Tisch saßen, kam die Hilfsschwester  mit dem Essenswagen herein und präsentierte sich:     "Ich kanns euch gleich sagen, heute
gibt es wieder einen Fraß", die Heimleitung daneben ‚ hat gegrinst dazu. 

Mittags wurden dann die Bewohner ins Bett gelegt ohne sie frisch zu machen. Wie oft ist vorgekommen, dass der Spätdienst kam und das Bett hat nur so getrieft. Es waren immer die gleichen Hilfskräfte die es darauf ankommen ließen. Von der Heimleitung aus ist nichts passiert. Nachmittags wurden die Bewohner von einer Hilfskraft sehr spät aus dem Bett geholt und am letzten Tag den  ich im Haus war, als diese Intrigen wieder mal fortgesetzt wurde, habe ich als leitende examinierte Kraft  bestimmt, dass die Bewohner, nach dem es schon wieder fast auf 16 Uhr zu ging und die Bewohner ja schon wieder um 18 Uhr ins Bett gebracht werden, endlich aus dem Bett zu holen.  Die Hilfskraft hatte mal wieder diese Anordnung verweigert. Als ich jedoch darauf bestanden habe, sie solle  die Bewohner endlich aus dem Bett  holen, ging sie zur Heimleitung.  Daraufhin hat die  Heimleitung mich daran erinnert, dass ich schon eine  Abmahnung hätte.  So ist es die ganzen 9 Monate die ich dort war gelaufen. Eine eigene Entscheidung zu Gunsten der Bewohner durfte von mir selbst als dienstleitende Schwester nicht geschehen ‚da kam die Heimleitung dazwischen, nur in den 2 Wochen als ich die Besitzerin vertreten habe, ging der Ablauf reibungslos mit guter Atmosphäre, so dass mir auch von Kollegen bestätigt wurde, dass diese Zeit gut war.  Doch das änderte sich schlagartig, als die Heimleitung wieder kam. Sofort wurden auch von den Kollegen, aber vor allem von den Hilfskräften,  wieder  Intrigen gegen mich geschmiedet.   Ihr Mann, der mit meiner Urlaubsvertretung sehr zufrieden war, konnte sich nicht durchsetzen, wenn er mich gelobt hat, hat seine Frau  mich dafür um so mehr schlecht gemacht. Ich war so niedergeschmettert ‚dass ich mich krank gemeldet habe ‚worauf sie gesagt hat ‚ sie lässt sich nicht erpressen. 

Sie wollte mich mit allen Mitteln aus dem Haus haben, zuerst mit einer Kündigung auf beiden Seiten ‚da habe ich nicht eingewilligt ‚worauf Sie mir dann gekündigt hat. Leider bin ich nicht gerichtlich vorgegangen, ich hatte leider keine Kraft mehr. Im nachhinein bereue ich es sehr, denn sie hatte auch Angst, ich könnte es der Heimaufsichtbehörde melden, wobei ich es heute sofort machen würde, diese schwarzen Schafe die sich über das Leid der Menschen ein  Vermögen verdienen, wie kann sich da was ändern?


Ich hatte viel Kraft gebraucht in den 9 Monaten und wollte einfach nicht glauben, dass es in diesem Hause, gar nicht um das Wohl der Bewohner ging ‚sondern nur um private Interessen, nur um Geld und Machtgehabe. Wenn man bedenkt, was diese Generation Schweres durchgemacht hat, mit Weltkriegen und danach. Diese Menschen sollen sich nun in so einem Heim von der Welt verabschieden?  Wer da lebt, muss  sich ja vorkommen wie im Gruselkabinett, kann keinen Frieden finden und hat keinen schönen Übergang  in eine andere Welt.  Denn auch für Strebebegleitung hatte die Heimleitung nur ein überhebliches Grinsen übrig, "Die Bewohner Sterben auch so", war ihre Einstellung.
Darf ich als verantwortungsvoller Mensch einfach die Augen zu machen und so tun als ob alles in Ordnung ist. Auf diese Weise habe ich noch nie mein Geld verdient und habe es auch nicht vor. Auf solch eine  niedere  Ebene will ich mich nicht herunter ziehen zu lassen, darum bin ich jetzt entschlossen aus dem Pflegeberuf ganz aus zu steigen. Leider,  es gibt keine andere Wahl ‚wenn keine Werte gefragt sind, mich so verheizen zu lassen, dass sich die Besitzer ein schönes Leben machen und ich nichts für die Bewohner tun kann. 
Keine der Kolleginnen ist für  mich eingestanden, obwohl sie  mitbekommen haben was abläuft. Jeder hatte Angst vor dem Rausschmiss, denn ich war ja die Fünfte, der es so erging, das hatte ich später erfahren.
Angehörige trauen sich nicht, weil sie Angst haben ihre Angehörigen müssen es büßen. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter waren froh wenn ich da war, weil ich den Zuständen Widerstand bot, denn sie kamen auch in Not, weil sie ja spürten welchen Kräften die schutzlosen Bewohner ausgeliefert waren, und doch haben sie dann geschwiegen - Das ist doch eine Abhängigkeit nach der anderen.  Was ich auch nicht verstehe, in   jedem anderen Dienstleistungsbetrieb, wären solche Mitarbeiter keinen Tag beschäftigt worden, das würde sich keiner der zahlenden Kunden gefallen lassen und auch kein Arbeitgeber, denn er hätte das Haus leer. Warum also lässt man zu, das derartiges in Altenheimen passieren kann und darf?   Den hilflosen alten Menschen wird das einfach zu gemutet und sie bezahlen dafür auch noch eine Menge Geld. 

