Pflege-Selbsthilfeverband e.V.

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Erfahrungsberichte von begleitenden Angehörigen  (Heimpflege)

Nachfolgend  einige von vielen Beispielen, die das Spektrum der Anzeigen und Beschwerden von Angehörigen aufzeigen, die sich an den Pflege-SHV wenden 

 

Aachen 07.07.2009:  Konstruktive Bemühungen einer Angehörigen 

Köln 07.07.2009:  Das Fass ist übergelaufen!  Frau Zander-Schneider bekannt als Autorin des Buches: Sind Sie meine Tochter, sowie als Initiatorin der Alzheimer-Selbsthilfe Köln e.V., sieht sich als Tochter und Gesetzliche Betreuerin genötigt den Heimvertrag für die Mutter zu kündigen.  Den ausführlichen Bericht lesen Sie später hier. 

Darmstadt 2009: Pflegekraft bevorzugt RTL 

Oberbayern 2008:  Herr K setzt sich für seinen pflegebedürftig gewordenen Freund ein 

Hamburg 2006-heute:    Frau Hellwig  lässt sich nichts gefallen

In einem Brief an einen Klinikchef schreibt sie: "Meine Mutter hat viel für uns getan, jetzt bin ich für meine Mutter da und kämpfe für Sie, dass es Ihr auch ja gut geht. Ich bin jeden Tag im Heim oder im Krankenhaus,  jeden Tag 4 Stunden."  Und an anderer Stelle erklärt sie: Meine Mutter würde schon lange nicht mehr leben, wenn ich nicht dafür gesorgt hätte, dass  die Medikamente abgesetzt werden, mit denen man sie während eines Krankenhausaufenthaltes Ende  2006, im "St.Georg" vollgestopft hat.  Als sie dort eingewiesen wurde, die 88 jährige Frau leidet seit einem Schlaganfall in 2002  hin- und wieder an epileptischen Anfällen, war sie geistig fit, konnte selbst essen, konnte sprechen und  sich mit dem Rollstuhl selbst fortbewegen.  Die Medikation, die sie dort bekam führte dazu, dass sie bald nichts mehr konnte, nur noch schläfrig war und sich ihr Zustand dramatisch verschlechterte.  Als die  Tochter, die Betreuerin ist,  die Notbremse zog, wog die Mutter noch 38 kg, trotz vollständiger Sondenernährung.   Da der behandelnde Neurologe diese Symptome als hinnehmbar wertete und keine Veranlassung sah, die Medikamente abzusetzen, wechselte sie den Arzt.  Dieser Arzt wies die Patientin ins Albertinen Krankenhaus, wo man sofort eine Entgiftung einleitete, so dass sie  statt 15 verschiedener Medikamente nur noch 5 bekam, deren Verträglichkeit genau beobachtet wurde.  Nachdem sich ihr Zustand weitgehend wieder stabilisiert hatte,  erhielt sie Reha-Maßnahmen. Inzwischen ist sie  fast wieder auf dem Genesungsstand vor dieser Krankenhauseinweisung.  Von Demenz, die man ihr zwischenzeitlich bescheinigen wollte, nicht die Spur.   Frau H. ist entsprechend begeistert von diesem Krankenhaus und seinen Ärzten, während sie mit einem Schreiben an Krankentransportunternehmen und Notärzte, darlegt, warum die Mutter auf keinen Fall wieder in das St. Georg gebracht werden darf.  Die gesamte Korrespondenz die sie in dieser Angelegenheit führte, liegt uns vor. 

Frau Hellwig  machte nicht nur sehr unterschiedliche Erfahrungen mit den Ärzten und Krankenhäusern in ihrer Stadt, sondern fühlte sich  zum wiederholten Male genötigt, ein anderes Pflegeheim zu suchen.   Ihre Beschwerdeliste wurde lang und länger, MDK und Heimaufsicht gaben sich aufgrund ihrer Beschwerden über die Seniorenresidenz U. , die Klinke in die Hand. Doch für eine Schließung oder Entmachtung der Heimleiterin reichte es wohl nicht.  Von der neuen Einrichtung,  in der ihre Mutter seit Mai 2008 wohnt, ist sie aktuell noch begeistert:  "Stellen Sie sich vor, dort steht sogar eine Obstschale mit frischem Obst auf dem Tisch, im .....  gab es nur Eingemachtes aus der Dose. Hier können die Bewohner satt werden, dort bekamen sie nur Mini Portionen zu essen, das Gemüse und die Kartoffel waren grau und total zerkocht.  Entsprechend waren die Bewohner abgemagert und kraftlos. Aber das war der Heimleiterin ganz recht, die spekulierte darauf, dass die Bewohner eine hohe Pflegestufe bekamen, für meine Mutter hätte sie gerne die Pflegestufe 3 gehabt.  In dem neuen Heim können alle so viel essen  wie sie wollen und es ist auch immer jemand da, der denen hilft, die nicht klar kommen. "  Nachfolgend einige der schwerwiegendsten Beschwerden, deretwegen  Frau Hellwig mehrfach  sämtliche  Behörden informiert hat: 

Wer klingelt muss wenigstens 1/2 Stunde warten.  Die Türen zum Garten und Balkon sind generell verschlossen. Das eingetragene Gewicht stimmte nie in der Doku, weshalb ich darauf bestanden habe, bei den Gewichtskontrollen der Mutter dabei zu sein.  Ihr  Gebiss wurde eine zeitlang nie herausgenommen, deswegen UKE Notaufnahme, Mutter hatte den ganzen Mund voller Pickel und schwere Entzündungen mit starken Halsschmerzen und Schluckbeschwerden. Der Arzt sagte, er habe noch nie ein so verdrecktes Gebiss gesehen, ihm sei richtig übel geworden. Mutter war oft wund am Po und Hüfte, ihre Füße waren oft dick und blau und eiskalt.  Die Heimleiterin behauptete eines Tages, meine  Mutter  wolle nicht essen und schlug vor, ihr das Essen über die PEG zu geben.  Darüber hat sich meine Mutter sehr aufgeregt.  Man stelle sich vor, Frau G, von der Heimaufsicht, hat gegenüber der  Heimleiterin und dem Personal angeordnet, dass den Bewohnern regelmäßig die Fingernägel geschnitten und gesäubert werden.  Im Flur Parterre stinkt es nach Abwasser, die Toilettentür steht generell auf, nicht nur die alten Leute lassen die Tür offen, es ist auch das Personal. Die zwei Damen, die nebenan liegen, deren Zimmertür ebenfalls ständig auf seht, müssen diesen Gestank aushalten.   Eine Bewohnerin in diesem Zimmer kenne ich noch als sie herumlief wie ein Wiesel. Jetzt ist ist total weggetreten, hat beide Beine verloren.  Das kommt daher, dass alle Ärzte, wenn Personal anruft, ohne zu kommen Medikamente verschreiben.  Meine Mutter hätte in diesem Heim keine zwei Monate überlebt, wenn ich nicht jeden Tag gekommen wäre und mich für sie eingesetzt hätte.  Aber viele Bewohner bekommen überhaupt keinen Besuch. Die leben dann auch nicht lange.  Im Frühjahr gab es  eine Magen-Darmgrippe, da ist fast jeden Tag einer gestorben.  Da habe ich auch das Gesundheitsamt eingeschaltet.  Weil ich jeden Tag da war und mich gewehrt habe, kümmerte man sich um meine  Mutter mehr als um die anderen, das darf doch eigentlich nicht sein.   Das Heim ist nichts für Demente, denn diese sind nur auf sich selbst gestellt, werden angeschrien wenn sie herumlaufen oder in andere Zimmer gehen, bekomme dies jeden Tag mit.  

Nachdem Frau Hellwig  im Albertinen Krankenhaus einen Artikel über die Aktivitäten des Pflege-Selbsthilfeverbands gelesen hatte, wurde sie spontan Mitglied.  Da sie sehr kommunikativ ist, eine erfrischend  direkte Art hat Probleme anzusprechen und inzwischen weiß, wo man sich in Hamburg hinwenden kann, je nach Problem, ist sie gerne bereit Angehörigen in ähnlicher Lage  weiter zu helfen.  Wir vermitteln bei Bedarf gerne den Kontakt.  


Neuss 2008:     Der verzweifelte Kampf einer Tochter um das Betreuungsrecht und die Aufrechterhaltung natürlicher Ernährung für die  Mutter  

Kurzfassung vom Juli 2008: Dagmar hätte  ihr Studium (Mathematik und Chemie) sicher längst zum Abschluss gebracht, wäre da nicht die Belastung aufgrund der unmenschlichen Situation, in der ihre demenzkranke Mutter hineinkatapultiert wurde.  Da wegen familiärer Uneinigkeiten ein Rechtsanwalt als gesetzlicher Betreuer eingesetzt wurde, der bis vor kurzem alles nur nach Aktenlage entschieden hat und sich über die Empfindungen und Äußerungen  der Betreuungsbedürftigen, Frau S. (Lehrerin, geb. 1948)  hinwegsetzt, fühlt sich Dagmar gefordert, ihrer Mutter beizustehen.  Die Lage spitzte sich im Jahre 2007 zu, nachdem das Heimpersonal darauf drängte, Frau S ein PEG-Sonde legen zu lassen, was Dagmar unter allen Umständen verhindern wollte.  Immer wieder hat sie im Beisein von Zeugen unter Beweis gestellt,  dass die Mutter problemlos und mit gutem Appetit komplette Malzeiten verspeisen kann, wenn man sie nur richtig hinsetzt und in angemessener Form mit ihr umgeht.  Doch das interessierte weder die Pflegekräfte, noch die Ärzte, noch den Amtsrichter und erst Recht nicht den Betreuer.  Im Dezember 2007 wurde die PEG-Sonde gelegt und der Tochter verboten, der Mutter nebenher Nahrung zu verabreichen.  Daraufhin verschlechterte sich ihr Zustand rapide, sie verlor weiterhin an Gewicht, wog im Februar 2008 noch 39 kg,  musste mehrfach mit akuter Atemnot und starken Schmerzen ins Krankenhaus, infizierte sich dort zu allem Überfluss noch mit dem MRSA Erreger.   Wurde Frau S. vorher noch täglich in den Rollstuhl gesetzt, von der Tochter und anderen Bekannten spazieren gefahren, liegt sie seither nur noch im Bett.  Da sie offensichtlich starke Schmerzen hat und erbärmlich jammert sobald die Wirkung der Schmerzmittel und Sedativa nachlässt, ist sie selten richtig wach und ansprechbar.  Ich habe Frau S gemeinsam mit der Tochter dreimal besucht, um mir selbst ein Bild zu machen. Obschon ich als Krankenschwester ja schon einiges gewohnt bin, hat mich diese Situation nachhaltig  erschüttert. Bei meinem ersten Besuch traf ich Frau S. in einem  bewusstlosen Zustand an,  sie war nicht zu wecken.  Nachdem die Tochter diesen Zustand hinterfragt hatte, wurden die Medikamente reduziert, so dass die Mutter am nächsten Tag wieder ansprechbar war.  Bei meinem zweiten Krankenbesuch, wand sich Frau S jammernd und schmerzverzerrt  in ihrem Bett.  Der Oberarzt persönlich verabreichte ihr eine Schmerzspritze, die jedoch keine Besserung brachte. Erst Stunden später ist sie  völlig erschöpft eingeschlafen.   Auf unser Anraten hin, hatte Dagmar im August 2007 erneut einen Antrag beim Amtsgericht gestellt, ihr die Betreuungsrechte zu übertragen.  Auch wir haben uns an den Richter gewandt und den Sachverhalt aus unserer Sicht dargestellt, siehe mein Schreiben.  

