Aufregung um den zweiten MDS Qualitätsbericht zur Pflege
31.August 2007: Wie so oft ist die Bildzeitung
allen anderen einen Schritt voraus. Als heute morgen so gegen 8 Uhr erstmals das Telefon klingelte, mit der Frage
ob ich um 10 Uhr für ein Lifeinterview zur Verfügung stehe, dachte ich zunächst es sei etwas neues passiert. Als ich dann im Internet den Bericht in der Bildzeitung las, der sich auf den bis dahin noch nicht
veröffentlichten 2. Qualitätsbericht des Medizinischen Dienstes der Pflegekassen bezog,
wunderte ich mich über die plötzliche Aufgeregtheit.
Die in diesem Bericht zu Tage geförderte Mängellage, überrascht die Mitglieder
unseres Verbandes keineswegs. Neu ist jedoch die öffentliche Wirkung dieses Berichtes, der insofern sehr
hilfreich ist, als die viel beschriebenen Probleme nun nicht mehr in die Ecke bedauerlicher Einzelfälle gestellt
werden können. Tatsächlich ist die Lage noch viel
schlechter als berichtet, denn die wenigen Punkte, die den MDK bei seinen Prüfungen interessieren, spiegeln nur
einen Teil des Ganzen wieder, siehe dazu auch die Ausführungen auf der Seite: Was uns bewegt/
Erfahrungsberichte
,
mit einer Kommentierung der Ergebnisse des
Qualitätsberichts 2004.
Das Deutsche Institut für Menschenrechte, hat sich im vergangenen Jahr ebenfalls in einer
Studie mit der
Situation älterer Menschen in
Pflege
befasst , und der Pflege in Deutschland ein schlechtes Zeugnis
ausgestellt.
Die heutigen Interviews bewegten sich regelmäßig um die Hauptursachen für
die Pflegesituation in Deutschland und was man wirksam dagegen tun kann. Da wir dazu bei verschiedenen
anderen Gelegenheiten Stellung bezogen haben, sei darauf nochmals verwiesen. Bei Zeitungsberichten oder
Fernsehinterviews werden leider oft nur bestimmte Schlagworte aufgegriffen oder Aussagen aus dem
Zusammenhang gerissen, wodurch an manchen Stellen ein falsches Bild entstehen kann. Darum sei hier auf ein
Positionspapier
verwiesen, mit dem auch
einige tiefere Zusammenhänge verständlich werden.
Die Pressemitteilung der
Spitzenverbände der Pflegekassen und weitere Berichte und Stellungnahmen zum heutigen Brennpunktthema, finden Sie
hier
Auch auf die Frage des WDR "Ist die Pflege ein Pflegefall?" gab es
zahlreiche
Einträge
Das Thema beherrscht auch an den Folgetagen die Medien, wobei
die Frage nach Lösungen mehr und mehr Gewicht gewinnt. Von allen Seiten mehren sich die Stimmen, die einen
Pflege-TÜV fordern. Eine vergleichbare Grundidee hat Mitglieder unseres Verbandes Anfang 2006
bewogen, Prüfkriterien für menschenwürdige Pflege zu entwickeln sowie ein Verfahren, welches
vergleichbar den Hotelsternen, eine zuverlässige Aussage über die Qualität in der Einrichtung macht. Lesen Sie dazu
den Beitrag
"Sterne für Pflegeheime"
Ob die bei technischen Geräten und
Autos bewährte Verfahrensweise des TÜVs geeignet ist, die Risiken im Innenleben von Heimen
sicher zu bewerten oder auszuschalten, muss stark bezweifelt werden. Angenommen ein Heim besteht den TÜV nicht,
wer soll dann autorisiert werden das Heim zu schließen oder die notwendigen Verbesserungsmaßnahmen
durchzusetzen. Eine regelmäßige Verpflichtung aller Heime zur Erneuerung der TÜV- Plakette,
wäre zunächst ein zusätzlicher Kostenpunkt, abgesehen vom bürokratischen Mehraufwand der erwartet werden
muss. Außerdem stellt sich die Frage, welche Rolle die Heimaufsicht und der MDK dann spielen. Bei drei offizielle
Prüfinstanzen ist mindestens eine zuviel. Außer einer vom Ansatz her durchaus interessanten Idee und
zahlreichen Fragen, besitzt die Forderung nach dem Pflege-TÜV, derzeit keinerlei Substanz. Dagegen sind wir mit
der Entwicklung unseres Heimsternekonzept schon soweit, dass wir noch in 2007 mit den ersten Probeläufen beginnen
können.
DIE ZEIT veröffentlichte am 27.09.2007 folgenden Beitrag:
Der wahre Pflege-Notstand Alte Menschen leiden, weil die Politik nicht ihre
Interessen verfolgt – sondern die der Heime. Ein sehr lesenswerter
Beitrag
von Marie-Luise Hauch-Fleck, der in wesentlichen
Teilen unsere Ansicht wiedergibt. Leserkommentar
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