Kommentar AvS:  Es ist wirklich kaum zu glauben, dass solchen Meldungen keine Beachtung geschenkt wird, während die Bilder von den gedemütigten und der Willkür ihrer Aufseher ausgesetzten  Gefangenen im Irak wochenlang durch die Presse gingen. Bis heute sind die Bewohner des besagten Heimes den beschriebenen Kräften ausgeliefert.  Der Heimaufsicht,  wenn diese denn zur Kontrolle kommt, können  Heimleitung  und Mitarbeiter  leicht  eine heile Welt vorspielen, zumal wenn man weiß, wer wann kommt. Man kennt sich und pflegt eine gute Beziehung zu diesen Personen.   Solche Zustände werden auch dem MDK nicht präsentiert wenn dieser zur Visite kommt, die Tage vorher angekündigt wird.  Ohne erdrückendes Beweismaterial,  fühlt ich  kein Staatsanwalt berechtigt einzuschreiten. Bei jedem anderen Delikt nimmt man Augenzeugenberichte ernst, doch in solchen Fällen glaubt man einer Pflegekraft nicht einmal wenn sie, wie hier, seitenlang beschreibt was geschieht.  Den alten Menschen, zumal wenn sie dement sind und einen Betreuer haben, muss man nicht glauben. Gesetzliche Betreuer, sofern es keine besorgten Angehörigen sind, regeln das meiste am Telefon und lassen sich nur zwei- dreimal im Jahr bei dem ihrer Fürsorge überantworteten alten Menschen  blicken.  Und nicht zuletzt die Ärzte.  Auch sie schauen weg und kümmern sich nicht.  Wenn ein Kind in der Ambulanz auftaucht mit blauen Flecken und Verhaltensauffälligkeiten  wird inzwischen reagiert.  Nicht so bei  misshandelten, verhungernden, verängstigten  Altenheimbewohnern, bei denen  gelten diese Fürsorgerechte offenbar nicht.   


 

(zwei Fachfrauen berichten)

Nach mehr als 25-jähriger Erfahrung und Tätigkeit in der Krankenpflege, ausgestattet mit der Weiterbildung zur Fachpflegekraft des mittleren Managements haben wir uns voller Hoffnung und Motivation in einem Alten- und Pflegeheim in unserer Nähe, welches den besten RUF hatte, beworben.

Helle, freundliche Flure, sehr wohnlich und menschlich ausgestattet.

Große Zimmer, mit einer großzügigen Nasszelle.

Optimale Arbeitsbedingungen.

Super!

Im Vorstellungsgespräch die Zusage, als Bereichsleitung die Kompetenz zu haben, den Ablauf, die Pflege und das äußere Bild des Pflegebereiches zu gestalten.

Doch wie sah die Realität aus?

Die Bewohner wurden einem (seit Jahren üblichen) Ablauf unterworfen!!!

o        morgendliche Grundpflege der Bewohner wie am Fließband, Bedürfnisse wie z.B. "ich möchte heute noch ein wenig liegen bleiben" wurden mit Antworten wie "das geht hier nicht; wir haben unseren Plan" ignoriert

   = ENTMÜNDIGUNG

o        ein Bewohner mit regem Bewegungsdrang wurde gezwungen, mit geringer körperlicher aber großer kommunikativer Gewalt, im Aufenthaltsraum sitzen zu bleiben!(wegen geringer Personalstärke 1 Fachkraft+ 1 Hilfskraft auf 28 Bewohner der Pflegestufen I-III)

   = ENTMÜNDIGUNG

o        fest fixierte Dusch- und Badepläne, die eingehalten werden mussten, unabhängig vom Willen oder  körperlichen Befinden der Bewohner. Hat man darauf Rücksicht genommen, wurde man als faul bezeichnet         

   = ENTMÜNDIGUNG (des Bewohners und der Fachpflegekraft)

o        ein hochbetagter Bewohner will sich nach dem Mittagessen hinlegen, darf er nicht! "Es ist nicht üblich". Die Fachpflegekraft, die es trotzdem tut, auf Wunsch des Bewohners, wird gemaßregelt   

    ENTMÜNDIGUNG (des Bewohners wie der Fachpflegekraft)

o        Pflegefehler (z.B. falsches endotracheales Absaugen) werden von der Fachpflegekraft erkannt und angesprochen! Folge: sie gilt als „Klugscheißer“ 

Wir könnten noch viele solcher Beispiele aufführen, die wir in 8 Wochen erlebt haben. All unsere  konstruktive Kritik wurde von den alteingesessenen Pflegekräften, nicht nur ignoriert, sondern auch bekämpft

Dies alles konnten wir mit unsrem Gewissen nicht vereinbaren.