Der  Richter lud Dagmar schließlich zu einem Gespräch,  wobei geplant war, dass Werner Schell  sie begleitet, um ihr die Angst zu nehmen und den Rücken zu stärken.  Kurz vor Gesprächsbeginn entschied der Richter jedoch, Herrn Schell vor der Tür sitzen zu lassen, stattdessen hatte er paradoxer Weise den Betreuer von Frau S.  hinzugezogen,  um dessen Ablösung es ging.   Beide nahmen Dagmar dann in die Zange, wissend, dass sie dieser Übermacht nicht gewachsen war.  Denn wenn man Dagmar in dieser Angelegenheit einen Vorwurf machen kann, dann der, dass sie nicht beherzt genug auftritt und sich viel zu schnell verunsichern  lässt.  Es war ganz offensichtlich, dass der Richter auf der Seite des Betreuers stand, der durch Dagmars Berichte  massiv in die Kritik geraten war und nun seinerseits versuchte, dem Richter verständlich zu machen, dass die Tochter das Leben der Mutter gefährde.  Ihr wurde unterstellt, der Mutter verbotenerweise Essen gegeben  und somit deren lebensbedrohliche Lage selbst herbeigeführt zu haben.  Ihr wurde unterstellt, sich aus Sterbehilfegründen gegen die PEG aufgelehnt  zu haben.  Mit derartigen Begründungen wurde Monate später der Antrag Dagmars abgelehnt.   Es ist ihr nach wie vor verboten der Mutter essen zu geben, obschon diese in wachen Momenten das Bedürfnis etwas zu Essen oder zu trinken ganz deutlich äußert.  So saugte Sie in meinem Beisein wie eine Verdurstende, den Tee aus dem Tupfer, mit dem ich ihr den Mund auswichen wollte, der total trocken und borkig war. Sie hat fast den ganzen Becher, abgestandenen, kalten Tee auf diese Weise gelehrt.  Auf einer gerontologischen Reha Station, auf die sie wenige Wochen später für kurze Zeit verlegt wurde, durfte Dagmar ihr selbstverständlich zu essen geben. Dort freute man  sich über das Engagement der Tochter und bezog diese mit ein.  Auch  wurde Frau S  täglich in den Sessel gesetzt, was ihr sichtlich gut getan hat. Aktuell befindet sie sich wieder im Pflegeheim, dort ist es der Tochter strengstens verboten, der Mutter einen Schluck zu trinken zu geben oder einen Löffel Joghurt etc..  Auch darf sie die Mutter nicht aus dem Bett holen. Sie darf sich nur zu ihr setzen und muss zusehen, wie sie leidet.   Für alle Beteiligten ist dies eine kaum erträgliche Situation.   

Rheinland-Pflalz 2008:   Was spielt sich wirklich hinter den verschlossenen  Türen dieser Einrichtungen ab? 

Hessen 2007:  Angehörige eines Wachkomapatienten erhält Hausverbot  

Rheinland-Pfalz 2007:  Zwangsernährung über PEG, Missachtung  Patientenverfügung   

 

Die nachfolgenden Berichte stammen aus den Jahren 2003 bis 2006, sie wurden uns größtenteils von Herrn Fussek zugeleitet und mit seinem Einverständnis in anonymisierter Form bekannt gegeben.  Name und Anschrift der AutorInnen sind uns bekannt.  


Mutter ist eine Zumutung für (noch) selbstständige Heimbewohner und muss auf die Pflegestation  

Seit 12 Jahren ist meine Mutter nun im o.g. Seniorenheim. Obwohl sie seit ca. 2 Jahren in Pflegestufe 2 “eingeordnet“ ist, durfte sie weiterhin im Wohnbereich in ihrem liebevoll eingerichteten Zimmer sein. Sie geht mit ihrem Stützwägelchen noch selber 3x täglich pünktlich zum Essraum, kann alleine zur Toilette gehn und versucht ihr Zimmer in Ordnung zu halten. Nur zum An= und Ausziehen zum Baden und zum Bettenmachen braucht sie Hilfe.

Trotzdem erregt sie bei einem Teil des Personals seit einiger Zeit großen Unmut: “...sie geht im Gang auf und ab und außerdem sitzt sie im Polstersessel auf dem Gang vor ihrem Zimmer“ (wörtlich zitierte Beschwerde einer “0rdnungskraft“). Sie wandert mit ihrem Stützwägelchen immer wieder in den 2.Stook und dann wieder ins Erdgeschoß und manchmal war sie dann auch schon “draußen“ auf dem Vorplatz bis zu den Gehwegen. Da muss dann schon immer wieder mal eine Schwester schnell durchs Haus laufen — zu den Essenszeiten — aber meist findet man sie auf dem gleichen Platz auf einem Stuhl.

Genau aus diesem Grund wurde vor ein paar Tagen beschlossen — von wem auch immer — dass sie in die Pflegestation verlegt werden soll. Dort ist ein 3 Bettzimmer frei geworden und da meine Mutter “der schlechteste Fall“ im gesamten Wohnbereich ist, kommt nur sie in Frage. 

Es ist nicht lange her, da hatte meine Mutter nur eine einzige Bitte:

“Wenn ich nur nie in die Pflegeabteilung muss, jeden Mittag gehe ich dran vorbei und sehe wie sie armselig drin liegen“, dass hat sie mir hunderte von Malen gesagt.

Ich habe am “Tag des Verlegungsbeschlusses“ bei meinem Anruf im Heim die Schwestern angefleht, meiner Mutter ihre kleine Welt und ihr kleines Zimmer nicht weg zu nehmen. Aber es geht ja  auch "schließlich um die Sicherheit“ meiner Mutter, wurde mir gesagt. Sie sei “eine Zumutung “ für alle anderen Bewohner, weil sie oft leise vor sich hin weint oder wimmert. Alle hätten sich angeblich schon darüber beschwert. Zudem mache dies auf Besucher einen schlechten Eindruck...

Vor einigen Wochen haben die Schwestern — und das haben sie anschließend zugegeben — ihr tagsüber deswegen starke Schlafmittel gegeben. Die Folge war, dass sie auf dem Weg zum Abendessen, wo sie sich hinschleppen wollte, schwer gestürzt ist. Die Folgen waren schmerzhafte Prellungen an Hand und Knie, der Ellbogen blutig geschlagen. Wir waren heilfroh, dass sie nicht ins Krankenhaus musste. Meine Schwester hat darauf hin das Personal zur Rede gestellt; man merkte ja am Telefon, wie meine Mutter lallte, es wurde nichts abgestritten: sie hätte sediert werden müssen und das tagsüber! Immerhin wurde diese Maßname dann unterlassen. Abends wird sicher sediert, das ist am Telefon unüberhörbar, aber dies ist wegen ihres schlechten Schlafs und ihrer “Angst vor der langen Nacht“ wohl sinnvoll. ??

Meine Mutter hat ein schweres und bitteres Leben hinter sich. Als sie 4 Jahre alt war, starb ihre Mutter, als sie 7 war, ihre Stiefmutter, als sie 8 war, ihr Vater. Die 4 Geschwister wurden getrennt, sie kam zu den Großeltern, die sehr hartherzig und geizig waren. Mit 13 kam sie kurz als Dienstbotin nach Regensburg und dann wurde sie von einer Tante aus München “übernommen“. Dann lernte sie meinen Vater kennen, der schon kurz nach der Eheschließung an Multibler Sklerose erkrankte. Sie pflegte ihn 12 Jahre bis zum bitteren Ende — durch Atemlähmung! — Dazu kam bald bitter Armut, da mein Vater lange Jahre kein Gehalt und keinerlei Sozialleistungen erhielt. Nach dem Tod meines Vaters hat sie in einer Fabrik gearbeitet, um meine Schwester und mich durchzubringen. Es war ein Leben voller Entbehrungen mit 2 überstandenen Welkriegen und einer “Ausbombung“ in München. Und jetzt, mit 97, will man ihr dieses bescheidene Zimmerchen im Heim auch noch wegnehmen. An der Wand  hängt noch das Bild meines Vaters über dem Bett, viele Bilder der Enkelkinder stehen auf dm Schrank. Immer wieder öffnet sie die Schubladen, die voll sind von unseren kleinen Geschenken, die sie hütet wie einen “Kronschatz“. Bei dem Vorhang müssen die Falten ganz geordnet hängen, sie ist bei allem Elend stets pedantisch  ordentlich gewesen. Die vielen Stofftiere auf dem Sofa, alles sollen wir nun “wegtun“ - wie bei einer vorgezogenen Beerdigung. Ich glaube, meine Mutter wird den kurzen Rest ihrer Tage immer wieder dieses Zimmer suchen, soweit dies ihr noch möglich ist; sie hat in letzter Zeit öfter gesagt, “das werden sie mir wegnehemn...“ Ich kann nur alle jene beglückwünschen, denen es möglich ist, ihre Eltern bis zum Tod zu Hause leben zu lassen.

An einen “menschenwürdigen“ Lebensabend in einem Heim kann ich nicht mehr glauben.   (Dieses Heim ist kirchlicher Trägerschaft) 

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Wer Hilfe beim Esse benötigt ist in Heimen denkbar schlecht aufgehoben.     

Meine Mutter ist seit vielen Jahren an Alzheimer in einer sehr schweren Form erkrankt und ans Bett gebunden, da sie selbst überhaupt nichts mehr tun kann. Ihre einzige Freude ist das Essen und Trinken und trotzdem sie seit Jahren nicht mehr spricht, gibt sie beim Essen ein hörbares mmmmhhh, mmmmhhh von sich und an ihren Augen kann man erkennen, dass sie gerne isst.

Bis vor kurzem wog meine Mutter nur noch 31 kg und erst nach einem langen Kampf mit der Heimleitung bei der ich reklamierte, dass eine halbe Kompottschale mit Essen zuwenig ist und mir in einem Gespräch (5 Personen vertraten die AWO und ich alleine auf der anderen Seite des Tisches – wie bei der Mafia) klar gemacht wurde, dass es nur an mir liegt wenn ich nicht verstehe, dass 5 x Kartoffelbrei die Woche eine ausgewogene und richtig dosierte Menge ist, habe ich es geschafft, dass meine Mutter, obwohl ich zu dumm bin den Wert von Kartoffelbrei zu erkennen, wieder ausreichend mit Essen versorgt wird. Sie wiegt derzeit 38 kg.

Das hat nun dazu geführt, dass meine Mutter, die nur pürierte Kost schlucken kann, zuviel Zeit beim füttern (ich weiß, dass man nicht füttern sagt, aber ich habe meine Kinder alle gefüttert mit Liebe und bei mir gibt es keine Essenseinfuhr) in Anspruch nimmt. Das passt nicht in den Zeitablauf der Einrichtung.

Bei zu großen Portionen verschluckt sie sich und spuckt das wieder heraus. Darum ist man an mich herangetreten und hat mir mitgeteilt, dass meine Mutter ein Sonde braucht, um die richtige Menge an Flüssigkeit und Essen zu gewährleisten. Das Ganze soll nicht in --- gemacht werden sondern in ----, weil man dort die besten Erfahrungen gemacht hat. Das heißt, damit es schnell geht muss eine Sonde her und es braucht sich keiner mehr eine Arbeit die aufhält zu machen.

Ich habe dies abgelehnt, mit der Begründung, dass meine Mutter sehr, sehr gerne isst und ich ihr das einzig lebenswerte das sie noch hat, nicht nehmen werde.