Wir haben gekündigt.

Als Dank für unseren Einsatz, wurde uns vom Heimleiter schriftlich vorgeworfen, dass wir fachlich und menschlich in seinem Haus gescheitert sind.

Unser Fazit daraus ist:

Wenn man das bestehende verbessern will, wird man als Nestbeschmutzer angegriffen und im Nachhinein als unfähig bezeichnet.

Wenn solche Strukturen in der stationären Altenpflege üblich sind, werden die PFLEGEBEDÜRFTIGEN auch in Zukunft – VERGESENE LEBEW bleiben.

Dagegen müssen wir, die diesen Zustand ändern wollen, gemeinsam kämpfen!

Anmerkung AvS: Wie in den  vorangegangenen Beispielen so wird auch in diesem deutlich,  das äußeres Erscheinungsbild und Innenleben grundverschieden sind. Zwischen Schein und Sein liegen oft Welten. Würden Bewohner und Angehörige wissen, was sie in Wirklichkeit erwartet, würde sich freiwillig kaum jemand in Häusern wie diesem einquartieren. Im Grunde müsste man doch nur hingehen und wie im Hotelgewerbe oder in anderen Branchen kontrollieren, ob die menschlich und fachlich zugesicherte Qualität auch erbracht wird. Doch stattdessen baut man in diesem Bereich auf Selbstkontrolle der Einrichtungen bzw. auf die Kontrolle durch Personen (Heimaufsicht), die in große Interessenskonflikte geraten, wenn sie die ihrer Aufsicht überantworteten Heime  allzu negativ bewerten. Die Kontrollfunktion der Heimaufsicht ist ungefähr so harmlos, wie die eines Lehrers der während einer Klassenarbeit mit dem Rücken zur Klasse sitzt und jedes mal frühzeitig ankündigt, wenn er vorhat sich umzudrehen. Das ist lächerlich. Aber die Wohlfahrtsverbände und andere Trägerorganisationen wollen es nicht anders. Sie wollen sich vorbereiten können, nicht erwischt werden, wenn wie so oft nur zwei Mitarbeiter im Dienst sind, obschon mindestens vier da sein müssten.  Mal ganz abgesehen davon, was hier kontrolliert beziehungsweise gezielt übersehen wird.  Pflege-shv wird solange massiv polarisieren und Mängelberichte unters Volk streuen, bis politisch notwendige Konsequenzen gezogen wurden. Speziell in den Heimen brauchen wir unangemeldete Kontrollen durch unabhängige Instanzen.

 

5. Warum Pflegende sich nicht wehren  

Ich kann Ihnen bestätigen, dass leider die weitaus größte Zahl der Pflegekräfte eine im Grunde nicht zu vertretende Pflege ausübt. Wenn das nicht so wäre, würden all die Missstände, die wir jeden Tag erleben oder über die wir   hören, gar nicht existieren.

Ich habe im Lauf der Jahre immer wieder die Erfahrung gemacht, dass Pflegekräfte unzumutbare Zustände akzeptieren oder sogar selbst dafür verantwortlich sind, und viel darüber nachgedacht.

Ich denke, dass mehrere Faktoren bei einem Menschen zusammenkommen müssen, damit er täglich und über einen großen Zeitraum immer wieder die Humanität in der Pflege missachtet, wobei das Spektrum in den Fä1len, die ich erlebt habe, von Ignoranz (im Sinne von Wegsehen oder von Weigerung, sich um die Wahrheit kümmern zu wollen) über Unfreundlichkeit und Ungeduld, über Vernachlässigung bis hin zu Quälerei reicht.

Ein solches Verhalten habe ich übrigens sowohl im Krankenhaus als auch in der ambulanten Pflege beobachtet.

In Heimen habe ich bisher noch nicht gearbeitet und kenne nur zahlreiche Berichte, die aber dieselben Verhaltensmuster schildern.

Die Pflegekräfte, bei denen ein solches Verhalten auftrat, waren mit ihren persönlichen Lebensumständen sehr unzufrieden, z.B. alleinerziehende Mütter, geschiedene Männer mit einem Berg Schulden am Hals, Ausländer, insbesondere aus Osteuropa bzw. aus der Sowjetunion, die sich nicht integriert und anerkannt fühlten.

Diese Menschen hatten zum Teil große Existenzangst, d.h. Angst ihren Arbeitsplatz und ihr Einkommen zu verlieren, und waren seelisch teilweise völlig aus dem Gleichgewicht und nicht mehr in der Lage, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und Mitgefühl, Trauer o.ä. zu empfinden und Anteilnahme zu zeigen.

Ich will damit nicht entschuldigen, dass sie eine Pflege ausgeübt haben, die mit dem Wort  „pflegen“ nichts mehr zu tun hat. Denn ich habe selbst kein Verständnis dafür, andere Menschen für eigene Schwächen oder Probleme büßen zu lassen, sich an ihnen abzureagieren oder sie einfach zu übersehen.

Ich habe mich aber, wie Sie eben auch, wohl tausendmal gefragt, was Menschen dazu veranlasst, anderen Menschen Grausamkeiten zuzufügen oder solche zu tolerieren. Mit der Zeit fiel mir auf; dass wirklich eine enorm große Zahl an Pflegepersonen sich selbst so unter Druck fühlt, dass diese für andere leicht zu manipulieren sind und jeglichen Forderungen von Vorgesetzten, sei es nun minimale Pflegezeit, minimaler Materialverbrauch, maximale Leistung an Überstunden, maximaler zusätzlicher Einsatz (z.B. durch Fortbildungen, Arbeitsgruppen o.ä.) völlig hilflos gegenübersteht.

Nicht nur, dass tatsächlich eine erschreckende Kritiklosigkeit gegenüber allen Forderungen besteht, sondern vor allem die anscheinend über Jahre hinweg anerzogene Demutshaltung gegenüber den Vorgesetzten halte ich für das allergrößte Übel.

Wenn der zahlenmäßig größte Berufsstand, der im Alltag für die Gesundheit und das Leben von kranken und alten Menschen verantwortlich ist, seine Aufgabe nicht mehr wahrnimmt und das schlechte Vorbild sich durchsetzt, sehe ich im Hinblick auf die demographische Entwicklung schwarz für die Zukunft unserer Gesellschaft.

Hier ist eine Entwicklung im Gange, die man meiner Meinung nach nur durch eine gezielte Gegenbewegung aus der Pflege heraus überhaupt noch stoppen kann.

Das Wertebewusstsein an der gesamten Pflegebasis leidet unter einer ungnädigen hierarchischen Berufsstruktur sowie unter zunehmenden wirtschaftlichen Verschlechterungen, dem zunehmenden Alterungsprozess in unserer Gesellschaft und einer pessimistischen gesellschaftlichen Grundstimmung.

Ich habe festgestellt, dass kaum eine Pflegekraft den Anforderungen der Pflege eigentlich gewachsen ist.

Wer bringt in seiner täglichen Arbeit kranke und alte Menschen zum Lachen?

Wer fühlt mit?

Wer spendet ihnen Trost?

Wer kann sie für etwas interessieren und begeistern?

Wer setzt sich für sie ein?

Wer tut das jeden Tag und immer wieder aufs Neue?

Das sind die Leute, die eigentlich pflegen sollten.

Das sind die Leute, die die Gesellschaft eigentlich braucht ..

Es ist kein Kunststück, ein weinendes Kleinkind in einem Krankenzimmer einzusperren.

Der Schlüssel ist schnell rumgedreht.

Man geht seines Weges, macht im Arbeitspflegeraum sauber, schreibt seine Dokumentation

(dass man das Kind eingesperrt hat, schreibt man natürlich nicht; man schreibt: Kind weint vor Heimweh, lässt sich nicht beruhigen) und richtet die Küche für den Nachtdienst.

Vor zwanzig Jahren habe ich mich bereits als Schülerin an diesem Sonntagnachmittag im Spätdienst mit meiner Vorgesetzten darüber gestritten, dass man so nicht verfahren kann.

Ich habe einfach nicht locker gelassen und nach einer heftigen Diskussion gab sie mir den Schlüssel, so dass ich zu dem Kind, das sich mittlerweile heiser geschrien hatte, hineingehen

und es beruhigen und mit ihm spielen konnte.

In meiner Stationsbeurteilung stand später, ich sei nicht teamfähig.

Noch heute bekomme ich Tränen in die Augen, wenn ich mich an diesen Spätdienst erinnere. Gleichzeitig bin ich noch heute stolz darauf; dass ich mich schon damals der Vorgesetzten widersetzt und dem Kind geholfen habe.

Solche und andere Szenen habe ich vielfach erlebt und jedes mal nach meinen Kräften dagegen protestiert, habe teilweise auch harte Konsequenzen, z.B. mehrfach und teilweise monatelanges, extremes Mobbing in Kauf nehmen müssen.

Denn Anfeindungen ist man bei „Ungehorsam“ ständig ausgesetzt

Man wird als „Nestbeschmutzer“ beschimpft, als „teamfeindlich“, als „unkollegial“, als „Aufrührer“ u.s.w.

Ich kenne einige, die z.B. schon während ihrer Ausbildung aufgegeben haben. Teilweise haben sie gekündigt oder sie haben resigniert und sich angepasst.

Ich selbst bin an jedem Widersetzen mehr gewachsen und habe unendlich viel über mich selbst, über Menschen im Allgemeinen und über das Leben gelernt.

Es spielt keine Rolle, ob es sich um Kinder, kranke oder alte Menschen handelt, und es spielt auch keine Rolle, ob man im Krankenhaus, in der ambulanten Pflege oder in einem Heim arbeitet: die Probleme in der Pflege sind überall gleich.

Ich kann Ihnen nur wiederholt anbieten, gerne gemeinsam für Verbesserungen zu kämpfen.