Meine Mutter hatte bereits einige Sonden (da war ich noch zu unerfahren) und der letzte Arzt im Klinikum --- hat sich strikt geweigert meiner Mutter noch mal eine Sonde zu legen. Er war ehrlich gesagt sehr drastisch in seiner Aussage und meinte, ich soll dem faulen Pack ausrichten, sie sollen sich um ihre Bewohner kümmern und nicht alles abschieben. Ich hab das nicht ausgerichtet, weil ich damals gedacht habe, meine Mutter müsse nun sterben, wenn sie unterversorgt ist. Aber dem war nicht so, zuerst bekam sie die Flüssigkeit mit Spritzen und als sie restlos zerstochen war und überall Blutergüsse und Abszesse hatte, ist man wieder umgestiegen im Heim auf normales trinken. Und siehe da, von da an ging's mit ihr bergauf.

Damit Sie besser verstehen, was ich mit Zeit fürs Essen meine, kann ich Ihnen hier ein konkretes Beispiel nennen.

Meine Mutter liegt in einem Zweibettzimmer und ihre Bettnachbarin wird gefüttert. Dann heißt es, Frau M. jetzt gibt`s was zu essen (ist die einzige Ansprache). Eine Schale pürierte Kost und ein Becher Saft beansprucht genau 2 Minuten.

Vorige Woche z.B. wurde sie mit ebensolchem Tempo gefüttert und hat anschließend alles wieder erbrochen. Dann musste eine zweite Schwester hinzu gezogen werden um Frau M. umzuziehen und zu waschen und das Bett neu zu beziehen.

Da frag ich mich, ob die Zeit da am richtigen Ende eingespart wurde.

Und mit 2 Minuten und wenn's auch drei wären kann ich natürlich nicht dienen, meine Mutter braucht ca. ½ Stunde für eine Mahlzeit. Das war bisher nicht drin. Nun soll das bei meiner Mutter anders werden lt. Aussage des Heimes will man sich in Zukunft ½ Stunde Zeit nehmen.

Und wer kümmert sich um Frau M. ? 

Anmerkung AvS: Frau M wird wohl weiterhin in 2 Minuten ihr Essen reingeschoben bekommen, denn sie hat leider keinen Angehörigen der sich einsetzt und die ges. Betreuungsperson bekommt von alledem nichts mit. Hervorzuheben an diesem Beispiel ist außerdem die Beobachtung, des Sparens am falschen Ende. Bei genauerem Hinsehen würde man in jedem einzelnen Falle nachweisen können, dass  Versäumnisse auf der einen Seite, ein vielfaches Mehrarbeit auf der anderen Seite verursacht. Die 10 Minuten Zeit die für die Essenseingabe nicht aufgewandt wurde, verursachte 30 Minuten Zeit fürs Waschen und Umziehen, sowie zusätzliche  Wäschereikosten.

Beschwerdemanagement - Praxisbeispiel

Sehr geehrter Herr Fussek,

seit ich Sie in der WDR-Sendung “Hart aber fair‘ über die Pflegesituation in deutschen Heimen mit Herrn Plasberg gesehen habe, reifte bei mir der Plan, Kontakt zu Ihnen aufzunehmen. Ich erlebte Sie als kompetenten Gesprächsteilnehmer, der weiß, wie skandalös die Situation für die Menschen in Wirklichkeit ist, dass es sich dabei nicht nur um Einzelfalle handelt.

Auch ich bin von dieser Problematik aufs Übelste betroffen; meine 87jährige Mutter, die ich viele Jahre in meinem Hause betreut habe (sie hat Alzheimer) ist seit gut einem Jahr in einem Altenheim der AWO hier in Dortmund und gehört zu den “Einzelfällen".

Vom ersten Tag an wurde ich bis heute ständig mit Pflegemissständen konfrontiert, wie schwierig es ist (oder unmöglich?) eine Verbesserung der Pflegesituation zu erreichen, muss ich seit Monaten leidvoll erfahren.

Im Juni 2004 habe ich die Landtagsabgeordnete ... (SPD) angeschrieben, nachdem sie zur Vorsitzenden der hiesigen AWO gewählt worden war, und sie um Untersuchung gebeten:

Keine Antwort!

Verärgert über diese Ignoranz wandte ich mich an den Landtagsabgeordneten ... (SPD), der der AWO ... vorsteht. Daraufhin wurde ich sowohl vom Geschäftsführer der AWO als auch von Frau …..… in übler Form zurechtgewiesen, da diese einfach behauptete, sie habe mir geantwortet.  Sie drohte mir mit rechtlichen Schritten, da ich unverschämte Unwahrheiten in die Welt gesetzt hätte. Damit war für diese Politiker die Angelegenheit erledigt. Ein Brief an die hiesige SPD mit der Schilderung, wie selbst in Zeiten von Kommunal- und auch bald Landtagswahlen mit Bürgern und Wählern umgegangen wird, brachte als Antwort lediglich den Versuch, mich als Wählerin zu gewinnen, sonst nichts!

Ein Schreiben an den CDU-Landtagsabgeordneten ::::. ist natürlich nie dort angekommen! Der nächste Schritt war die Information der Pflegekasse meiner Mutter   (BEK) über die Missstände, da sie die Kosten der drei Krankenhausaufenthalte wegen Austrocknung tragen muss ( Im ersten halben Jahr nach der Heimaufnahme verbrachte meine Mutter die Hälfte der Zeit deswegen im Krankenhaus, eine Frau, die Jahrzehnte nie krank war!)

Die Reaktion der BEK war lediglich der Rat, die Mängel der Heimaufsicht zu melden.

Die Reaktionen der Heimaufsicht waren jedes mal gleich: mir wurde telefonisch versprochen, für Besserung zu sorgen. In den Gesprächen mit der Heimleitung war die Dame der Heimaufsicht nur Zuhörerin, ohne sich zu den Vorfällen zu äußern. Die Geschäftsführung der AWO ließ mir mitteilen, die Heimaufsicht habe - keinerlei Beanstandungen gehabt.

Da das AW0 HEIM  sich auch mit  einem Qua1itätssiegel des RWTÜV-Systems schmückt, habe ich auch diese angeschrieben, ihnen meine Beschwerdeliste zukommen lassen und sie gebeten, mir zu erklären wie sich die Vorkommnisse mit einem Qualitätsmanagement vereinbaren lassen. Wie die Heimaufsicht

bestätigte mir der TÜV-CERT die Bedenklichkeit der Pflegesituation. Nach einigen für mich positiven Briefwechseln stellte der TÜV-Cert plötzlich jeglichen Kontakt zu mir ein und antwortete auf meine Schreiben nicht mehr!.

Es drängt sich mir der Verdacht auf, dass irgendwelche Beziehungen zur AWO oder SPD bestehen, anders kann ich mir diese merkwürdige Entwicklung nicht erklären.

Erst kürzlich bestätigte der TÜV-CERT der AWO, dass es keine Beanstandungen von ihrer Seite gäbe! Zuvor hatten mir allerdings sowohl der TÜV-CERT als auch die Heimaufsicht dringend geraten, anwaltliche Hilfe in Anspruch zu nehmen! Dies tat ich mit der Konsequenz, dass die AWO mir mit Unterlassungs- und Schadensersatzansprüchen drohte, sollte ich meine “haltlosen Vorwürfe in die Öffentlichkeit tragen, die dem Ruf der Einrichtung und der AWO als Institution schaden. Sollte ich das Heimentgelt kürzen (Rat der Heimaufsicht), wird die AWO die Forderungen gerichtlich durchsetzen und meiner Mutter den Heimplatz kündigen, da selbstverständlich keine Minderungsansprüche wegen schlechter Leistung bestehen.

Versuche, andere Angehörige zu gewinnen, um gemeinsam eine Verbesserung zu erreichen, scheiterten daran, dass viele der Angehörigen zwar die extrem schlechte Pflege beklagen, nicht aber bereit sind, sich dem Ärger auszusetzen, den ich nun schon eine Weile habe. Das macht die Situation noch hoffnungsloser. Ebenso die Tatsache, dass viele Heime Institutionen als Träger haben, die mit der aktuellen Politik derart eng verknüpft sind (siehe AWO mit der SPD), dass schon aus diesem Grund eine Änderung der Situation auszuschließen ist.

Es scheint gängige Praxis zu sein, kritische Angehörige massiv unter Druck zu setzen, bisher wohl auch mit Erfolg.

Eine Anmerkung zu dem allgemeinen Wehklagen aller Heimträger über die unzureichenden Mittel aus der Pflegeversicherung sei erlaubt.  Vor einiger Zeit war in unserer Tageszeitung zu lesen, dass die städtischen Heime große Gewinne erzielen und die Stadt in Erwägung zieht, diese Gewinne zur Deckung der Klinikumdefizite heranzuziehen.  Da die AWO ähnliche Tagessätze verlangt, kann man davon ausgehen, dass auch sie gute Gewinne mit dem Elend der alten Menschen erzielt.  Unter diesem Aspekt ist die schlechte Pflege noch ungeheuerlicher.

Die AWO eröffnet übrigens in Kürze ein neues Altenheim. Dies spricht wohl eher für ein sehr lukratives Geschäft als für ein defizitäres Unterfangen!

Wenn Sie daran interessiert sind, würde ich Ihnen gerne die lange Liste der Pflegemängel zur Verfügung stellen. Ich habe mich in der letzten Zeit mit vielen Ihrer Veröffentlichungen zu diesem Thema im Internet beschäftigt Ich möchte Sie ermutigen, nicht aufzugeben, diese skandalösen Vorgänge in unserer Gesellschaft immer wieder anzuprangern und öffentlich zu machen.

Ich würde Sie gerne unterstützen; wenn Sie daran interessiert sind, lassen Sie es mich bitte wiesen, in welcher Form dies sein könnte.

Als "Einzelkämpferin" werde ich übrigens in den nächsten Tagen gegen die Heimleitung Strafanzeige wegen Körperverletzung in mehreren Fallen stellen, gegen die Helmaufsicht zunächst eine Dienstaufsichtsbeschwerde formulieren mit der Überlegung sie dann zu verklagen.

Anmerkung AvS: Uns sind auch Einrichtungen des gleichen Trägers  bekannt, die ein vorbildliches Beschwerdemanagement haben, es kommt entscheidend auf die  Persönlichkeit der Heimleitung an. Insgesamt charakterisiert diese Schilderung jedoch die ebenso bekannte Haltung auf Bundesverbandsebene: Mehr als andere ist dieser Verband sofort versucht   Beschwerdeträger mit der Androhung rechtlicher Konsequenzen zum Schweigen zu bringen, anstatt sich darum zu kümmern, dass die angezeigten Mängel abgestellt werden.  Diese Haltung kann nicht akzeptiert werden. Auch die hier angesprochenen politischen Verknüpfen und die Ignoranz von Beschwerdebriefen, sind keine Ausnahmeerscheinungen.

PolitikerInnen täten gut daran, selbst mit gutem Beispiel voranzugehen und die Prinzipien des für Einrichtungen geforderten Beschwerdemanagements zu beherzigen. Die oft beklagte Politikverdrossenheit hat Ursachen, nämlich die, dass viel versprochen wird – im konkreten Fall sich jedoch niemand zuständig fühlt und nicht einmal der Versuch unternommen wird strittige Sachverhalte zu prüfen.

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Betteln müssen um jede neue Windeln  

Ich betreue ein älteres Ehepaar von 88 und 84 Jahren im Altenheim.

Der Ehemann (88) ist voll ans Bette gefesselt (Alzheimer) und kann sich nicht mehr äußern. Sie ist jedoch noch geistig aktiv. Wegen Inkontinenz benötigt sie Windeln. Sie beklagt sich ständig, dass die ihr überlassenen Windeln nicht ausreichen. Die Windeln sind vollgesogen und der Bitte auf Austausch wird nur sehr zögerlich nachgekommen. Die ältere Dame trinkt weniger, da sie immer Angst hat in die Hose zu machen. Dieser Zustand ist entwürdigend und menschenverachtend, ebenso wie das Verlangen des Heims, bei Bedarf eine neue Windel zu erbitten. Auf Grund von inoffiziellen, unbestätigten Informationen besteht die Anweisung, den Windelverbrauch stark einzuschränken, um Teile der Inkontienzpauschale für andere Anschaffungen etc. zu verwenden.

Die in Bayern so hochgepriesenen, unangemeldeten Kontrollen sind offenbar nicht ausreichend und finden zu Zeiten statt, wo augenscheinlich bei oberflächlicher Betrachtung alles in Ordnung ist. Das Personal, welches m.E. nicht ausreichend ist, arbeitet nur nach Vorschrift und steht unter starkem Druck. Fürsorge und Zuwendung für die Betroffenen bleiben aus Zeitmangel auf der Strecke. Nachdem ich bisher von niemandem  sachkundige Auskunft über die Inkontinenzpauschale erhalten habe, bitte ich Sie um entsprechende Informationen.

Anmerkung AvS: Ich will an dieser Stelle nicht näher auf den Unsinn von Inkontinenzpauschalen eingehen, wie es sie bei manchen Kassen gibt, sondern darauf verweisen, dass laut Heimvertrag und Leitbild in aller Regel eine   an den Bedürfnissen des Einzelnen orientierte Pflege, zugesichert wird. Dagegen vor allem verstößt diese Praxis, abgesehen von der unwürdigen Haltung dieser Frau gegenüber, die man um jede Windel betteln lässt. 

Es geht auch anders - wechselhafte Erfahrungen 

Ich bin jetzt 69 Jahre alt, fühle mich gut und denken mir, es ist Zeit mich nun um die Menschen im Bereich meiner Altersklasse, von leicht darunter bis weit darüber zu kümmern. Darum bewarb ich mich auch für den Seniorenbeirat in meinem Stadtteil.

Gewisse Erfahrungen mit älteren Menschen  und deren Schicksal habe ich u. Vorstellungen zur Verbesserung der Verhältnisse ohne Mehrbelastung des Pflegepersonals oder der verschiedenen Geldgeber. — Nur ein Wenig mehr nachdenken über logische Arbeitsabläufe sinnvolle u. weniger sinnvolle Aufwendungen. Sie selbst belegten mit einigen Beispielen welches Potential unüberlegt vergeudet wird.

Ich erlaube mir nun zu versuchen meine Erlebnisse u. Erfahrungen kurz zu schildern, mit der Hoffnung zu etwas Gutem beitragen zu können.

Es geht um 2 Altenheime ‚ eines im Hinterland Dachau‚ das andere östlich von München. Eine Tante von mir bat mich ihr einen Altenheimplatz im näheren Umfeld von München zu besorgen. Sie war nicht gerade arm‚ weshalb ich dachte es sei nicht so sehr schwierig. Das war ein grosser Irrtum. Mit 2 Vettern suchten wir mehr als 1 Dutzend Heime ab. Als wir glaubten fündig geworden zu sein, machten wir einen Vertrag u. brachten die Tante dort unter.

Der Beginn war sehr vielversprechend . Alle Leute waren freundlich. Das Gebäude war neu. Es gab eine nette Bibliothek, es wurde Turnen angeboten, aus der Umgebung kamen Damen auf Wunsch u. gegen Bezahlung zur Unterhaltung der Heiminsassen . Die Mahlzeiten konnten im Speisesaal od. auf dem Zimmer eingenommen werden. Alles erschien sauber, zuvorkommend u. lebendig.

Dann wurde das Heim an einen neuen Träger verkauft. Es erschien ein neuer Heimleiter. In der Verwaltung erschienen neue Ansprechpartner. Das Zimmer der Tante wurde weniger gereinigt. Staubwutzeln flogen unter Bett, Tisch u. Stühlen herum. Im Sekretariat wurde ich bei meinen Vorsprachen zwar freundlich, aber mit Ausreden hingehalten. Man führte auch ganz unverblümt drastische Kritik über die Tante. Z .B. sie würde nächtens bis zu 15 x klingeln ‚ weil sie aufs Klo wolle. Sie müsse aber gar nicht. Zum Beweis zeigte man mir die Liste der mit Zimmernummer gezeichnete automatisch mitgeschriebene Zeitbänder. Als ich darauf hinwies ‚ dass ich bei meinen diverse Besuchen beobachtet hatte ‚dass die unberührten Mahlzeiten, bis kurz vor der nächsten, im Zimmer am Bett standen wies man diese Aussage als böswillig bestenfalls mal zufällig zurück. Man riet mir sogar die Tante woanders hin zu geben, wo es vielleicht besser sei. Im übrigen brauche ich mich nicht zu wundern, so schwierig wie diese Alte sei, wolle vom Pflegepersonal keiner gerne zu ihr gehen. Das reichte mir. Von nun an besuchte ich die Tante bis zu 3x pro Woche zu immer anderen Mahlzeiten u. Tageszeiten. Jede kritikwürdige Unregelmässigkeit meldete ich in der Verwaltung u.  bestand nach Möglichkeit darauf, dass sofort jemand mit mir ging u. sich in meiner Gegenwart von der Richtigkeit meiner Behauptung überzeugte.

Ich forderte einen Arzt des Heims an wegen der Blasenschwäche der Tante. Prompt stellte sich heraus ‚ dass die Tante eine verschleppte Harnleiter – und Blaseninfektion hatte. Als ich einmal dazu kam als die Tante beim Duschen wie ein Tier mit einem Gummischlauch abgespritzt wurde u. sie ängstlich vor sich hinjammernd in der Duschecke Schutz suchte, bekam ich auf meine Frage ‚ wieso man sich so was herausnähme zur Antwort:

Sie habe sich derart eingekotet ‚ dass man sie anders nicht mehr sauber bekäme u . außerdem würde sie sich das für die Zukunft merken u . nicht mehr soviel dumme Sachen erzählen.

Ich suchte Kontakt zur Regierung von Oberbayern. Ich hatte gehört es gäbe dort eine Stelle welche die Altenheime überwache. Abgesehen davon, dass diese Stelle nur mit sehr viel Geduld u. Beharrlichkeit zu erreichen war, war diese Dienststelle von gerade mal 4 Personen besetzt. Einer Vorgesetzten, einem Mitarbeiter der auf Kur war, einem der krank war u. einem der sich im Außendienst aufarbeitete. Das Schlimmste war aber, durch die neue Zuordnung des Heimes zu einem neuen Träger, sei man dafür sowieso nicht mehr zuständig. Der Zustand der Tante hatte sich inzwischen erheblich verschlechtert. Immerhin war sie ja inzwischen 91 Jahre alt. Wir suchten nun mit Einverständnis der Tante ein anderes Heim in Nordbayern in einem kleinen Städtchen. Nach einer gewissen Wartezeit bekamen wir eine Zusage.

Wir kündigten mit den entsprechenden Begründungen. Hätten wir das doch nur schon früher gemacht! Die Leute waren allesamt wie ausgewechselt so freundlich, zuvorkommend u. umsichtig. Unbedingt wollten sie wissen wo wir unsere Tante denn hinbrächten.

Aber darüber schwiegen wir.

Als sie merkten das Nichts mehr zu machen war versuchte man uns noch bei der Endabrechnung zu schikanieren und zu übervorteilen. Aber auch das ging zu unseren Gunsten aus.

Das neue Altenheim in der Oberpfalz war wesentlich einfacher. Aber es war unvergleichbar besser für die alten Leute. Das Heim war sehr voll, die Personaldecke extrem knapp. Über 20 Personen waren auf der Station auf der unsere Tante ein Zimmer bekommen hatte. Darunter waren auch schwere Pflegefälle.

Unsere Tante wurde wöchentlich mehrfach gebadet, eingecremt sogar massiert, gefüttert wurde sowieso. Es gab Nachspeisen ‚gekochtes Obst, es kamen Schwestern, Pfarrer, es gab in Abständen kleine Feste.( Nikolaus‚ Advent‚ Weihnachten‚ Ostern‚ auch die Geburtstage wurden je nach Möglichkeit in größerem Kreis gefeiert)

Wir konnten uns nun in größeren Abständen mit den Besuchen abwechseln‚ ohne dass eine Verschlechterung in der Betreuung eintrat. Es war für  uns ja nun viel weiterer Weg (hin u. zurück 480 km)

Nach 3 Jahren starb die Tante zufrieden im 95. Lebensjahr. Die Pfleger sagten zu uns: „Sie wird uns fehlen. Sie hat uns ganz schön auf Trab gehalten. Aber sie hatte einen wunderbar starken Willen. Das hat man in diesem hohen Alter selten.“

Diese Pfleger hatten wenig technische Hilfsmittel. Aber sie hatten viel Mitgefühl und Verständnis für ihre Schutzbefohlenen. Es waren Deutsche, verschiedene Ausländer‚ Zivildienstleistende‚ manchmal sogar Schüler.

Tipps für andere Angehörige von pflegebedürftigen Heimbewohnern

Abschließend versuche ich einige von mir erprobte Punkte zu nennen, die mir Erfolg und meiner Anvertrauten Erleichterung u. Verbesserung ihrer Lebensumstände brachte:

1) Möglichst oft u. an unterschiedlichen Tagen zu unterschiedlichen Tageszeiten besuchen.

2) Zum Personal immer freundlich u. zuvorkommend ‚ aber bestimmt u. sachlich sein.

3) Zum Personal aufmerksam sein ‚ freundlich grüssen ‚ „ Bitte und Danke" sind Zauberformeln.

4) Persönliches Interesse beim Pflegepersonal bekunden ‚ bei gegebenem Anlass kleine Aufmerksamkeiten geben oder kleine Hilfen leisten.

5) Erwartungen deutlich sagen. Enttäuschungen ebenfalls klar u. deutlich äussern.

6) Nach Gründen für Beobachtetes fragen.

7) Überhaupt sind Fragen die besten Eröffnungen für Hinweise od. Verständnis oder Informationen über Pflegeabläufe.

8) Unbeirrt selbst dem Hilfebedürftigen helfen (füttern, zu trinken geben, aufs Klo führen‚ oder was sich sonst anbietet‚ ohne Gefahr für den zuHelfenden od. einen selbst.

9) Je intensiver der Kontakt zum Pflegepersonal ist, um so weniger Fehler macht man selbst, um so mehr kann man seinem Angehörigen helfen.

10)Kritik u . Protest zurückhalten bis der Anlass eindeutig als berechtigt erkannt ist. Es muss sicher sein ‚ dass der Altenheimbewohner ‚ od. Pflegeabteilungspatienten Erleichterung und Verbesserung gewinnt.

11)Zuerst den od. die Angehörige in Sicherheit bringen bevor sich Fronten bilden.

12)Immer darauf gefasst sein : Repressalien sind nie absolut auszuschliessen.

Die eigene Orientierung muss sein:

Dem Hilfebedürftigen ist seine Menschenwürde zu erhalten

Dem Pflegepersonal muss mit Verständnis u. Respekt in dem anspruchsvollen Einsatz begegnet werden!