Ansonsten hoffe ich, Ihnen schon ein wenig durch die gleiche Gesinnung geholfen zu haben.

 

Anmerkung AvS: Auch in Krankenhäusern und in der ambulanten Pflege ist keineswegs alles Gold was glänzt, wie der Bericht dieser Kollegin deutlich macht. Bei all ihren Gedanken und Schlussfolgerungen, scheint nach meiner Erfahrung ein Punkt besonders hervorhebenswert, die Demutshaltung, wie sie es nennt. Ich spreche stattdessen eher von Unterwürfigkeit und mangelnder Kritikfähigkeit.  Verschiedene  Gründe können gezeigt werden. Zunächst einmal die Tatsache, dass Menschen die einen Pflegeberuf wählen häufig ein bestimmtes Persönlichkeitsprofil mitbringen, also eher eine dienende als eine herrschende Haltung besitzen. Das zeigt sich u.a. im geringen Bedürfnis oder der Angst  vermeintlich Höherrangigen zu widersprechen. Die Mehrzahl der Pflegeberufler  beugt sich den Weisungen von oben, so unsinnig diese auch erscheinen. In Ausbildungskursen  kann dies bereits sehr gut beobachtet werden. Oft konnte man schon nach der ersten Woche voraussagen, welche SchülerInnen des neuen Kurses den angepassten Weg des geringsten Widerstandes wählen und welche einen schweren Stand haben werden, weil sie den Dingen auf den Grund gehen wollen oder sich weigern Anweisungen auszuführen, die sie nicht gut finden. Die Mehrzahl scheut jede Konfrontation, selbst die Kleinste,  aus Angst dieser nicht gewachsen zu sein und hinterher "mal wieder" als Verlierer dazustehen.  Zur Schulung der Kritikfähigkeit (Überwindung der Angst vor Auseinandersetzung) habe ich damals eine schriftliche und mündliche Feedback-Beurteilung eingeführt. Wir haben in der Schule gezielt  mit den SchülerInnen, bei allen sich anbietenden Konfliktsituationen, konstruktives Kritisieren geübt. Auch in den von mir geleiteten innerbetrieblichen Fortbildungen des examinierten Personals, wurden Konflikte mit Kollegen, mit Patienten, Angehörigen oder Ärzten nie stehen gelassen, mit den Worten: "Das ist schade, aber wir können nichts dran ändern." Meistens haben wir im Rollenspiel versucht den Konfliktherd zu erfassen und uns anschließend überlegt, wie man strategisch und überhaupt vorgehen müsste, um die Situation zu verbessern. Auf die Schulung von Kommunikations- und Kritikfähigkeit müssten in Aus- Fort- und Weiterbildung ein deutlich größeres Gewicht gelegt werden.

Fachwissen, kann sich im Grunde jeder anlesen.  Hier könnte man vieles Straffen und auf Wesentliches herunterkürzen. Auch in dieser Hinsicht muss sich grundlegendes ändern, müssen den Helfern die Hilfen an die Hand gegeben werden, die sie brauchen um den Alltag für sich und andere positiv zu gestalten.

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6. Gegeneinander statt Miteinander  

Sehr geehrter Herr Fussek,

ich bin selber schon soweit ein Buch über die Zustände in Altenheime schreiben zu wollen, speziell über das Heim in dem ich tätig war. Ich war selbst in der Altenpflege und es standen mir oft die Haare zu Berge. Ich liebe diesen Beruf, obwohl ich keine examinierte Kraft bin, ich war als Altenpflegehelferin eingestellt.

Um diese erschreckenden Tatsachen eine erhebliche Erleichterung geben zu können, ist in erster Linie wichtig, das Personal für ihre Aufgaben auch demnach bezahlt werden. Dass in den Führungspositionen die richtigen Leute sitzen und mit dem Personal auch zusammen arbeiten und nicht dagegen, was der Fall ist. Und das man Personal einstellt, die diesen Beruf wirklich lieben, die in der Lage sind Wärme, Zuneigung und viel Verständnis den alten Menschen entgegen bringen. Denn meine Erfahrung mit examiniertes Personal ist leider, das diese meist menschlich nicht in der Lage sind diesen Beruf auszuüben. Sie haben diesen Beruf erlernt, aber denen fehlt das Wichtige, mit Liebe den alten Menschen zu begegnen.

Ich wurde ausgeschieden, weil ich mich gegen sehr vieles unrechtes im Altenheim wehrte. Wie oft machte ich aufmerksam doch niemand wollte es erhören. Es geht seinen Weg und da lässt man sich nicht rein reden, und ganz besonders nicht von einer Helferin.

Was ich auch sehr bemängelte war, das ständig Personal ausgetauscht wurde. Die alten Menschen sich kaum an einer Person gewöhnen konnte. Darauf schien man besonders Wert gelegt zu haben das dies nicht geschieht.