Wenig werbewirksame Kurzzeitpflege

  Hallo Claus

ich hatte dir versprochen über unsere negativen Erfahrungen im Wohn- und Pflegeheim“ in --- zu berichten. Also hier nun schriftlich die zu beanstandenden Punkte:

1. Nach einer ganzen Woche Aufenthalt (von Donnerstag bis Freitag folgende Woche) waren Mamas Haare noch nicht gewaschen worden. Auf meine Anfrage diesbezüglich bekam ich freundlich bedauernd zur Antwort, sie seien leider noch nicht dazu gekommen - würden dies aber vielleicht morgen, spätestens am Montag tun. Ich fragte die Angestellte, ob sie es denn aushalten könnte, sich 1 ½  Wochen die Haare nicht zu waschen und “durfte“  dann, auf mein Angebot hin, selbst tun. Da Mama auch sehr gerne badet, erklärte die Pflegerin mir freundlich und ausgiebig die für mich ungewohnte, “voll automatisierte“ Badewanne und den Lifter. Dass sie in dieser Zeit genauso gut selbst Mamas Haare gewaschen hätte, habe ich nicht mehr erwähnt. Allerdings erfuhr ich danach von anderen Angehörigen, dass, wenn man das einmal selbst gemacht hat, man es immer selbst machen “darf‘...

2. Die Oberbekleidung wurde eigentlich nie gewechselt. Egal wie viele Flecken auf Hose oder Bluse waren, ich weiß nicht, wie lange sie die selben Klamotten hätte tragen müssen - wir konnten es leider nie lange genug mit ansehen...

3. Leibwäsche wird vom Heim aus durch eine Wäscherei gewaschen. Nach zwei Wochen war der Plastiksack (der von der Wäscherei gestellte Wäschesack war leider noch nicht geliefert worden) mit Mamas Leibwäsche immer noch im Bad, darunter einige “ziemlich verschissene“ (sorry) Teile. Der Sack natürlich offen, kam ja täglich was dazu - es roch nicht gerade anmutig im Bad... Also hab ich den Sack endlich geschnappt und selbst gewaschen. Ist ja kein Problem, nur hätten sie doch ein Wort sagen können, dass das mit der Wäscherei nicht klappt...

4. Nachdem Mama 2 Wochen im Heim war, bekamen wir einen Anruf vom Heim, dass eine Psychologin bei Mama war und ihr Medikamente verschrieben hat. Da sie weder mich (trotz dort vorliegender Patientenverfügung/ Vorsorgevollmacht), noch den Hausarzt vorher darüber informiert hatten, baten sie mich nun, die Gebühr von 10 Euro zu bezahlen, da der Hausarzt sich (zu recht, wie ich finde) weigerte, im nachhinein eine Überweisung auszustellen! Das habe ich natürlich nicht getan - ich fand das eine Unverschämtheit schlechthin!

5. Passend zu dem vorigen Punkt: die alten Leute sitzen, wann immer man kommt (und wir sind täglich hingekommen, oft auch mehrmals täglich) nur rum warten auf etwas, aber keiner weiß, auf was. Nur wenige Bewohner sind noch in irgendeiner Weise “aktiv“, die meisten reden wenn überhaupt nur mit sich selber. --- nannte es: “es totelt“. Ich denke wirklich, (aber ich weiß es natürlich nicht) die werden einfach mit Psychopharmaka (ich glaub, das nennt man so) vollgepumpt, damit sie ruhig sind...

6. Dieses Ärgernis ist wohl eher auf mich/uns selber zurückzuführen, weil wir uns vorab zu wenig erkundigt hatten. Trotzdem bin ich der Meinung, die Heimleitung sollte beim Aufnahmegespräch deutlich sagen, was finanziell auf einen zukommt. Es war toll von der Heimleitung, dass sie uns empfohlen hat, die 4 Wochen Kurzzeitpflege zu beantragen und erst danach eine tatsächliche Einweisung. Sie erklärte uns sehr deutlich, dass die Kasse die Kosten für 28 Tage im Jahr voll übernimmt - dass dies nur für die reinen Pflegekosten gilt und wir die “Hotel-Kosten“ selber zahlen müssen, hat sie uns nicht gesagt...

Positive Wende:   Das waren so die Gründe, warum wir uns vor Ablauf der 28 Tage im AWO Seniorenheim erkundigt haben. Hier war Mama schon  4 Jahre lang drei mal in der Woche in der Senioren-Tagesstätte, wo sie sich sehr wohl gefühlt hat und auch wir uns wohl fühlten, weil die Betreuerinnen dort sehr aufmerksam und fürsorglich waren und uns auch immer irgendwelche Auffälligkeiten sofort mitteilten. Obwohl dieses Heim ziemlich teuer ist, so sind wir auch heute noch (Mama ist seit Mitte April dort) wirklich sehr zufrieden. Und auch das möchte ich dir auf diesem Wege natürlich mitteilen, du sollst auch das Positive zu hören bekommen! Bei der AWO  sind die Bewohner noch richtige Menschen, die zwar recht verwirrt sind, aber trotzdem viel lachen und meist in kleinen Gruppen zusammen sind. Nach den ersten Wochen, die wirklich schrecklich waren, weil ja für jeden Alzheimer-Patienten Umsiedlungen jeder Art “Gift“ sind, hat Mama sich da ganz toll eingelebt, hat viele neue Freunde gefunden (die sie jeden Tag neu kennen lernt), und jammert uns seit vielen Jahren endlich nicht mehr die Ohren voll, dass sie so alleine ist und sich nicht auskennt...

Anmerkung AvS: Es gibt sie eben auch, die positiven Erfahrungen und Beispiele. Und wir freuen uns natürlich über jeden erfreulichen Erfahrungsbericht. Da dieses Seniorenheim zu einer der größten Trägerorganisationen gehört, aus deren Häusern  uns  viele Negativberichte vorliegen, haben wir den Namen nicht gedruckt, damit nicht der falsche Eindruck entsteht, als würde man in jedes Haus dieser Organisation bedenkenlos gehen können.

Regelmäßig an die frische Luft – für die meisten Heime  ein nicht erfüllbarer Luxus

Heute war ich bei meiner Mutter im Pflegeheim, Natürlich saß sie wie schon die letzten Tage im Aufenthaltsraum. Bin mit ihr dann runter in die Wohngruppe. Eine Einrichtung um die Bewohner zu verschiedenen Aktivitäten zu animieren.

Dort saßen ca. 6 Personen, einige schälten Kartoffeln, die Leiterin der Gruppe sagte, dass nicht genug Arbeit für alle da wäre. Ich stellte ihr meine Mutter vor und bat sie, doch zu veranlassen, dass sie jeden Tag für einige Zeit in den Park raus gefahren wird oder in die Gruppe aufgenommen wird. Die Dame sagte mir, dass sie zuwenig Personal für diesen Dienst hat, 2 Personen für 4 Abteilungen, manchmal ist sie allein. Seit kurzem hat sie 2 Zivis. Und wenn meine Mutter für die angebotenen Aktivitäten (singen usw. )keine Lust hat, holen sie sie auch nicht. Dass sie eine solche Gruppe haben, fand sie (die Leiterin) ganz toll (Luxus), da ihre eigene Mutter in einem Heim lebt, wo es das nicht gäbe. Dann sagte ich ihr, mir geht es darum, dass meine Mutter an die frische Luft käme. Die Antwort, durch zuwenig Personal kann das nicht für jeden Tag garantiert werden (Auswahlverfahren – fragwürdig). Als ich dann sagte, für die 3000 Euro muss es doch möglich sein mehr Personal zu haben, meinte sie lakonisch, einiges Geld wird halt für Umbaumaßnahmen und Rückstellungen gebraucht.

Jetzt werde ich mich nach meiner Rückkehr um eine andere Wohnmöglichkeit für meine Mutter umschauen. Eine Bekannte schwärmte so vom Haus in ---- hab dort schon angerufen- warte auf den Rückruf.

Verständnislos in jeder Beziehung

Sehr geehrter Herr Fussek.

Ich danke Ihnen von ganzem Herzen, dass Sie mich in meiner seelischen Not und großen Sorge, die ich um meine kranke Frau habe, am Montag dem 7.2., am Donnerstag, dem 10.2. und am Montag, dem 28.2.2oo5, angehört, mir gute Ratschläge gegeben haben und mich so wieder aufgebaut haben. Der für mich unangenehme Vorfall des ausgesprochenen Verbots am Freitag, durch die Pflegeleitung, künftig meiner Frau keine Nahrung mehr verabreichen zu dürfen, weil sie sich verschlucken könnte, obgleich ich ihr seit 5 Jahren fast täglich neben der Sondenkost etwas zu essen gab, traf mich wie ein Keulenschlag, ließ mich an dem guten Willen der Menschheit zweifeln. Die Frage, die mich nun Tag und Nacht beschäftigt, ist die: Wer versteht mich und hilft mir aus dieser schwierigen Lage, dass ich meiner Frau als ihr vom Amtsgericht bestellter Betreuer, dem u.a. die “Sicherung der pflegerischen Situation“ als Aufgabe zugeschrieben worden ist, nach wie vor etwas zu essen geben, sie zusätzlich pflegen darf? Was soll ich meiner Frau sagen, wenn ich ihr von heute auf morgen kein Essen mehr gebe? Wird sie mich noch verstehen, mich weiterhin anlächeln? Was veranlasst die Pflegeleitung plötzlich ein derartiges Verbot auszusprechen? Habe ich etwas verkehrt gemacht, weil ich täglich wegen mangelnder Pflege meine Frau 3 bis 4 Stunden im Heim versorge und die Heimleitung dieses Verhalten “als Schuldgefühle gegenüber meiner Frau“ wertet? Ich verstehe plötzlich die Menschen nicht mehr und in mir bricht der Glaube an sie restlos zusammen! Gibt es noch Menschen, die mein Verhalten gegenüber meiner Frau nach einer 52jährigen Ehe anders verstehen und vor allem bereit sind, mich anzuhören und falls möglich, mir zu helfen? Ich kann doch in meiner Situation nur noch bitten, beten und betteln! Ich war verzweifelt, weil ich doch die bestehenden Pflegemängel des Heims als Angehöriger guten Willens zu beheben versuchte, um meiner Frau ein noch einigermaßen erträgliches Leben zu ermöglichen!!! Versteht mich meine Umwelt nicht mehr? Was mache ich als älterer Mensch falsch? Gibt es einen Ausweg aus diesem “Teufelskreis“?

Zur Situation: Nach einer Angiomblutung (Hirnblutung)im März 2000 und mehreren Operationen ist  Frau S schwerstgeschädigt: halbseitengelähmt, kann nicht sprechen, Schluckstörungen, Inkontinenz, Kontrakturen an beiden Beinen, neigt zu Krampfanfällen (Epilepsie), liegt nur im Bett etc. Wenn sie auch sonst kaum noch etwas kann, so reagiere sie doch eindeutig mit Mimik und Gestik auf Ansprache und die Art wie mit ihr umgegangen wird. Auf 12 Seiten, die hier nicht abgedruckt werden, schildert der Mann die Situation und besondere Beziehung zu seiner Frau – die offenbar vom Heimpersonal nicht verstanden, geschweige denn wertgeschätzt werden kann. Das Verhalten dieses freiwilligen Helfers lässt sich nicht in Einklang bringen mit dem Verständnis der professionell Pflegenden und so fühlen sich diese berechtigt, ja sogar verpflichtet, dem Ehemann zu verbieten – seine Frau in gewohnter Weise zu versorgen.  Eine für den Mann nachvollziehbare Erklärung wird nicht abgegeben – so dass auch wir nur interpretieren können, warum das Heim meint, die Frau vor der Fürsorge durch ihrem Mann schützen zu müssen.