Dann junge Mädels, Azubis oder soziale Jahr, die gerade mal 16 Jahre waren, mussten das gleiche leisten wie wir. Alte Menschen denen es nicht recht war musste es über sich ergehen lassen (von fremden jungen Leuten ausgezogen und gewaschen zu werden). Ebenso wie Sie schreiben mit männliches Personal, das spielte keine Rolle. Wenn die PDL sagt er muss rein, dann muss er es tun, Ende.

Menschenwürde steht nur auf dem Papier, wie es wirklich hinter den Kulissen abläuft, wissen alle die in diesen Beruf tätig sind, doch keiner sagt was. Es ist grausam und haarsträubend das alte und hilfsbedürftige Menschen dem ausgesetzt sind, es läuft alles über deren Rücken.

Sehr vieles notierte ich mir was sich in diesem Haus abspielte, und daraus will ich mein Buch fertigen. In nur ganz wenigen Worten wollte ich es Ihnen schreiben. Sie stehen auf keinen Fall allein da.

Anmerkung AvS: Diesen Bericht habe ich ebenfalls bewusst ausgewählt, weil sonst der fasche Eindruck entstehen könnte, als seien die Examinierten die Guten und die HelferInnen die Bösen. Das kann und wird wohl niemand behaupten der viele unterschiedliche Einrichtungen kennen gelernt hat. Mehrheitlich sind es nach meiner Beobachtung examinierte Kräfte, die durch ihr Abgestumpftsein und den eigenen Frust dafür sorgen, dass jeder Mitarbeiter der mehr als das übliche Routineprogramm anzubieten versucht, entfernt wird, wenn er nicht rechtzeitig von selbst geht.  An dieser Stelle muss ich kurz nochmals auf die  Qualifikation eingehen, die tatsächlich eine Gefahr birgt, empathische Fähigkeiten zu verlieren, oder wie die Pflegerin es ausdrückt, "nicht in der Lage sind, mit Liebe alten Menschen zu begegnen".   Ursprünglich vorhandene natürliche Anlagen wie gefühlsmäßige Spontanität,  einen verzweifelten Menschen in den Arm nehmen und ihn Trösten,  wurde auch mir während der Ausbildung abtrainiert. Es brauchte einige Zeit und der Zusammenarbeit mit einer Helferin, die meine Großmutter hätte sein können, bis ich diese Spontanität im Umgang mit Patienten wieder zulassen konnte. Nicht nur der Pflegepraxis, sondern mehr noch der Ausbildung fehlt es an Herzlichkeit. Wissenschaftliches Rationalisieren, kategorisieren und analysieren wird hier trainiert, mithin das Ausschalten der Gefühle im Denken und Schreiben.  Wissenschaftsformatige  Fachliteratur ist eine von jeder Emotionalität sterilisierte Kost.  Mit dieser Kost  werden vorzugsweise Pflegende an den Schulen und Hochschulen auf einen Beruf vorbereitet, der wie kaum ein anderer mit menschlichen Gefühlen konfrontiert.  Wäre da nicht ab und zu ein  Foto  mit dem leidenden Gesichtsausdruck eines Kranken, könnte man wirklich den Eindruck gewinnen, Pflege habe jedes Leiden besiegt. Gefühle, die  Psychodynamik  der Pflege, kommen in der Literatur  allenfalls auf einer abstrakt gedanklichen Ebene vor, emotional so weit weg,  als würde man von Dingen reden die mit einem selbst nichts zu tun haben. Wen wundert es da, wenn sich Patienten mit ihren Sorgen oftmals an eine Putzfrau wenden, und nicht an eine auf  Distanz trainierte Pflegekraft. Professionelle Pflege müsste stärker lernen Nähe zuzulassen und Beziehung einzugehen – also Bezugspflege im eigentlichen Sinne.  

7. "Zertifizierungswahn"

Hier im Saarland geht zur Zeit die Welle der Zertifizierungen um, ein Heim hat damit angefangen und alle anderen ziehen nach. Der Sinn dieser Zertifizierungen ist einzig und allein Marketing und Konkurrenzfähigkeit. Wobei kein Bewohner den Einzug in ein Heim davon abhängig macht, ob an der Pforte ein Schild hängt „ Dieser Betrieb ist zertifiziert nach DIN ISO sowieviel“, sondern nach der Menschlichkeit und der Zeit, die man für ihn aufbringt zur psychosozialen Betreuung. Und genau das liegt wegen der Zertifizierung und den ganzen Prozessbeschreibungen, die wir uns hochwissenschaftlich im stillen Kämmerlein zurecht zimmern, im Argen.  Ich weiß schon heute, dass wir mit Pauken und Trompeten durch diese Prüfung rasseln werden, da wir sehr viele französische Mitarbeiter haben, die bei einer Befragung den Inhalt eines beschriebenen Prozesses allein vom sprachlichen her nicht wiedergeben können. Zudem macht sich immer mehr Unmut unter den Kollegen breit, weil wir für nichts mehr richtig Zeit haben. Ich persönlich habe das Empfinden, dass unsere Bewohner zur Zeit von jedem als belästigende Nebensache gesehen werden. Ich schließe mich da nicht aus, denn auch ich merke, dass ich an meine körperlichen und mentalen Grenze stoße zur Zeit. Als stellvertretende PDL legt man auf meine Wohngruppe besonderes Augenmerk, denn bei mir muss der Laden laufen, ich bin ja ein Vorbild und muss zeigen, wie man das Unmögliche möglich macht!   Meine Einwenden werden überhört und man versucht mich so zu manipulieren , dass ich mich loyal verhalte und nach außen zu dem ganzen Schwachsinn stehe. Meine PDL kann mir auch keine vernünftigen Argumente liefern, warum wir den Zertifizierungswahn mitmachen anstatt diese Zeit, in der wir uns zu Tode dokumentieren und Prozesse entwickeln, unseren Bewohnern zu Gute kommen lassen. Der Geschäftsführer und der Hausoberer will es so, heißt es dann. Oder: Jeder macht es!