In solchen Fällen wäre Supervision das Mittel der Wahl, denn die Fronten die offenbar zwischen dem Ehemann/Betreuer und Heim entstanden sind, lassen sich über normale Gespräche vermutlich nicht beheben. An diesem Beispiel könnte man zugleich  eines der Hauptprobleme im oft schwierigen Verhältnis von Angehörigen und Heimpersonal herausarbeiten, als da wäre:  "Wir wissen was für "Ihre Frau" gut ist, wir sind schließlich die Profis und außerdem für Ihre Frau verantwortlich, solange diese hier bei uns wohnt."  In der Arzt-Patient Beziehung findet man häufig ein ähnliches Muster. Der Patient wird getrennt von seinem Umfeld gesehen, behandelt und gepflegt.  Angehörige die mitreden wollen, stören und wenn sie damit nicht aufhören, setzt man sie vor die Tür. Ein  Mitglied  von Pflege-shv hat eine ganz ähnliche Erfahrung  gemacht, dieser nächsten Angehörigen und einzigen Bezugsperson, die sich täglich kümmerte, erteilte man nicht nur Pflegeverbot, sondern sogar Hausverbot.

Langzeitbeobachtung einer Angehörigen 

Mein Mann ist seit 1994 durch Reanimation nach Herzinfarkt Schwerstpflegefall (Pflegestufe 3).In diesen vergangenen zehn Jahren haben wir sehr viel erlebt. So habe ich meine in Stichpunkten gesammelten Notizen in einem Bericht zusammengefasst. Dabei war mir ganz wichtig die Zusammenstellung ohne Angaben von Orten und Personen vorzunehmen.

1. Wäsche, Kleidung vertauscht, verloren oder haben andere      Bewohner an

2. Stundenlang im Rollstuhl fixiert, 4-5 Stunden und länger, oft mit verkoteten Windeln, vollkommen hilflos, auch in Pflegestufe

3. Kein Toilettentraining. Windeln, obwohl Toilettengang mit Hilfe möglich wäre.

4. Da viele dieser Patienten oft stundenlang auf dem Po sitzen, in dieser fixierten Lage nicht einmal fähig einen Pups zu lassen, ist Stuhlgang kaum möglich. So entlädt sich der Darm des Kranken in der Nacht. Da viel zu wenig Nachtwachen Dienst haben, beginnt morgens das große Saubermachen.

5.  Je hilfloser, je weniger Zuwendung. Viele sind nicht in der Lage sich zu äußern oder die Klingel zu betätigen. Und der Kot, die Falte, der zu stramme Bauchgurt drückt und drückt. Die Kranken müssen warten bis Hilfe kommt, stundenlang, mit verklemmten Gliedern, falsch gelagert, kalt.

6. Die bettlägerigen Patienten bekommen oft als letzte das Frühstück, als erste Mittagessen und als erste das Abendbrot. Vier Malzeiten zwischen 10 und 17 Uhr ist keine Seltenheit. Und dann kommt die lange Nacht.

7.  Medikamente werden vom Pflegepersonal teilweise mit der Hand in den Mund des Kranken gesteckt, von einem zum anderen, egal ob einer seibert, verschnupft ist oder Essensreste im am Mund hat. Danach wird oft nicht ein einziger Tropfen Flüssigkeit gereicht.

8. Fliegen im Sommer an Schnabelbechern, Tellern, am Essen, auf schlaflosen, hilflosen mit offenem Mund schlafenden Schwerstpflegefällen. Fronleichnam 2003 wurden 70 Fliegen in einem Patientenzimmer gefangen. Siehe auch Punkt 32.

9. Mahlzeiten werden den Kranken im Liegen bei 30 Grad Neigung gereicht, obwohl der Patient sitzen kann, oder das Bett in eine entsprechende Position gebracht werden könnte. Auch bei schweren Schluckstörungen wird der Patient so abgefüttert.

10. Mit Essensresten und Staub verschmutzte Rollstühle, defekt, Reifen platt.

11.Dokumentation von Getränken und Mahlzeiten mangelhaft, auch bei Unterernährung. So weiß dann keiner, wann was oder wie viel wann gereicht wurde.

12. Von Behandlungs- und Körperpflegemitteln sind oft mehrere Tuben des gleichen Mittels in Gebrauch, Tuben werden oft nicht verschlossen, keiner weiß wann und in welcher Reihenfolge geöffnet wurde.

13.Tupfer liegen monatelang im geöffneten Paket, sogar aus fremden Zimmern von anderen Bewohnern. Verstaubt und nicht mehr steril werden diese Tupfer trotzdem für offene Wunden gebraucht.

14. Wolldecken und Kissen werden für Zimmernachbarn im Wechsel benutzt, ungewaschen.

15.Im Sommer 2003 wurden 32 Grad Hitze im Zimmer gemessen. An der ganzen Südseite keine Rolläden, nur Gardinen. (Da ein Kranker immer wieder im voller Sonne lag, zugedeckt, nassgeschwitzt, wurde vom Angehörigen Rollo beantragt.)

16.Doppelzimmer ausgestattet mit zwei etwa ein Meter breiten Schränken, zwei Betten, zwei Nachtschränken, zwei Stühlen. Dazu Rollstühle für zwei Bewohnern. Für persönliche Dinge wie Fotoalbum, Bücher usw. ist kein Platz. Die Zimmergröße entspricht genau den gesetzlichen Mindestanforderungen.

17. Essensreste unter Schuhen, angetrocknet und verkrustet.

18. Fingernägel lang, abgebrochen, kotverschmutzt.

19. Getränke, Essen oft zu heiß oder kalt. Bettlägerige bekommen oft keine Extras.

20. Bewohner werden nicht ernst genommen.

21. Betreuer kümmern sich viel zu wenig. Vereinsbetreuer usw. haben teils bis zu vierzig Betreuungen. Sie regeln telefonisch. Betreuer werden andererseits übergangen, bzw. nicht gefragt

22. Hilflose Menschen sitzen in zugigen Fluren, an geöffneten Fenstern, nicht in der Lage sich fortzubewegen

23.Patienten werden durch Ankündigung nicht vorbereitet z.B. auf Fiebermessen, Waschen, Rasieren, Mahlzeit. Es wird einfach gemacht. Thermometer rein, Waschlappen oder Rasierer ins Gesicht, Mund auf und rein. Beim Pflegen werden die Kranken wie ein toter Gegenstand gerollt.  Sie stoßen dabei oft gegen das Bettgestell und bekommen blaue Flecken und Beulen, weil im Eiltempo gepflegt werden muss.

24.Dekubitus durch falsche Lagerung wie z.B. stundenlanges Sitzen auf einer Steile, ohne Gelkissen, im fixierten Zustand, oder weil versäumt wurde, prophylaktisch zu lagern oder Wechseldruckmatratze einzusetzen.

25.Unterernährung, besonders bei den ganz hilflosen Patienten. Sie können nicht an Flüssigkeit, können nicht schellen, nicht rufen, bekommen nicht die Zeit, die ihnen laut Pflegeversicherungs- richtlinie zusteht.

2   26. Laufender Fernseher vom Zimmerkollegen, stundenlang von morgens bis abends, bei der Pflege, beim Arztbesuch, bei den Mahlzeiten, bei Besuch, bei Epileptikern, bei hilflosen Schwerstpflegefällen, bei hohem Fieber, - bei Sterbenden.

27. Patienten im Rollstuhl, im Bett, in voller Sonne am Fenster stehend,schweißgebadet, bei einer Hitzeentwicklung von über 30 Grad.

28. Zu kurzes Bett. Füße verklemmt zwischen Bettgitter oder Fußteil.Patient kann sich nicht ausstrecken und Spastik wird noch verstärkt.

29. Motor der Wechseldruckmatratze liegt im Bett an den Füßen und Beinen des Patienten. Motor ist heiß und hat harte Kanten.

30. Saft bei schlimmem Durchfall, becherweise. Einlieferung ins Krankenhaus, da sie Durchfall nicht in den Griff bekommen.

31. Nach Zahn-OPs. wurden Wunden blutig geputzt. Vorgang wiederholte sich zweimal zu unterschiedlichsten Zeiten, obwohl mehrere Zähne in Vollnarkose gezogen wurden und alle Wunden genäht werden mussten. Auch hier wurde statt Kamillentee wieder Saft gereicht.

32. Statt ganz gezielte Maßnahmen gegen die Flut von Fliegen vorzunehmen, werden z.B. Moskitonetze aufgehängt, aber andererseits Essensreste nicht aufgefegt und nicht durchgehend Fliegengitter angebracht. So können die Insekten scharenweise in Stationsküche und Schlafräume gelangen, und spazieren fleißig auf Mahlzeiten, Resten, Abfällen,Urinbeuteln und verschmutzter Wäsche und Windeln, sowie anderen Leckereien hin und her.

33. Wechseldruckmatratze liegt falsch im Bett, mit dem PVC-Laken nach unten. Die oberen zwei Kammern klappen um und liegen wie ein Hut auf dem Kopf des hilflosen Patienten.

34. Zu den Mahlzeiten werden in der Stationsküche Tabletts für zweibettlägerige Patienten fertig gemacht, auch wenn diese nicht zusammen auf einem Zimmer liegen. So gehen die Schwestern mit dem Tablett zuerst zu dem einen, dann mit dem abgegessenen Teller mit Resten, ausgekauten oder gespukten Essensresten zu dem nächsten Patienten in das Zimmer.Auch wenn eine Erkältungswelle rollt oder die Darmgrippe im Umlauf ist wird so vorgegangen.

Diese ganzen beschriebenen Vorkommnisse, Mängel und Misshandlungen sind keine Einzelfalle, kommen immer wieder vor. Es sind grundlegende Dinge die nicht passieren dürfen.

Alles aufgeführte entspricht der Wahrheit. Es wurde gesehen, festgestellt und teilweise auch durch Zufall bemerkt - am eigenen Angehörigen, wiederholt und immer wieder.

Die vielen ungesehenen Quälereien können nicht dokumentiert werden, da Patienten mit teils schweren bis schwersten Hirnschädigungen wie Alzheimer, Demenz, Schlaganfall oder Reanimierte keine Angaben machen können.

Es ist wie ein Kreuzgang der unendlichen Qual. Bei oder wegen Beschwerden wurden Angehörige und Betreuer teilweise nicht gut behandelt oder man ist beleidigt. Vorwürfe wie, der Patient bekäme doch eh schon Sonderbehandlung, sind keine Seltenheit. Auf Gegenfrage, ob es eine Sonderstellung wäre, wenn vom Angehörigen oder Betreuer ein Rollo beantragt würde, damit der Kranke  nicht wie ein Grillhähnchen bei 30 Grad und mehr in der vollen Sonne liegen müsse, dass zu kurze Bett reklamiert wurde und der heiße Motor der Wechseldruckmatratze von außen an das Bett gehängt werden musste, wurde nicht geantwortet. Beschwerden und Verbesserungsvorschläge wurden verdreht und falsch verstanden.

Beispiel Punkt 13: Bei akuten Verletzungen müsse auf die Tupfer zurückgegriffen werden die vorrätig wären, da man z.B. in der Nacht nicht sofort ein Rezept bekommen würde. Vom Betreuer wurde darauf ein steril verschlossener Tupfer an die Pinwand über dem Bett des Kranken angebracht; mit dem Hinweis, sterile Notfallpackungen müssen immer da sein.

Beispiel Punkt 26: Zimmernachbar hatte ständig den Fernseher an. Hilfloser Mitpatient hatte keinen Einfluss darauf; musste es immer wieder über sich ergehen lassen, obwohl durch Hirnschädigung Epileptiker. Durch den ständig flackernden, lauten Fernseher kam dieser nicht zur Ruhe. Die Folge waren immer wieder schwere Krampfanfälle und dadurch bedingt mehrere Krankenhausaufenthalte. Ein Jahr musste er dieses über sich ergehen lassen bis der Sozialdienst endlich, auf wiederholte Beschwerden bezüglich des Fernsehers seitens des Betreuers reagierte, und diesen aus dem Zimmer entfernte. Es war für das Haus viel einfacher, den unruhigen Zimmerkollegen mit dem Fernseher ruhig zustellen, als sich in die entsetzliche Lagen des Kranken zu versetzen, der hilflos und krampfend, wahrscheinlich auch oft unbemerkt, mit teilweise über den Kopf gezogenem Oberbett, um sich zu schützen, da lag und diesem dröhnenden, blitzenden Fernseher ausgesetzt war. Als dieses Drama später noch einmal erwähnt wurde, war die lapidare Antwort, Betreuer hätte keinen anderen Zimmernachbarn haben wollen. Andererseits hieß es, es wäre kein  anderer  Bewohner da, der besser passen würde.