Ich müsste mich zur Zeit klonen lassen, um den gestellten und meinen persönlichen Anforderungen an mich noch andeutend gerecht zu werden. Hätte ich nicht meiner Familie eine gewisse finanzielle Verantwortung gegenüber, weil mein Gehalt voll benötigt wird, würde ich lieber heute als morgen alles hinschmeißen. Ich bin so müde, dass mein gesamtes Privatleben nur noch apathisch auf der Couch stattfindet, weil der Job mir jede Energie und Lebenslust nimmt.

Und die Aussichten sind ja auch nicht besser: So eine Zertifizierung hat wie ein Joghurt ein Verfallsdatum. Das heißt, dass wir diesen Unsinn, der in meinen Augen absolut qualitätsmindernd ist, alle 2 Jahre wiederholen. Die Vorbereitungszeit dauert 1 Jahr und länger für eine Prüfung. Wir werden also künftig nur noch schauen, dass wir alles schön wissenschaftlich betrachten, auswerten und utopische Korrelationskoeffizienten suchen, damit sich das, was getan werden sollte, gut liest. Ob dies umgesetzt werden kann oder wird, interessiert dabei keinen!  

Anmerkung AvS:  Einen Vorteil hat die Autorin dieses Briefes  übersehen:  Heimleitern, denen  die Anerkennung durch Bewohner, Angehörige und Mitarbeiter fehlt,   können  sich  doch nun wenigstens an einem  Zertifikat   erfreuen, wie der Schüler sich über ein gutes Zeugnis freut.   Und  wie steht ein Heimleiter da, der als einziger im Umkreis kein  Qualitätssiegel über der Haustüre oder auf dem Prospekt vorweisen kann?     Tatsächlich  geht der zeitaufwändige Zertifizierungsprozess  häufig  zu Lasten der viel zu knappen  Pflegezeit. Diese Qualitätsentwicklungsarbeit findet meistens nur auf dem Papier statt, bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen  kann man in zertifizierten Häusern nicht automatisch erwarten. Allerdings gibt es hier durchaus Unterschiede. Wie es gut geführte Heime mit genügend Personal und  einem warmen,  lebensfrohen Klima gibt, gibt es auch  QM  Unternehmer/Berater, die diesen Prozess so organisieren und gestalten, dass am Ende alle eine Verbesserung spüren können.    

8.  Personalberechnung  -  Wie Gewinne erwirtschaftet werden! 

Hilfe, Herr Fussek, wir können nicht mehr!!!
Guten Abend, Ihnen schreibt, bitte streng vertraulich behandeln, eine Wohnbereichsleitung aus NRW, vorerst unter einem Nicknamen.
Ich leite einen Wohnbereich mit 31 Bewohnern, Pflegestufen sind wie folgt verteilt:
Stufe 0  - 3   Bewohner/innen
Stufe 1  -17   Bewohner/innen
Stufe 2  - 8   Bewohner/innen
Stufe 3  - 3   Bewohner/innen

dazu das Personal:
3  examinierte Fachkräfte 100%
1  examinierte Fachkraft 50%
2  Pflegeassistentinnen 78%
1  Pflegeassistentin 26%.


Nach einem Gespräch mit einer Pflegeberaterin, welche von der Geschäftsführung in unser Haus geholt wurde, erfuhren wir heute, dass wir noch 2 Stellen an Mitarbeitern ZUVIEL hätten!
Die Arbeit ist so schon kaum zu schaffen, Hauptsache die Planung steht und der Leistungsnachweis ist ausgefüllt, dass wir aber die Bewohner in Rekordzeiten von nicht einmal 10 Minuten bei einer Pflegestufe 3 grundpflegen, interessiert niemanden.
Ausgefüllte Formulare und Trinkprotokolle sind wichtiger als die Zeit am und für den Bewohner selbst.
Besprechungen noch und nöcher, bei denen sowieso nichts rumkommt, was nur die Zeit für den Bewohner wegnimmt.
Mitarbeiter, welche bewusst Gewalt anwenden, indem sie die Bewohner überhaupt nicht waschen, werden ungestraft geduldet.
Pflege, welche am Wochenende mit 2 Pflegekräften für 31 Bewohner durchzuführen ist, ist definitiv gefährliche Pflege!

Ich als Leitung dieses Wohnbereiches tue mit  meinen Mitarbeitern alles, was wir können, doch nun ist das Maß voll. Wir wollen uns wehren und hoffen auf Ihre Hilfe.
Das Bestreben nach vollen Kassen darf doch nicht Grundlage der Altenpflege sein!
Herr Fussek, bitte behandeln Sie diese Mail vertraulich, wir hoffen auf Ihre Antwort.

Kommentar AvS:  An dieser Stelle sollten wir Fachleute uns einmal fragen, warum sich Pflegekräfte in solchen Notlagen an Herrn Fussek wenden und nicht etwa an den Deutschen Pflegeverband, den Deutschen Pflegerat, den DBfK oder das KDA  mit ihren vielen honorigen Fachleuten. Warum ausgerechnet an Claus Fussek, der nicht einmal eine Pflegeausbildung besitzt,  sondern Sozialpädagogik studiert hat?  Die Antwort ist leicht. Dieser Mann war in der Tat bislang der Einzige, der die Pflegesituation nicht in irgendeiner Weise nach außen hin beschönigt oder entschuldigt. Nicht eine einzige Pflegefachkraft, mich eingeschlossen, hat sich in dieser eindeutigen Form auf die Seite der von den schlechten Verhältnissen betroffenen Pflegebedürftigen, Angehörigen und  Pflegekräfte gestellt. Er ging damit an die Öffentlichkeit,  wo hingegen  die Fachöffentlichkeit bemüht ist, nach außen hin ein möglichst positives Pflegebild zu vermitteln. Selbst wenn sich verzweifelte Pflegekräfte, wie diese Wohnbereichsleiterin an einen der genannten Verbände wenden, dringen diese Meldungen nicht an die Öffentlichkeit. Hier hört und liest man vornehmlich von tollen neuen Projekten und Modellen, von neuen Expertenstandards, Forschungsergebnissen, Studiengängen, Fort- und Weiterbildungen  und davon, was sich so in den oberen Rängen der Pflegewelt abspielt.  

Zur Personalberechnung - einem Kapitel mit 7 Siegeln und komplizierten Ermittlungsverfahren, die kaum einer durchblickt. Hier  sind  dringend  Transparenz und klare Linien zu fordern. 

Da diese Wohnbereichsleiterin wichtige Eckdaten genannt hat, kann mit einer einfachen Berechnung gezeigt werden, wie viele Pflegestunden anfallen und wie viele mit dem vorhandenen Personal geleistet werden können.  Dabei lege ich den Zeitfaktor pro Pflegestufe zu Grunde, der als Richtwert für die Einstufung  gilt.  

Pflegestufe 1  =    90 Min/1,5 Stunden  (Pflegezeit pro Tag)   X 17 Bew. = 1.530 Min./ 25,5 Std.  

Pflegestufe 2  =  180 Min/ 3 Stunden                                     X   8 Bew. = 1.440 Min./ 24  Std.

Pflegestufe 3  =  300 Min./ 5 Stunden                                    X   3 Bew. =    900 Min./ 15   Std.

                                                                                                                  3.879 Min/  64,5 Std./Tag

Laut Pflegeversicherungszeiten liegt in diesem Wohnbereich ein  täglicher Pflegebedarf von 64, 5 Std. vor. 

In der Woche fallen dort  (64,5  Std. X 7 Tage )   451,5 Stunden Pflegezeitbedarf  an.

Betrachten wir nun die Personalsituation in diesem Bereich:  

3 Pflegepersonen  je 100% (40 Stunden/Woche)      =  120 Stunden 

1 Pflegeperson   50 %                                              =    20 Stunden

2 Pflegepersonen je 78 % (rund 30 Stunden/Woche) =   60 Stunden

1 Pflegeperson  26 % ( rund 10 Stunden/Woche)      =   10 Stunden 

                                                                                  2 10 Stunden  / Pflegepersonalzeit/Woche 

Das heißt, wenn alle 7 Mitarbeiter ihre volle Arbeitszeit in der Woche zur Verfügung stellen, also  niemand krank ist, keiner Urlaub hat, könnten sie nicht einmal die Hälfte des oben ermittelten Pflegezeitbedarfs abdecken.   231,5 Stunden Pflegezeitbedarf, die den Pflegebedürftigen laut Pflegeversicherung zustehen, könnten mit dieser Personalbesetzung nicht geleistet werden. Um diese leisten zu können, müssten weitere 5,8 Stellen (bei 40 Stunden Vollzeit) besetzt werden, ohne Urlaubs- und Krankheitszeiten einkalkuliert zu haben.  Insgesamt wären mindestens  11,3 Vollzeitstellen erforderlich, um die von den Pflegekassen gezahlte Pflegezeit tatsächlich  erbringen zu können.  Doch dann könnten die Einrichtungen keine Gewinne erwirtschaften, sondern lediglich mit dem Geld der Pflegeversicherung die reinen Pflegepersonalkosten abdecken. Dafür war dieses Geld  allerdings im Wesentlichen auch gedacht  und nicht zur Bereicherung der Heimbetreiber.  

 

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