Beispiel Punkt 30: Es wurde gesagt, alle Flüssigkeit wäre verweigert und vom Patient nur verdünnter Saft akzeptiert worden.

Tatsache war. Durch den fliegenden Wechsel und Unterbesetzung beim Team, kommen akute Erkrankungen nicht schnell genug beim jeweils diensthabenden Personal an.

In der Psychiatrie zog sich mein Mann durch Pflegefehler wie falsche Lagerung und sitzen ohne Gelkissen, einen handgroßen Dekubitus zu. Ich als Betreuerin wurde nicht informiert, obwohl regelmäßige, fast tägliche Besuche stattfanden. Ohne Zustimmung wurde dann auch noch, wegen dem Dekubitus, ein Katheder gelegt. Der Schlauch wurde teilweise nicht mit Gefälle, sondern nach oben aus der Hose rausgelegt. Patient wurde weiter ohne Gelkissen in einen Kunststoffstuhl gesetzt.

Nach der Entlassung sah ich erstmals  das Ausmaß von dem Druckgeschwür. In Folge dessen musste  mein Mann wochenlang nur rechts und links, mit 30 Grad Neigung gelagert werden. Durch den Katheder zog er sich eine fieberhafte Harnwegsinfektion zu, während der Fernseher noch zusätzlich  Anfälle auslöste.

Mein Mann, geistig behindert, kein Kurzzeitgedächtnis, kann nichts erzählen von diesem ganzen Drama. Der  Personalschlüssel stimmte oft nicht, schon gar nicht am Wochenende. Schwestern und Pfleger hetzen von einem Kranken zum anderen. In einer Stunde müssen sie vier Schwerstpflegefälle pflegen. Das was sie in der Theorie gelernt haben, können sie in der Praxis vielfach nicht umsetzen. Viele hochmotivierte Schwestern, und es gibt viele Superleute in der Pflege, sind frustriert und ausgebrannt.

Diesen ganz normalen Pflegewahnsinn will kaum jemand in der Pflege. Patienten werden regelrecht in die Betten reingepflegt, nicht mobilisiert. Dadurch erschlaffen sämtliche Muskeln. Die Folgen sind z.B. Speichelfluss, tränende Augen, Depressionen, vollkommene Versteifung. Spastiken verstärken sich immer mehr und müssen dann operiert werden, damit Pflege z.B. im Intimbereich wieder möglich ist. Schließmuskel verliert seine Funktion und Stuhlgang kommt unkontrolliert. Spitzfüße entstehen, Schluckstörungen bis zum Unvermögen zu kauen und zu schlucken. Aber dafür gibt es ja die PEG, wie wunderbar!!!

 

Verstört und Abgemagert in wenigen Tagen: "Warum machen Sie sich denn verrückt, Ihr Vater ist doch   88 Jahre alt."    

Mein Vater wurde von mir und einem ambulanten Pflegedienst einige Jahre betreut Als sich sein Gesundheitszustand verschlechterte und ich mit meinen Kräften auch am Ende war, musste ich um am 22. 09.2003 leider in ein Seniorenheim bringen, - er wurde in einem relativ ordentlichen gesundheitlichen Zustand in das Heim gebracht Es gab für mich keine Alternative, ich arbeitete und lebte in Kempten im Allgäu und Vater wollte an seinem Heimatort in Baden-Württemberg bleiben.

Am 28.09.03 bin ich zurück nach Kempten gefahren.

Ich habe daraufhin täglich bei meinem Vater angerufen. Das Pflegepersonal bestätigte mir, dass es meinem Vater gut geht.

Bei einem Telefonat, zwei Tage vor meinem nächsten Besuch beim Vater am 09.10.03 , sagte mir ein Pfleger dann kleinlaut, dass mein Vater 15 kg abgenommen hätte. Ich war sprachlos, warum hatte man mich als Angehörige nicht schon Tage vorher benachrichtigt? Man nimmt nicht von heute auf morgen 15 kg ab. Man hatte mich in dem Glauben gelassen, meinem Vater geht es gut, das ist unglaublich und skandalös‘ Das Heim ist seiner Informations- und Sorgfaltspflicht nicht gerecht geworden!

Als ich am 09.10.03 den Vater wieder im Heim besuchte, fand ich ein „Häufchen Elend“ vor. Ich war schockiert und es tat mir sehr weh, als ich meinen Vater in einem so jämmerlichen Zustand vorfand. Vaters Kopf hing zur Seite, er saß wie leblos in seinem Stuhl und erkannte mich zuerst nicht,

Vater war abgemagert und litt unter einer starken Obstipation.

Sehr besorgt über seinen Zustand, habe ich sofort den Arzt angerufen. Dieser sagte mir, dass er am nächsten Tag vorbeikäme, da hätte er sowieso seine Heimvisite. Ein weiterer Schock für mich. Auch der Arzt kümmerte sich nicht mehr intensiv um Vater. Ist man mit 88 Jahren als Mensch nichts mehr wert?

Da Vater fast nichts mehr gegessen und getrunken hatte, hat man meinem Vater auf mein Anraten hin am folgenden Tag Flüssignahrung verabreicht. Warum musste ich darauf ansprechen, warum hat das Heim nicht rechtzeitig reagiert?

Es war doch offensichtlich, dass man sich um meinen Vater nicht gekümmert hat!!!

Zudem machte Vater auf mich einen recht verstörte Eindruck. Ich habe sofort mit der diensthabenden jungen Pflegerin gesprochen und diese sagte mir dann, Vater hätte seinen Verband abgerissen, sie hätte ihn deswegen beschimpft.

Dieselbe Pflegerin antwortete mir auch auf meine Frage „Warum wird der Vater nicht gefüttert, wenn er nicht mehr alleine essen kann“? „Ja, sie hätten keine Zeit, eine Stunde beim Vater zu sitzen.

Ich zitiere Aussagen von zwei weiteren Pflegerinnen: „Wenn Sie den Apfel nicht beißen können (er war nicht geschält), dann lassen sie ihn eben liegen“ und „Warum machen Sie sich denn verrückt, Ihr Vater ist doch 88 Jahre alt“. Auch das war für mich wie ein Schlag ins Gesicht - jeder Mensch hat doch nur ein Leben!

Es ist wirklich beschämend, wie man mit den alten und pflegebedürftigen Menschen umgeht!!!

Im Grundgesetz steht: Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Wo bleibt die Menschenwürde im Seniorenheim?

Ich war von nun an jeden Tag im Heim. Mehrmals habe ich Vater um die Mittagszeit allein im Speiseraum sitzend angetroffen. Er hatte nichts gegessen und getrunken. Niemand vom Pflegepersonal hat sich um ihn gekümmert. Ich fütterte ab jetzt meinen Vater.

Vater erholte sich nicht mehr. Am 16.10.2003 brachte ich ihn abends ins Krankenhaus. Der Oberarzt dort fragte mich, ob Vater im Heim war und in welchem? Was soll ich dem noch hinzufügen?

Auch das schmerzte mich fürchterlich.

Am 17. Oktober 2003 verstarb mein Vater.

Im Entlassungsbericht stand: “Der Patient kam mit ausgeprägter Exsikkose zur stationären Aufnahme“...

Mein Vater könnte noch leben, wenn man ihn im Heim besser versorgt hätte. Wenn ein Mensch im Helm austrocknet, liegt ein gravierender Pflegemangel zugrunde!

Ich gab ein Stück Verantwortung ab, als ich Vater ins Heim brachte, er sollte gut und rund um die Uhr versorgt sein. Ich kann es nicht fassen, was im Heim passiert ist.

Es plagen mich Schuldgefühle, manchmal denke ich, „ich habe Vater umgebracht, im wahrsten Sinne des Wortes“ denn ich habe ihn in dieses Heim gebracht, in ein Heim mit einem 'guten Ruf'. 

Seit Vaters Tod muss ich psychotherapeutische Hilfe in Anspruch nehmen.

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Brief einer Tochter an die Leiterin des Heimes   in dem die Eltern ihre letzte Lebenszeit verbrachten

Sehr geehrte Frau …………

sechs Jahre konnte ich meine Eltern, zuletzt meine Mutter, Magdalena Sc gest. 20.11.04 , im St. Johnnn begleiten.

In den vergangenen vier Jahren wurden meine Eltern alle ZWEI Tage von uns,hauptsächlich meiner Schwester, besucht und zu uns geholt.

Ich betone das deshalb so sehr, um Ihnen zu sagen, dass wir sehr gut die Situation im St. —. j beurteilen können. Wir haben die ständige Fluktuation von HeimleitungEN, PflegedienstleitungEN und insbesondere PflegekräftEN mitbekommen. Wir haben die Bemühungen von Frau ……… registriert und hin und wieder auch engagiertes Pflegepersonal kennen gelernt, das meist nach absehbarer Zeit das Handtuch geworfen hat, weil die Arbeitsbedingungen als unzumutbar empfunden wurden.

Seitdem die St. …----- Hilfe die Trägerschaft übernommen hat, versuche ich ein schlüssiges Konzept zu erkennen. Ich konnte feststellen, dass eine krankenhausmäßige Versorgung der alten Menschen stattgefunden hat, mehr oder weniger liebenswürdig.

Eine Altenbetreuung, Betreuung wörtlich und inhaltlich gemeint, ein Interesse an den Menschen, an der Persönlichkeit der zu betreuenden Menschen, habe ich fast immer vermisst. Den anvertrauten alten Menschen mit Respekt zu begegnen und ihre Würde zu achten, konnte ich absolut höchst selten beobachten.

Ich könnte Ihnen hundertfach Beispiele benennen, und in meinen Briefen ist das ja auch hinlänglich zum Ausdruck gekommen, aber ich habe Zweifel, ob Sie das als Geschäftsführerin überhaupt erreicht, nachdem die St. ----- Hilfe bis heute KEIN Konzept für eine sinnvolle und liebevolle Altenbetreuung erstellt hat, geschweige denn dessen Umsetzung.

Meine Konsequenz aus den sechs erfahrungsreichen Jahren ist, dass ich nie in ein Altenheim gehen werde, sondern den Freitod vorziehe, anstatt so meinen Lebensabend erleben zu müssen.

Ich wünsche Ihnen die Erlebnisse im Alter, die Sie den Menschen in ihrem Hause zumuten und verbleibe

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Entschuldigungsbrief einer Tochter an ihre verstorbene Mutter.

Hallo liebe Mutti,

am Mittwoch gegen 15.30 Uhr bin ich mit Dir per Sanka ins Krankenhaus gefahren und Dr. Ziegler hat mit den Ärzten dort vereinbart, dass ich bei Dir auf der Intensivstation bleiben darf. Ich wollte Dich einfach nicht mehr alleine aus dem Haus lassen, da Dir immer schreckliches passiert, wenn Du fern von Deiner Familie bist.

Bis Donnerstag gegen 18.00 Uhr bin ich nicht von Deiner Seite gewichen. Dann wurdest Du in den OP-Raum gebracht Da durfte ich nicht mit. Und schon wieder ist etwas passiert. Du hattest einfach keine Kraft mehr zu kämpfen  und bist um 20.19 Uhr gestorben.

Ja liebe Mutti, kein Wunder, dass Dich Deine Kräfte verlassen haben.

97 Tage warst Du nicht in Deiner gewohnten Umgebung, weil ich Dich am 18. Januar zur Kurzzeitpflege Ederer nach Königsbrunn gebracht habe. Ich dachte mir, da wirst Du liebevoll gepflegt und nach einer Woche hole ich Dich dann wieder ab, damit sich Vati einwenig erholen kann. Da habe ich wohl falsch gedacht. Nach 6 Tagen holte ich Dich nach Hause, da ich bei meinen täglichen Besuchen gemerkt habe, dass es Dir dort nicht gefällt. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass Du zu wenig zum Trinken bekamst.

Das stellte sich erst heraus, als Du wieder zu Hause warst und nach einem Tag zusammengebrochen bist und nicht mehr laufen konntest Man hat Dich dann mit dem Sanka ins Krankenhaus gebracht Gerne hätte ich Dich wieder nach Hause geholt, aber Du bist keinen Schritt mehr gelaufen. Vati konnte ich das mit seinen 88 Jahren nicht zumuten, dass er Dich pflegt. Und ich war egoistisch, ich habe weiter meinen Beruf ausgeübt und wollte darauf nicht verzichten. Was blieb anders übrig wenn man sich nicht genug schlau macht? Ein Heim, jawohl ein Heim!

Heute schüttelt es mich, wenn ich nur daran denke.

Also habe ich für Dich im Seniorenheim in Schwabmünchen einen Pflegeplatz reservieren lassen. Es hörte sich gut an, wie toll dort die Pflege ist und was dort alles mit den alten Menschen unternommen wird.

Nichts, aber auch gar nichts entsprach der Wahrheit.

Bei Deiner Einlieferung war Dein Zimmer warm. Die nächsten 3 Tage war die Heizung abgedreht. Draußen hatten wir Minusgrade und es lag Schnee.

Geduscht wurde in einem Raum 3 x 4 Meter, um die Dusche kein Duschvorhang. Aber der Höhepunkt war, dass in diesem Duschraum keine Heizung war. Kein Wunder dass jedes Mal, wenn Du geduscht wurdest und die Haare gewaschen wurden, Du Fieber und eine Bronchitis hattest.

Von Zahnpflege hatte das Pflegepersonal noch nie etwas gehört.

Wenn Du Dich gemeldet hattest, dass Du auf die Toilette musstest, hatte es geheißen, Frau Huber, Sie haben eine Windel an, machen Sie in die Windel.

usw. usw!!!

Du weißt, liebe Mutti, was da noch alles vorgefallen ist.

Deshalb habe ich Dich wieder nach Hause geholt und Du fühltest Dich wohl.

Du sagtest auch: „Ich bin so froh, dass ich wieder zu Hause bin“.

Du hast auch wieder das Laufen gelernt. Hast mit Vati gesungen. Man merkte einfach, dass es Dir gut geht.

Kein Wunder, Du hattest liebevolle, aufopferungsvolle Pflegekräfte um Dich, die Dich abbusselten, streichelten und äußerst liebevoll mit Dir umgingen.

Leider durftest Du das nur kurze Zeit erfahren. Wir sind alle darüber sehr traurig.

Mir tut es aufrichtig leid, dass es Dir so schlecht ging in den Pflegeeinrichtungen. Und ich möchte mich dafür entschuldigen, dass Du das mir zu verdanken hattest.

Mit dieser großen Schuld muss ich nun fertig werden.

Ich verspreche Dir, dass ich das nicht als gegeben hinnehme. Ich werde versuchen zu kämpfen, dass diese Missstände in dieser Kurzzeitpflege und in diesem Pflegeheim aufhören. Ob es mir gelingt, weiß ich nicht.

Dir, liebe Mutti, ist damit nicht mehr geholfen, aber ich weiß, dass Du nicht möchtest; dass es anderen alten Leuten genauso geht

Ich hoffe, dass es Dir jetzt gut geht. Vati und ich werden Dich nie vergessen.

Nach jeder Fernsehsendung zum Thema -  häufen sich die Zuschriften  schlagartig. Einige  richten sich direkt an den  Moderator oder Sender.   

Sehr geehrter Herr Kerner,

ich bin eine sehr interessierte und kritische Zuschauerin Ihrer Talk-Show. Ausgerechnet gestern habe ich etwas zu spät eingeschaltet, weil ich noch mit meinem Mann unterwegs war. Es war aber noch so, dass ich mitbekommen habe um was es geht.

Meine am 23.07.2003 verstorbene Mutter war im Pflegeheim.

Zu diesem Thema kann ich Ihnen einige Briefe bzw. Aktennotizen und ein Schreiben von mir u. ein Antwortschreiben von Herrn Dr.Lasotta, Mitglied des Landtages BadenWürttemberg, übersenden.

Allein aus diesen Unterlagen können Sie ersehen welchen Kampf ich über 3 Jahre führen musste, damit meine Mutter einigermaßen versorgt wurde für viel Geld.

Ich habe meine Mutter nach dem Tode meines Vaters von Neckarsulm aus versorgt (13 km ein Fahrtweg). Meine Eltern wohnten in Bad Rappenau. Nach dem Tode meines Vaters im Jahre 1994 (den ich zusammen mit meiner Mutter pflegte, er hatte Alzheimer und Parkinson und starb im Alter von 85 Jahren)habe ich dann meine Mutter ab 1996/1997 bis zum März 2000 zu Hause versorgt, habe jeweils für 3 Tage vorgekocht und ihr das Essen gebracht, die üblichen Hausarbeiten, jede Woche Bettwäsche gewechselt und alles schriftliche erledigt.

Zusammen mit der Soz. Station Bad Rappenau habe ich meine Mutter so gut versorgt bis ich selbst erkrankte (Gürtelrose). Für diese Leistungen bekam ich keinen Pfennig/bzw. Cent Pflegegeld, weil die Pflegestufe der Krankenkasse, der Betrag von DM 750,00 (Kombinationsleistung )an die Sozialstation ging und meine Mutter noch zusätzlich ca. DM 200,00 zahlen musste, obwohl ich sämtliche Hausarbeiten erledigte und die Sozialstation bei meiner Mutter nur die körperliche Pflege ableistete. Ich habe mich dann bemüht meine Mutter nach Neckarsulm zu holen, was mir auch gelang und habe im „Alten betreuten wohnen“ eine zwei Zimmerwohnung bekommen.

Das nur zur besseren Verständlichkeit. Ich hatte nie vor meine Mutter ins Pflegeheim zu geben, aber es blieb mir keine andere Wahl.

Ich habe in der gesamten Zeit von April 2000 bis zum Tode meiner Mutter, die gesamte Kleidung, Decken, Strumpfhosen etc. gewaschen, weil ich wollte, dass meine Mutter ordentlich gekleidet ist.

Des öfteren wurde ich auch aufgefordert doch für meine Mutter mal wieder eine Hühnersuppe zu bringen, was ich selbstverständlich gerne tat, es war ja zum Wohle meiner Mutter. Auch weiches Weißbrot habe ich mindestens 3mal die Woche mitgebracht, weil es gab nur Dunkelbrot mit harter Kruste und das frischeste war es auch nicht. Ich habe öfters den ganzen Tisch mit kleinen belegten Brotstreifen versorgt, weil keiner da war, um den pflegebedürftigen Menschen beim essen Hilfestellung zu geben. Nur ich fragte mich, warum wir soviel Geld bezahlen, wo ich doch meine Mutter mitversorgte.

Das alles war nicht das Problem, vielmehr die Unordnung in den Zimmern und die ungepflegten Heimbewohner die unfrisiert herumsaßen.

Bei einer Angehörigenzusammenkunft habe ich den Vorschlag gemacht, dass ich die Pflegekräfte gerne unterweise, wie man den älteren Heimbewohnern mit ein paar Handgriffen ein ordentliches Aussehen geben kann, damit die Pflegebedürftigen nicht wie bei einer „Halloweenparty“ aussehen. (Ich bin keine Friseuse.)

Unter den Betten war soviel Staub und Schmutz, dass ich mir von der Putzfrau (sie war gerade auf dem Flur) den Eimer und den Putzwedel genommen und das Zimmer nass gewischt habe. Ich könnte eine 12bändige Enzyklopädie verfassen über diese Jahre im Pflegeheim.

Ich kam zu unterschiedlichen Zeiten, mal am Vormittag (zum Mittagessen geben) mal am Nachmittag oder zum Abendessen geben. Meine Mutter war nie frisiert, die Einlagen von der Nacht lagen im Bad und es roch penetrant. Ich kann keinem Menschen sagen in welchem Zustand „ich mich befand“, weil ich ein wahnsinnig schlechtes Gewissen hatte, dass meine Mutter (die immer sehr penibel und akkurat war) in einer solchen Umgebung die letzten Jahre ihres Lebens (das ohnehin sehr entbehrungsreich war, 1946 mit 2 kleinen Kindern aus der Heimat vertrieben, mein Vater kam 1949 aus russischer Kriegsgefangenschaft) verbringen musste.

Das mit viel Arbeit und Entbehrung erschaffene Reihenhaus musste verkauft werden, um die Kosten für das Pflegeheim abzudecken, denn auch die Rente war sehr spärlich und reichte bei weitem nicht mal für eine Woche Pflegeheim.

Ich war beinahe täglich bei ihr und trotzdem konnte ich nicht immer das erreichen, was meiner Mutter an Fürsorge und Pflege zugestanden hätte.

Auch wurde ich von der Heimleitung/Pflegeleitung bedrängt die Höherstufung der Pflege bei der Kasse zu beantragen. Ich konnte dies eine ganze Zeit abwehren, auch im Interesse der Krankenkasse (ich selbst habe 25 Jahre bei der DAK gearbeitet, als Sachbearbeiterin und kannte die gesetzlichen Voraussetzungen nur zu gut).

Wenn ich einen Beitrag dazu leisten kann, dass diese Missstände beseitigt werden und wenigstens die nachfolgenden Personen so gepflegt und versorgt werden, nicht nur nach den Vorschriften, sondern vor allem nach den Bedürfnissen der Hilfebedürftigen, bin ich gerne bereit mehr darüber zu berichten.

Bemerken möchte ich noch, dass das Pflegepersonal total überfordert war. Diese haben sicherlich viel geleistet, aber 3 Mitarbeiter auf einer Pflegestation mit 40-50 Bewohnern, und der überwiegende Teil schwerpflegebedürftig, das geht mit dem besten Willen nicht. In meinen Augen war und sind das Management von Pflegeheimen „Ausbeuter“. Es war mir ein großes Bedürfnis (auch nach dem Tode meiner Mutter) nochmals diese unerträgliche Situation gewissermaßen zu verarbeiten und an die Institution weiterzugeben die Einfluss nehmen und eine positive Veränderung herbeiführen kann.

Für mich bzw. für meine Mutter ist es zu spät, aber ich wünsche mir, dass die Pflegeheime besser ins Visier genommen werden und die Hilfe- und Pflegebedürftigen nicht der Willkür von Geldgierigen ausgesetzt sind.

Mit freundlichen Grüßen

Maria Emerich


Mitglieder des Pflege-shv haben im Vorfeld länger darüber nachgedacht, ob wir die von den Angehörigen namentlich genannten Einrichtungen und Träger stehen lassen, was ich persönlich befürwortet habe, weil sich bei Anonymisierungen niemand wirklich angesprochen fühlen muss. Mehrheitlich haben wir uns entschieden keine Namen zu nennen, solange wir die erhobenen Vorwürfe und Berichte nicht durch eigene Nachforschungen prüfen konnten.  

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